Die Stadt Hamburg startet neue Modellprojekte für gutes Wohnen im Alter. Sechs Quartiere testen ab 2026 innovative Ansätze für Pflege, Nachbarschaft und selbstbestimmtes Leben.

Das im vergangenen Jahr fertiggestelle Seniorenwohnprojekt in Jenfeld dient als Beispiel – nun will Hamburg mit „Wohnen bleiben im Quartier“ die Versorgung älterer Menschen quartiersweit ausbauen und besser verzahnen. / © Visualisierung: Beinhoff Gerhard Architekten
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT / KI
In Hamburg beginnt im Mai 2026 eine neue Phase der Quartiersentwicklung. Sechs Modellprojekte sollen zeigen, wie Wohnen im Alter besser organisiert werden kann. Ziel ist es, älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld zu ermöglichen. Die Stadt reagiert damit auf den steigenden Pflegebedarf und den Wunsch vieler Menschen, auch im Alter zu Hause zu bleiben.
Hamburg zählt derzeit rund 350.000 Menschen im Alter von über 65 Jahren. Der Anteil der Senioren wächst. Und viele wollen in ihrer Wohnung oder im Quartier bleiben, auch wenn sie Unterstützung benötigen. Die neuen Modellprojekte unter dem Namen „Wohnen bleiben im Quartier“ setzen genau hier an. Sie verbinden Pflege, Beratung und soziale Angebote direkt vor Ort.
Quartiersansatz stärkt Wohnen im Alter in Hamburg
Im Zentrum steht ein quartiersbezogener Ansatz. Jedes Projekt baut Strukturen auf, die den Alltag im Alter erleichtern. Dazu gehören barrierearme Wohnungen, gemeinschaftlich nutzbare Räume und feste Ansprechpartner im Quartier.
Ein zentrales Element sind Quartierspflegedienste. Sie koordinieren Angebote, vermitteln Hilfe und sichern die Versorgung rund um die Uhr. Gleichzeitig binden sie Nachbarschaftsnetzwerke und ehrenamtliches Engagement ein. Die Idee dahinter: Hilfe näher zu den Menschen bringen, dorthin, wo sie einfacher erreichbar ist.
Auch Treffpunkte im Quartier spielen eine Rolle. Sie dienen als Orte für Beratung, Austausch und Unterstützung. So entstehen niedrigschwellige Angebote, die den Zugang zu Pflege und Hilfe erleichtern.
Die sechs Modellprojekte fürs gute Wohnen im Alter in Hamburg
- Hamburg-Mitte: AWO Hamburg Seniorenwohnen & Pflege gGmbH – Wohnen bleiben im Quartier Mümmelmannsberg
- Eimsbüttel: Immanuel Albertinen Diakonie / Albertinen-Haus – Quartiersanker Albertinen-Haus
- Hamburg-Nord: ASB Sozialeinrichtungen (Hamburg) GmbH – Netzwerkquartier Langenhorn
- Wandsbek: Gesundheit für Billstedt/Horn Gemeinsam Gesund gUG – ZU-SAMMEN.ALTERN.HOHENHORST
- Bergedorf: alsterdorf assistenz ost gGmbH – Gesund im Quartier: Mobile Community Health Nurses
- Harburg: DRK Hamburg Soziale Dienste GmbH – Wohnen bleiben im Quartier Neuwiedenthal
Hamburger Modellprojekte als Teil langfristiger Stadtentwicklung
Die Modellprojekte sind Teil einer größeren Strategie. Hamburg verfolgt das Ziel, eine altersfreundliche Stadt zu entwickeln. Frühere Programme wie die „Lebendigen Nachbarschaften“ (LeNa) der SAGA haben bereits gezeigt, dass vernetzte Angebote im Quartier funktionieren können.
Die neuen Projekte bauen auf diesen Erfahrungen auf. Sie sollen Versorgungslücken schließen und bestehende Strukturen besser verknüpfen. Vertreter der Stadtentwicklung betonten, dass Wohnen im Alter nur mit passenden Wohnungen und funktionierenden Unterstützungsstrukturen möglich ist.
Die Finanzierung erfolgt gemeinsam durch Pflegekassen und die Stadt. Beide Seiten haben die Projekte zusammen entwickelt und ausgewählt. Ein zweistufiges Verfahren stellte sicher, dass innovative Ansätze zum Einsatz kommen.
Altersgerechtes Wohnen im Hamburger Quartier Mümmelmannsberg
Ein Beispiel liegt im Stadtteil Mümmelmannsberg. Dort entsteht eine neue Wohnanlage mit 104 geförderten Wohnungen. Ein Großteil wird barrierefrei gebaut und richtet sich gezielt an ältere Menschen. Ergänzt wird das Angebot durch eine Wohnpflegegemeinschaft.
Parallel laufen weitere Maßnahmen im Quartier. Die Stadt investiert in Modernisierung, Neubau und Infrastruktur. Bis 2030 sollen insgesamt rund 300 Millionen Euro in das Gebiet fließen. Ziel ist eine stabile Quartiersentwicklung, die Wohnen, Pflege und soziale Angebote verbindet.
Die Modellprojekte konzentrieren sich bewusst auf Quartiere mit besonderem Entwicklungsbedarf. Dort ist die Bevölkerungsdichte hoch und der Bedarf an Unterstützung groß. Die Ergebnisse werden wissenschaftlich ausgewertet.

Im Neubauprojekt in Hamburg-Mümmelmannsberg gibt es neue Ansätze für Wohnen im Alter im Quartier. / © Foto: SAGA / Gisela Köhler
Modell-Erkenntnisse sollen Wohnen im Alter künftig verbessern
Die Stadt will aus den Projekten konkrete Erkenntnisse gewinnen. Diese sollen später in die Regelversorgung übergehen. Im Fokus stehen funktionierende Strukturen, effiziente Nutzung von Fachkräften und bessere Unterstützung für Angehörige.
Langfristig könnten die Modellprojekte Maßstäbe setzen. Sie zeigen, wie Wohnen im Alter in wachsenden Städten organisiert werden kann. Hamburg nutzt die Projekte, um neue Wege zu testen und bestehende Systeme gezielt weiterzuentwickeln.
Quellen: Stadt Hamburg, SAGA Unternehmensgruppe, Verband der Ersatzkassen e. V., NDR
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