Am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg wird nach langem Vorlauf ein städtebaulicher Lückenschluss realisiert: Das Büroprojekt „NO6“ entsteht direkt neben dem denkmalgeschützten Metropol-Theater. Mit architektonischem Feingefühl und nachhaltigem Energiekonzept soll es neue Impulse für das Quartier setzen.

Nach Jahren des Stillstands startet am Nollendorfplatz ein neues Bauvorhaben: Das Bürogebäude „NO6“ greift gestalterisch Elemente des Metropols auf und verbindet sie mit zukunftsorientierter Gebäudetechnik. / © Visualisierung: Bauwens Development
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© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Nach langen Jahren des Wartens haben am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg die Bauarbeiten an einem schon vor Jahren konzipierten Gewerbe-Neubau begonnen. Neben dem denkmalgeschützten Metropol-Theater entsteht auf 1.500 Quadratmetern ein Bürogebäude mit Blick auf den U-Bahnhof Nollendorfplatz. Im Frühjahr 2025 wurde das Projekt „NO6“ im Rahmen eines Forward Deals an den Düsseldorfer Private-Equity-Investor COLCAP veräußert.
Das internationale Architekturbüro HENN verfolgt das Ziel, mit dem Entwurf sowohl architektonische Bezüge zur historischen Umgebung herzustellen als auch eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Gestaltung zu realisieren. Die oberen Etagen sind vorrangig für Büroflächen vorgesehen, können jedoch auch von Einzelmietern genutzt werden. Im Erdgeschoss ist eine gastronomische Nutzung geplant. Die Bauarbeiten für das Bürogebäude „NO6“ begannen Anfang 2025, die Fertigstellung ist für Mitte 2027 angesetzt.
Neubau am Nollendorfplatz: So soll das siebenstöckige Bürogebäude neben dem Metropol-Theater aussehen
Das Bürogebäude „NO6“ möchte gestalterische Anleihen beim benachbarten Metropol-Theater nehmen und diese in eine moderne Bauform mit nach innen gewölbten, bodentiefen Fenstern übertragen. Die horizontale Fortführung des zurückweichenden Giebelansatzes des Theaters soll eine visuelle Verbindung zur Umgebung schaffen. Das Gebäude wird eine Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern umfassen und über sieben Ebenen verfügen.
Clemens Stahr, geschäftsführender Gesellschafter der Bauwens Development Berlin, hebt hervor, dass das „NO6“ moderne Büroflächen mit nachhaltigen Baukonzepten und einer hohen Standortqualität kombiniert. Das Projekt soll zur architektonischen Gestaltung des Quartiers beitragen und langfristige Impulse für die städtebauliche Entwicklung am Nollendorfplatz setzen.
Regenerative Energien für das „NO6“: Was sieht das Energiekonzept vor?
Das Energiekonzept zielt darauf ab, das Gebäude weitgehend CO₂-neutral zu betreiben. Hierfür kommen Photovoltaikanlagen auf dem Dach zum Einsatz, die lokal regenerativen Strom aus Sonnenenergie erzeugen. Dieser wird sowohl für den Betrieb von Wärmepumpen als auch für die dezentrale Warmwasserbereitung sowie für den Strombedarf der Mieter und allgemeiner Nutzung in den Etagen verwendet.
Zusätzlich wird Geothermie genutzt und energieeffiziente Gebäudetechnik implementiert. Die Fassade des Gebäudes ist in ein 5,40-Meter-Raster gegliedert und mit recyceltem Kupfer verkleidet. Mit einem intelligenten Sonnenschutzsystem und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung möchte Bauwens Development das Konzept ergänzen und das Raumklima optimieren.
Stadtentwicklung am Nollendorfplatz: Vom Schmuckplatz zum Spielcasino
Der Nollendorfplatz entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Teil des sogenannten Generalszugs, einer städtebaulichen Achse, die an die Befreiungskriege gegen Napoleon erinnert. Seinen Namen erhielt er in Gedenken an die Schlacht bei Nollendorf, während die angrenzende Kleiststraße nach dem preußischen General Friedrich von Kleist benannt wurde.
Ursprünglich als repräsentativer Schmuckplatz angelegt, wandelte sich der Platz im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Heute ist er vor allem als Zentrum der queeren Community sowie für sein lebendiges Nachtleben bekannt.
Schöneberg: Büro-Neubau ersetzt zweigeschossigen Vorgängerbau aus der Nachkriegszeit
Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Nollendorfplatz dicht bebaut, doch alliierte Bombenangriffe zerstörten große Teile der historischen Architektur. In der Nachkriegszeit entstand an der Stelle, wo nun der Neubau realisiert wird, ein zweigeschossiger Zweckbau, der viele Jahre als Spielcasino genutzt wurde. Mit dem geplanten Neubauprojekt soll das Areal nun eine zeitgemäße Neugestaltung erfahren.
