Am Ernst-Thälmann-Park in Prenzlauer Berg nimmt ein seit Jahren umstrittenes Entwicklungsprojekt eine neue Wendung. Bezirk und Investor haben sich erstmals auf gemeinsame Eckpunkte für ein neues Wohnquartier an der Greifswalder Straße verständigt. Damit rückt ein Hochpunkt am Rand des Thälmannparks näher, kleiner als ursprünglich geplant und städtebaulich enger eingebettet.

Neue Hochhäuser in Prenzlauer Berg? Am Thälmannpark im Bezirk Pankow gibt es neue Bewegung: Bezirk und Investor verhandeln über eine mögliche Einigung. / © Visualisierung: Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme
© Visualisierung Titelbild: Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme
Nach einem jahrzehntelangen Stillstand kommt Bewegung in die Entwicklung des ehemaligen Güterbahnhofs Greifswalder Straße. Das Bezirksamt Pankow bestätigte dem Tagesspiegel, dass man sich nach langen Gesprächen mit Investor Christian Gérôme auf grundlegende Eckpunkte für ein neues Wohnquartier verständigt hat. Damit endet eine Phase, in der frühere Bauanträge scheiterten und politische Positionen unvereinbar schienen.
Über Jahre wurde darüber gestritten, wie das Gelände genutzt werden soll. Der Bezirk hatte in eigenen Konzepten zeitweise bis zu 110 Meter hohe Hochhäuser in Betracht gezogen. Diese Überlegungen waren an die Hochhausstrukturen des benachbarten Ernst-Thälmann-Parks angelehnt. Nun setzt die Einigung auf einen deutlich niedrigeren Hochpunkt, der die Umgebung weniger dominant beeinflusst.
Wohnquartier am Thälmannpark: Zeilenbau mit 8 Geschossen und Hochpunkt mit bis zu 17 Etagen
Das neue Quartier soll im Kern Wohnraum schaffen. Eine achtgeschossige Zeilenbebauung entlang der Ringbahntrasse bildet das Rückgrat der Planung und führt in einen Wohnhof am alten Bahnhofsgebäude. Ergänzend entsteht ein Hochhaus mit 16 bis 17 Geschossen an der Greifswalder Straße, der die städtebauliche Silhouette des Thälmannparks aufgreift.
Zudem ist ein seitlicher Baukörper mit fünf bis sechs Geschossen geplant, der kleinteilige Läden aufnehmen soll. Diese Ergänzung soll die Nahversorgung innerhalb des Quartiers stärken und die Erdgeschosszonen beleben. Parallel plant das Land Berlin eine neue Oberschule. Sie soll auf landeseigenen Flächen an der Lilli-Henoch-Straße entstehen und den steigenden Bedarf im Bezirk abfedern. Der Investor konzentriert sich vollständig auf den Wohnungsbau, da laut Bezirksamt derzeit keine Nachfrage nach Büroflächen besteht.
Neue Wege am Thälmannpark: Erschließung über die Greifswalder Straße und geöffnete Fußgängerbrücke
Auch die verkehrliche Anbindung wurde festgelegt. Das Quartier soll über die Greifswalder Straße erschlossen werden, während Parkplätze überwiegend in Tiefgaragen entstehen. Ein weiterer Bestandteil der Einigung betrifft die Fuß- und Radwege. Die Fußgängerbrücke an der Greifswalder Straße soll geöffnet und für den Radverkehr ertüchtigt werden.
Dadurch könnte eine bislang unterbrochene Verbindung durch den Thälmannpark bis zur Prenzlauer Allee wiederhergestellt werden. Die Wegeführung spielt eine zentrale Rolle, da sie das Quartier stärker mit den umliegenden Wohngebieten verzahnt. Der Bezirk sieht darin die Möglichkeit, den öffentlichen Raum zu verbessern und Barrieren abzubauen.
Berliner Modell und „Bauturbo“: Wie das Quartier in Pankow schneller und sozialer entstehen soll
Der Wohnungsbau soll nach den Vorgaben des Berliner Modells erfolgen. Mindestens 30 Prozent der Wohnungen sind als geförderter Wohnraum vorgesehen, was der Investor nun unterstützt. Diese Zustimmung war lange strittig und gilt als wichtiger Fortschritt. Zudem prüft das Bezirksamt, ob ein beschleunigtes Verfahren („Bauturbo“) angewendet werden kann. Dieses könnte das Bebauungsplanverfahren verkürzen und die Umsetzung erleichtern.
Der erzielte Kompromiss bildet die Grundlage für die nächsten Schritte, ersetzt aber nicht das formale Verfahren. Gemeinsam wollen Bezirk und Investor Anfang des kommenden Jahres der Bezirksverordnetenversammlung den aktuellen Stand vorstellen. Anschließend wird das Bebauungsplanverfahren vorbereitet.
Obwohl viele Details noch offen sind, zeichnet sich eine klare Perspektive ab: Das neue Quartier am Thälmannpark könnte ein wichtiger Baustein für bezahlbaren Wohnraum und eine städtebauliche Weiterentwicklung im östlichen Prenzlauer Berg werden.
Quellen: Tagesspiegel, Prenzlauer Berg Nachrichten, Bezirksamt Pankow, Tchoban Voss Architekten, Christian Gérôme, NAK Architekten
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5 Kommentare
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Gut, dass das Thema endlich durch ist. Das Verhalten des Bezirks war an Lächerlichkeit nicht zu überbieten!
… und wieder verschwindet ein Club in Berlin. Good bye Jonny Knüppel. Berlin hats halt nicht so mit der Pflege seines Weltkulturerbes.
Ganz bestimmt entsteht dort „bezahlbarer Wohnraum“
Gibt es irgendwo eine Karte der geplanten Bebauung? Das nervt mich generell. Überall sieht man hübsche Visualisierungen, aber mich interessiert, auf welchen Flächen da genau gebaut wird und wo die Grenzen der Bebauung verlaufen.
Noch mehr sinnloser Beton. Berlin verkackt immer mehr und versinkt in hässlicher Architektur. Bezahlbarer Wohnraum? Investor?? Hahahaha Siehe Galeria, siehe Ring Center, siehe Alex! Berlin fängt mit B an wie Blamage. Man hätte den Platz für junge Menschen nutzen können z. B. Jugendclub, Bolzplatz. Aber ok, ist in dieser Gesellschaft nicht gewollt. Wohnraum schaffen mit vorhandenen Bauten wäre sinnvoll.