Auf dem ehemaligen RIAS-Gelände in Neukölln sollen neue Wohnungen, Gewerbeflächen und soziale Infrastruktur entstehen. Der Senat hat dafür den Flächennutzungsplan geändert, Naturschützer warnen jedoch vor der Bebauung einer ökologisch besonders wertvollen Fläche.

Straßenschilder von Tempelhofer Weg und Britzer Damm nahe dem ehemaligen RIAS-Gelände in Berlin-Britz.

Das Entwicklungsareal befindet sich unweit der Kreuzung von Tempelhofer Weg und Britzer Damm in Berlin-Neukölln. Auf dem ehemaligen RIAS-Gelände soll ein neues Wohnungsbauprojekt entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf dem ehemaligen RIAS-Gelände zwischen Gradestraße, westlichem Tempelhofer Weg und Britzer Damm soll die Entwicklung eines neuen Quartiers vorbereitet werden. Der Berliner Senat hat am 11. August 2026 die Änderung des Flächennutzungsplans beschlossen. Damit wird der Rahmen für Wohnungsbau, Gewerbe und die Erweiterung des bestehenden BSR-Standorts geschaffen.

Nach Angaben des Senats soll die Fläche vor allem dazu beitragen, innerhalb der bestehenden Stadtstruktur neue Potenziale für Wohnungsbau zu erschließen. Vorgesehen sind neben Wohnungen auch soziale Infrastruktur und Gewerbeflächen. Gleichzeitig sollen größere Teile der vorhandenen Freiflächen und Grünverbindungen erhalten oder neu gestaltet werden.

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„Britzer Terrassen“: Pläne für das RIAS-Gelände gibt es schon länger

Neu sind die Pläne für das Areal nicht. Das Vorhaben ist inzwischen unter dem Namen „Britzer Terrassen“ bekannt. Bereits seit mehreren Jahren wird für das ehemalige RIAS-Gelände ein neues Quartier geplant; der dazugehörige Bebauungsplan 8-98 befindet sich seit 2020 im Verfahren.

Im Bebauungsplan sind rund 880 Wohnungen vorgesehen, während die Projektseite der „Britzer Terrassen“ von etwa 1.000 Wohnungen spricht. Angekündigt ist dort eine geschätzte Bauzeit von drei bis fünf Jahren.

Grundstücksmauer und dichter Baumbestand entlang des ehemaligen RIAS-Geländes am Tempelhofer Weg in Berlin-Britz.

Hinter der Grundstücksmauer am Tempelhofer Weg erstreckt sich das ehemalige RIAS-Gelände. Das bislang weitgehend abgeschirmte und stark begrünte Areal soll künftig für den Wohnungsbau genutzt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Naturschützer sehen ökologisch wertvolle Fläche in Britz

Die Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz (BLN) bewertet die geplante Entwicklung deutlich kritischer. In ihrer Stellungnahme zur Öffentlichkeitsbeteiligung spricht sie sich gegen eine Bebauung der Fläche aus. Das ehemalige RIAS-Gelände sei aus Sicht des Verbandes besonders wertvoll für den Natur- und Artenschutz.

Auf dem Areal befinden sich nach Angaben der BLN unter anderem hochwertige Böden, Pfuhle und Waldflächen. Zudem gebe es Vorkommen seltener Wildbienenarten, darunter eine Art, die in Berlin bereits als ausgestorben galt. Auch für das Stadtklima und die Biotopvernetzung habe die Fläche eine wichtige Funktion. Die BLN verweist außerdem darauf, dass das Berliner Landschaftsprogramm von 2016 das Gebiet als besonders schützenswert einstufe und langfristig eine Ausweisung als Landschaftsschutzgebiet vorsehe.

Freiraum soll laut Senat teilweise erhalten bleiben

Der Senat stellt dem entgegen, dass die Planung nicht auf eine vollständige Bebauung der Fläche zielt. Grünverbindungen und Freiflächen sollen nach den bisherigen Vorgaben in wesentlichen Teilen erhalten beziehungsweise umgestaltet werden. Zugleich soll mit der Entwicklung ein Standort entstehen, der Wohnen, Arbeiten und soziale Infrastruktur miteinander verbindet.

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Für die Naturschutzverbände reicht dieser Ansatz allerdings nicht aus. Die BLN verweist darauf, dass in den Planungsunterlagen selbst von einem weitgehenden Verlust des bisherigen Charakters und der Artenzusammensetzung der Fläche ausgegangen werde. Kritisch sehen die Verbände zudem, dass Eingriffe teilweise außerhalb Berlins, unter anderem im Land Brandenburg, ausgeglichen werden sollen.

Entscheidung über konkrete Bebauung steht noch aus

Mit der Änderung des Flächennutzungsplans ist die konkrete Bebauung des Areals noch nicht beschlossen. Sie schafft vielmehr die übergeordnete planerische Voraussetzung für die weiteren Bebauungsplanverfahren, die vom Bezirk Neukölln bearbeitet werden. Dabei müssen die Belange des Wohnungsbaus, der Gewerbeentwicklung, des BSR-Standorts sowie des Natur- und Freiraumschutzes weiter gegeneinander abgewogen werden.

Wirksam wird die Änderung des Flächennutzungsplans nach der Zustimmung des Abgeordnetenhauses und der anschließenden Veröffentlichung im Amtsblatt. Erst danach können die weiteren Planungsschritte für das Gebiet auf dieser Grundlage fortgeführt werden.

Historisches Gebäude der Alfred-Nobel-Schule neben dem ehemaligen RIAS-Gelände in Berlin-Britz.

Direkt an das ehemalige RIAS-Gelände grenzt die Alfred-Nobel-Schule in Berlin-Britz. Der historische Schulbau liegt unmittelbar neben dem Areal, auf dem künftig neuer Wohnraum entstehen soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Britzer Damm 176
Tempelhofer Weg 118

Quellen: Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, Berliner Landesarbeitsgemeinschaft Naturschutz e.V., Livos Gruppe, Britzer Terrassen, Bebauungsplan 8-98

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