Der Neubau hat zudem einen populären Nachbarn, das historische Metropol-Theater. Das Gebäude wurde 1906 als „Neues Schauspielhaus“ eröffnet und war über Jahrzehnte ein wichtiger Ort für Theater, Konzerte und Varieté in Berlin.
Metropol am Nollendorfplatz: Jahrzehnte als zentraler Kulturort in Berlin-Schöneberg
In den 1920er-Jahren erlangte es mit der Piscator-Bühne überregionale Bedeutung als Spielstätte des politischen Theaters. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt; zunächst als Kino, später als Diskothek und Konzertsaal.
In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte sich das Metropol zu einem zentralen Ort der Berliner Club- und Musikszene. Nach mehreren Umnutzungen und Sanierungen wurde das Gebäude 2019 wiedereröffnet und dient heute als multifunktionale Veranstaltungsstätte mit historischer Prägung, die allerdings nur unregelmäßig geöffnet wird.

Der Gewerbe-Neubau entsteht mitten im bunten Kiez rund um das Metropol-Theater am Nollendorfplatz in Schöneberg. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Immobilienmanager, Bauwens Development Berlin, tip Berlin, HENN
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9 Kommentare
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„Das Bürogebäude „NO6“ greift gestalterisch Elemente des Metropols auf …“
Ähämm … das hat ja hohen Unterhaltungswert! Mal abgesehen davon, dass das Gebäude des Metropol nur architektonisch nicht besonders gelungen ist … wo nimmt der Neubau gestalterische Elemente des Metropols auf??? Bin ich blind? Hat man versehentlich einen falschen Entwurf oben in das Bild eingestellt? Allenfalls nimmt der Neubau Gestaltungselemente des nunmehr abgerissenen „Bunkers“ auf.
Leute, lest Ihr eigentlich noch die Texte, bevor Ihr sie hier einstellt???
Auf jeden Fall freue ich mich, dass diese Baulücke endlich geschlossen wird. Und hoffentlich fällt den Stadtplanern was Gescheites für den Platz vor dem Gebäude ein (wenn ich auch zweifele)!
Ein weiteres Gebäude, dass sich erklären muss um es zu verstehen… Architektonisch 08/15
Der Neubau hätte im 5.OG die Kurve des Staffelgeschosses etwas zurückgesetzt aufnehmen müssen.
Dann hätte man dem Metropol mehr Luft zum Atmen gelassen. So wird es seitlich erdrückt…
Kalt, einfaltslos selbstredend ohne Wohnungsanteil.
Gut das wir unbedingt neue Bürogebäude in Berlin brauchen .
Passt sich dem Metropol an ???? Wo ,Wann und Wie . Brauche wahrscheinlich eine Brille um das zu erkennen .
Verunstaltet man ruhig munter weiter .
Noch ein Gebäude dass keiner in Berlin braucht.
Unsere Stadtplaner sind genauso ne Fehlbesetzung wie Ute Bonde als Verkehr- und Klimaschutz Senatorin.
Bürohaus?Für wen und warum in dieser kaputten, verdreckten Ecke,wer soll denn dort arbeiten und für diesen Standort horrende Miete zahlen.
Ein Plus für Bettler und Schmarotzer da können dann noch mehr Menschen belästigt werden.
Diese von den Grünen verseuchte Ecke mit der verkommenen Begegnungszone ist für Arbeiter im Büro sicherlich nicht interessant.
Aber was soll es in Berlin wurde immer schon am Bedarf vorbei gebaut und hässlich außerdem, bin gespannt wer dort die Hand aufgehalten hat für ein überflüssiges Projekt.
Dieses Gebäude fügt sich ein in die bereits vorhandene Architektur wie ein Elefant in ein Porzellanladen.. Kalte, seelenlose Architektur, welche die Aura des Platzes endgültig zerstört..anstatt sie halbwegs zu heilen.
Zudem natürlich die berechtigte Frage: Warum ein scheiß hässliches Bürogebäude, warum kein wunderschönes Wohnhaus ?
„Aufgreifen gestalterischer Elemente des Metropol“ – bei diesem Architekturwortgeschwurbel könnte ich im Strahl brechen… Das Einzige, das aufgegriffen wird, ist die mit dem Nachbarhaus und dem Vorbau des Metropol gemeinsame Traufhöhe. Der Rest ist „Klötzkes-Architektur“.
Ich verstehe nicht, wie solche Entwürfe genehmigt und mit hohlen Phrasen gerechtfertigt werden können. Bürogebäude werden auf der anderen Seite natürlich in Berlin dringend benötigt. Ungefähr so wie Sand in der Sahara. Mal gut, dass die Wohnungssituation in der Stadt so entspannt ist, dass man Investoren freie Hand lassen kann.