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Bei der Offenen Werkstatt zum geplanten Pankower Stadtquartier Elisabeth-Aue prallten in Kreuzberg planerische Visionen und der Unmut der Anwohnerschaft aufeinander. Nicht nur die Architekturentwürfe, sondern vor allem Standortwahl, Beteiligung und Verkehrskonzept sorgten für kontroverse Debatten.

Bei der offenen Werkstatt zur Elisabeth-Aue trafen ambitionierte Entwürfe auf deutliche Kritik am Verfahren, am Standort der Veranstaltung und am geplanten Verkehrskonzept. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: Hosoya Schaefer Architects AG, Agence Ter.de GmbH Landschaftsarchitekten

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Die Offene Werkstatt am 29. Januar im Forum Factory in Kreuzberg war für viele Anwohner die letzte Gelegenheit, sich öffentlich zu den Plänen für das neue Stadtquartier Elisabeth-Aue zu äußern.

Nach Begrüßungen durch Vertreter der Senatsverwaltung sowie der Entwicklungsgesellschaft Elisabeth-Aue wurden die Besucher über den aktuellen Stand des Wettbewerbsverfahrens informiert. Schon zu Beginn zeigte sich jedoch: Im Mittelpunkt standen weniger die Entwürfe als das Verfahren selbst.

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Informationsabend zur Elisabeth-Aue: Unverständnis über den Veranstaltungsort

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus den Nachbarquartieren rund um Märkisch-Buchholz kritisierten, sie seien zu spät über die Veranstaltung informiert worden. Zudem sorgte der Ort des Infoabends der Werkstatt für Unmut. Dass eine Veranstaltung zu einem Pankower Großprojekt ausgerechnet in Kreuzberg stattfinde, sei schwer nachvollziehbar.

Die Erklärung der Organisatoren, die beteiligten Architektenteams hätten das Forum Factory als Veranstaltungsort bevorzugt, stieß auf Skepsis. Für viele Anwesende wirkte diese Begründung eher wie eine formale Rechtfertigung als wie ein echtes Entgegenkommen gegenüber der betroffenen Nachbarschaft.

Neues Wohnquartier in Pankow: Vom Bewerbungsverfahren zur Endrunde

Dem Werkstattverfahren war ein offener Wettbewerb vorausgegangen. Rund 20 Architekturbüros hatten ihre Entwürfe eingereicht. Vier Teams wurden ausgewählt und präsentierten nun ihre Konzepte für das neue Quartier: Kuehn Malvezzi mit ver.de Landschaftsarchitekten, Ortner & Ortner Baukunst, Cityförster architecture + urbanism sowie Hosoya Schaefer Architects mit Agence Ter.

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Auch die Juryvorsitzenden Lioba Lissner und Prof. Kunibert Wachten waren anwesend und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Nach einer internen Wettbewerbswerkstatt am Folgetag soll der Siegerentwurf im März 2026 feststehen. Eine Abschlussveranstaltung ist dann für April 2026 geplant.

Entwürfe für die Elisabeth-Aue: Ähnliche Grundzüge, unterschiedliche Schwerpunkte

Bereits im Herbst 2025 hatten mehrere Ausstellungen in Pankow über die Planungen informiert. Aus diesem Beteiligungsverfahren ergaben sich Prüfaufträge an die Planungsteams: Übergänge zur Bestandsbebauung, Umsetzung von rund 5.000 Wohnungen ohne Hochpunkte, Verteilung der Freiräume, ein autoarmes Verkehrskonzept, klimatische Verträglichkeit und soziale Durchmischung. Nach Angaben der Architekturbüros wurden diese Hinweise in die aktuellen Entwürfe eingearbeitet.

In der inhaltlichen Diskussion zeigten sich viele Parallelen zwischen den Konzepten. Alle Entwürfe setzen auf niedrigere Bebauung an den Rändern und höhere Dichte im Inneren des Quartiers. Retentionsflächen nach dem Prinzip der Schwammstadt sind ebenso vorgesehen wie der Verzicht auf Kellergeschosse.

