Direkt am Bahnhof von Erkner soll aus einem früheren Supermarktstandort ein neues Wohnquartier entstehen. Geplant sind mehr als 140 Wohnungen, ergänzt um Gewerbe und Gastronomie am Wasser. Die Stadt erhofft sich davon neue Impulse für das Zentrum und Entlastung auf dem angespannten Wohnungsmarkt.

Die künftige Bebauung soll sich zum Flakenfließ öffnen, wo Cafés und eine Gastronomie mit Außenplätzen vorgesehen sind. So könnte am Wasser ein öffentlicher Ort entstehen, der nicht nur den neuen Bewohnern, sondern auch Spaziergängern und Pendlern Aufenthaltsqualität bietet. / © Visualisierung: Livory Group / renderstudios
© Visualisierungen: Livory Group / renderstudios
Wo heute noch ein leerstehender Zweckbau an die Zeit des Einzelhandels erinnert, könnte in wenigen Jahren ein neues Stück Stadt entstehen. In der Bahnhofstraße 5, nur wenige Schritte vom Bahnhof Erkner entfernt, soll ein Wohn- und Gewerbeensemble mit Blick auf das Flakenfließ gebaut werden. Das rund 6.000 Quadratmeter große Grundstück zwischen Bahntrasse, Nahversorgungszentrum und Wasserlauf hat der Immobilienentwickler Livory von Covivio übernommen.
Die Fläche gehört zu jenen Orten im Berliner Umland, die lange funktional geprägt waren und nun neu gedacht werden. Statt Anlieferzonen und Parkplätzen sollen hier Wohnungen, kleine Läden und gastronomische Angebote entstehen. Für Erkner, eine Stadt mit wachsender Bevölkerung und guter Anbindung an Berlin, ist das Projekt ein weiterer Schritt, innerstädtische Potenziale zu nutzen, ohne neue Flächen am Stadtrand zu versiegeln.
Über 140 Wohnungen, Gewerbe und Gastronomie entstehen am Bahnhof Erkner
Vorgesehen ist eine Bebauung mit rund 12.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Geplant sind 142 Mietwohnungen, ergänzt um Gewerbeflächen entlang der Bahnhofstraße. Zum Wasser hin soll eine Gastronomie mit Außenplätzen entstehen, die den Uferbereich stärker in das öffentliche Leben einbindet. Staffelgeschosse und Dachterrassen sind Teil der aktuellen Entwürfe und sollen dem Baukörper eine abgestufte Silhouette geben.
Die Stadtverwaltung sieht darin mehr als nur ein weiteres Wohnprojekt. Bürgermeister Henryk Pilz macht deutlich, dass damit ein bislang untergenutztes Areal aktiviert werde und der geltende Bebauungsplan erstmals sichtbar Gestalt annehme. In seinen Worten entsteht hier eine Mischung aus Wohnraum, Arbeiten und Freizeit, die das Zentrum von Erkner funktional ergänzen und aufwerten könne. Die Zusammenarbeit zwischen Entwickler, Verwaltung und Behörden habe gezeigt, wie komplex die planerischen Anforderungen an diesem Standort seien.
Zwischen Metropole und Natur: Wohnraum in Erkner stark gefragt
Auch aus Sicht des Projektentwicklers ist die Lage entscheidend: die direkte Nähe zum Bahnhof mit schnellen Regionalbahnverbindungen nach Berlin-Ostkreuz, aber ebenso das Wasser, das dem Quartier einen eigenständigen Charakter geben soll. Ziel sei es, bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen und zugleich ein städtebauliches Bindeglied zwischen Innenstadt und Flakenfließ auszubilden.
Erkner profitiert dabei von seiner Rolle als Scharnier zwischen Hauptstadt und brandenburgischer Seenlandschaft. In rund 15 Minuten ist man mit der Bahn im Berliner Zentrum, mit dem Auto über den Ring schnell auf den Fernstraßen.
Noch steht das Projekt am Anfang der Umsetzung: Ein Bauvorbescheid liegt vor, der Bauantrag wurde Ende 2025 eingereicht. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass aus dem ehemaligen Supermarkt ein neues Quartier entstehen könnte, das nicht nur Wohnungen bietet, sondern einen bislang abgeschlossenen Ort wieder in das städtische Gefüge einbindet.
Bahnhofstraße 5
Quellen: Livory, Konii
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2 Kommentare
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Das ist an der Stelle allemal besser als die eklige Discounterbude, die dort jetzt noch „zu bewundern“ ist, aber glücklich werden die da auf ihren Balkonen mit dem extremen Vetreilerverkehr am permanent frequentierten Kreisverkehr, der Tankstelle nebenan, Bahnhofsverkehr und den durchhämmernden Güterzügen /Fernverkehrszügen nicht. Die sind zwar schon lärm- und geschwindigkeitsvermindert, da im Anschluß eine geneigte Gleiskurve folgt und der RE1 im direkt benachbarten Bahnhof an-oder abfährt, aber das Wohnen stelle ich mir an dieser Stelle Erkners besonders krass vor…(Auf dieser Trasse gehen im Schnitt 180 Züge täglich durch)
Definitiv ein Nachteil dieses Projekts, eine naheliegende Verbesserung der Lärmsituation wäre, die in der Bahnhofstraße auf bestimmte Zeiten begrenzte 30er-Zone zwischen Kreisverkehr und Pendlerparkplatz als ständige 30er-Zone einzurichten.
Grundsätzlich ist das Projekt aber zu begrüßen und ein wichtiges Kontra gegen die weitere blauäugige Flächenversiegelung, wie sie so typisch ist im Speckgürtel. In Erkner gibt es glücklicherweise aber auch deutlich mehr natürliche Barrieren, die dem im Wege stehen. Dass Erkner auf den anhaltenden Zuzugsdruck mit einer urbanen Innenentwicklung reagiert, sehe ich sehr positiv. Einerseits ist das die richtige Reaktion auf das Wachstum, Erkner möchte eine Stadt werden. Andererseits ist es notwendig, Erkner endlich zu verbinden im Zentrum. Von Stadtzentrum mag ich nicht sprechen, denn das ist es nicht, eher eine Ansammlung von Verkehrs- und Nutzflächen kombiniert mit Funktionalbauten. Parkflächen könnten sich mit einem Parkhaus und Supermarkt im EG flächenmäßig konzentrieren lassen, um Platz für dichteres Wohnen und Dienstleistungen im Zentrum zu schaffen. Aktuell ist Erkner schon eine räumlich sehr segregierte Stadt, da ist viel Potential, um die einzelnen Teile zusammenzuführen zwischen Bahnhof und Stadthalle. Und zwar mit Cafes, Restaurants, einem kleinen Marktplatz vielleicht, Ärztehaus, etc. Und nicht mit einem Parkplatz, der eher an Amerika erinnert
Viel ungenutztes Potential, aber eine Stadtwerdung ist möglich