Verkehr als neuralgischer Punkt im neuen Pankower Wohnquartier

Unterschiede liegen in der Ausgestaltung: Während einige Konzepte großzügige Grünräume in den Vordergrund stellen, setzen andere stärker auf ein identitätsstiftendes Zentrum. Ein Entwurf favorisiert ein nahezu autofreies Quartier mit Mobilitätsstationen, ein anderer betont die Bedeutung sozialer Infrastruktur und kurzer Wege.

Am kritischsten wurde das geplante Verkehrskonzept diskutiert. Vorgesehen sind zwei Straßenbahnlinien und Busanbindungen. Viele Besucher äußerten Zweifel, ob diese Infrastruktur für ein Quartier mit bis zu 12.000 Bewohnern ausreichen werde. Immer wieder wurde gefragt, wie in einem so großen Neubaugebiet der Alltag funktionieren solle: vom Einkauf über Schulwege bis zur Erreichbarkeit medizinischer Versorgung.

Vom Wohngebiet zum Quartier: Kein „abgeschlossener Stadtbaustein“

Über allem stand eine zentrale Frage: Wie wird aus einem Neubauprojekt tatsächlich ein Quartier? Neben Wohnraum gehe es um Lebensqualität, soziale Mischung und Verbindungen in die Umgebung. Mehrfach wurde gefordert, dass die Elisabeth-Aue nicht als „abgeschlossener Stadtbaustein“ entstehen dürfe, sondern Angebote für die umliegenden Viertel schaffen müsse.

Für die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften GESOBAU und HOWOGE bedeutet dies, hohe planerische Erwartungen in städtebauliche Realität zu übersetzen. Ob dies gelingt, entscheidet sich nicht allein im Wettbewerb, sondern im weiteren politischen und gesellschaftlichen Prozess.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der Entwurf von CITYFÖRSTER architecture+urbanism PartGmbB, arbos landscape GmbH, ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB für die Elisabeth-Aue zeichnet sich durch eine klare Nord-Süd-Achse mit begrünten Boulevards aus. Diese sollen das Quartier strukturieren und verbinden. Auffällig ist die starke Durchmischung von Wohnblöcken und großzügigen Grünflächen mit Teichen, die wie kleine Inseln in das städtische Gefüge eingebettet sind. / © Visualisierung: CITYFÖRSTER architecture+urbanism PartGmbB, arbos landscape GmbH, ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB

Quellen: Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bürgerinitiative Elisabeth-Aue, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Morgenpost, Hosoya Schaefer Architects AG, Agence Ter.de GmbH Landschaftsarchitekten, CITYFÖRSTER architecture+urbanism PartGmbB, arbos landscape GmbH, ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB, Ortner & Ortner Baukunst Gesellschaft von Architekten mbH, capattistaubach urbane landschaften Landschaftsarchitekt und Architekten PartGmbH, H03 Arch. GmbH, Kuehn Malvezzi Projects GmbH, ver.de Landschaftsarchitekten Stadtplaner Partnerschaftsgesellschaft mbB, HOWOGE, GESOBAU

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3 Kommentare

  1. […] Veranstaltung diente als Plattform für Anwohner, um ihre Meinungen und Bedenken zu äußern. Laut Entwicklungsstadt berichteten Teilnehmende von ihrer Skepsis gegenüber den Organisatoren und kritisierten […]

  2. a.t. 3. Februar 2026 at 19:05 - Reply

    Der Hosoya – Masterplan hebt sich ja deutlichst ab von all den anderen. Man ahnt schon, dass da dem Auge wesentlich mehr angeboten wird, wenn man die Räume betritt… Halt anders als der übliche Würfel- und Winkelhusten.

  3. Suppe 4. Februar 2026 at 00:21 - Reply

    Hauptsache sie kommen auch mal ins Bauen.

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