In Berlin-Johannisthal entsteht mit dem „Segelflieger Quartier Berlin“ eines der größten Wohn- und Stadtentwicklungsprojekte der Hauptstadt. Wo einst Kühltechnik produziert wurde, soll bis 2030 ein lebendiges, grünes und vielseitiges Quartier mit 1.800 Wohnungen wachsen.

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In Zusammenarbeit mit der Bauwert AG

 

Es werden sich eine Menge Kräne drehen in den kommenden Jahren, im Treptow-Köpenicker Ortsteil Johannisthal. Das dazugehörige Bauvorhaben, das deutlich größte in diesem Stadtraum im Berliner Südosten, hat bereits einen langen Vorlauf. Im Jahr 2016 erfolgte die Unterzeichnung einer Grundlagenvereinbarung zwischen dem Land Berlin und der Erbengemeinschaft, woraufhin die Entwicklung des Bebauungsplans aufgenommen wurde.

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Im November2021 wurde zwischen dem Land Berlin und der Erbengemeinschaft, in die die Bauwert AG im Jahr 2019 eingestiegen war, ein Städtebaulicher Vertrag geschlossen, welcher unter anderem die Grundzüge der gemeinsamen Entwicklung des Areals sowie Übertragung von ca. 50 Prozent des Grundstücks an das Land Berlin regelte. Im Dezember 2022 wurde der erstellte Bebauungsplan durch das Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen und verabschiedet.

Johannisthal: 210.000 Quadratmeter Fläche sollen in den kommenden Jahren neu entwickelt werden

In den nächsten Monaten plant die Bauwert AG nach eigenen Angaben den ersten Spatenstich für den ersten Bauabschnitt auf dem Areal. Das Gelände umfasst eine Fläche von rund 210.000 Quadratmetern, die zu je 50 Prozent dem Land Berlin und der Bauwert AG gehören und die parallel entwickelt werden sollen. Während Berlin seinen Teil der Fläche von der WISTA.Plan GmbH vornehmlich gewerblich entwickeln lässt, plant die Bauwert AG den Bau von 1.400 neuen Wohnungen, DEGEWO von weiteren ca. 400 Wohnungen.

„Segelflieger Quartier Berlin“: Raum für 1.800 neue Wohnungen

Bei der feierlichen Vorstellung der neuen Quartiers-Dachmarke „Segelflieger Quartier Berlin“ gaben Bausenator Christian Gaebler, Bezirksbürgermeister Oliver Igel, Bauwert-Vorstand Dr. Jürgen Leibfried, WISTA-Geschäftsführer Roland Sillmann und DEGEWO-Vorstand Sandra Wehrmann im September 2024 den Startschuss für eines der größten Bauvorhaben Berlins. Das Projekt gilt als wichtiger Meilenstein der Stadtentwicklung im Südosten der Hauptstadt.

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Die geplanten Wohnhäuser sollen bis zu sechs Geschosse umfassen und sehen einen Mix aus Eigentumswohnungen, Mietwohnungen und alternativen Wohnangeboten wie Mikroapartments vor. Geplant ist ein 5 Minuten Quartier, in dem alle Bedarfe des täglichen Lebens bequem zu Fuß erreichbar sind. Dafür sind neben einem Frischemarkt auch verschiedene gastronomische Angebote, ergänzende Dienstleistungen, ein Quartiersparkhaus sowie gesundheitliche Angebote vorgesehen. Zudem errichtet das Land Berlin eine Kita und ein Stadtteilzentrum. Die Entwicklung des gesamten Areals soll nach aktuellem Stand bis 2030 andauern.

Von der Industriebrache zum Zukunftsquartier

Das bis vor kurzem noch großflächig versiegelte Areal wird im Zuge des Bauvorhabens dekontaminiert, entsiegelt und begrünt werden. Unter anderem ist die Realisierung eines öffentlichen Grünzuges vorgesehen, der vom Segelfliegerdamm durch das Quartier bis zur Ecke Gerhard-Sedlmayr-Straße/Landschaftspark Johannisthal führen soll. So stehen den Bewohnern künftig ca. 10 Prozent des Grundstücks als öffentliche Grünflächen zur Verfügung.

Ab 2028 können die ersten Bewohner auf dem Gelände einziehen. Infrastrukturell ist das Gelände bereits optimal angebunden, über die 5 Gehminuten entfernte S-Bahn und die Tram mit zwei Haltestellen direkt am Quartier, welche das naheliegende Technologie- und Forschungszentrum Adlershof anfahren. Die nahegelegene Autobahn A113 kann über den Zubringer Stubenrauchstraße in nur 5 Autominuten erreicht werden.

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Christian Gaebler: „So wächst im Südosten der Stadt ein neues Zuhause für die Menschen in Berlin“

Christian Gaebler äußerte sich im Rahmen der Zeremonie im vergangenen Jahr wie folgt: „Im Technologiepark Adlershof haben wir in den vergangenen drei Jahrzehnten gesehen, wie wichtig eine integrierte Stadtentwicklung ist. Arbeiten und Wohnen, Bildung, Freizeit, Nahversorgung und Orte des nachbarschaftlichen Miteinanders müssen verzahnt betrachtet, geplant und realisiert werden. So wachsen lebendige Stadtviertel. Mit dem Start des neuen „Segelflieger Quartier Berlin“ werden bis 2029/2030 rd. 1.800 Wohnungen, Kitas und Orte für die Nachbarschaft errichtet und zusätzlich neue Gewerbeflächen mit rd. 153.000 m² Geschossfläche entstehen. So wächst auch im Südosten der Stadt ein neues Zuhause für die Menschen in Berlin.“

Bezirksbürgermeister Igel freut sich vor allem über die Kombination historischer und neuer Gebäude: „Für unseren Bezirk ergeben sich neue Chancen, denn es entstehen neben sozialer Infrastruktur auch neue Arbeitsplätze, die zur Stärkung der lokalen Wirtschaft beitragen werden. Die Entwicklung des ‚Segelflieger Quartier Berlin‘ ist ein Paradebeispiel dafür, wie wir historische Standorte und industrielle Brachen in Berlin transformieren und gleichzeitig moderne, nachhaltige Quartiere schaffen können.

Segelflieger-Quartier in Johannisthal: Neuer Wohnraum mit bewegter Geschichte

Das Gelände, auf dem in den kommenden Jahren Wohnraum für viele tausend Menschen entstehen soll, hat eine bewegte Geschichte hinter sich, mit völlig unterschiedlichen Nutzungen. Nach dem Ersten Weltkrieg verwandelte sich Johannisthal von einem Ort waghalsiger Flugrekorde in ein Zentrum der Filmkunst – Schauspieler und Regisseure prägten die Atmosphäre, Werkshallen wurden zu Studios, in denen ab 1920 Klassiker wie „Nosferatu“ entstanden.

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Der jüdische Unternehmer Arthur Müller, ein Pionier der Leichtbauweise, begründete hier mit den AMBI-Werken eine bedeutende Industrieproduktion; nach seinem Tod 1935 führte seine Frau Thekla die Geschäfte bis zur Flucht der Familie 1941. Die Arisierung ihrer Unternehmen endete erst Jahrzehnte später: 2002 wurde das Gelände an die Erbengemeinschaft rückübertragen.

Industriegeschichte: Zwischen 1950 und 1996 wurde das Gelände als Produktionsstandort genutzt

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine neuerliche Wendung: Der VEB Kühlautomat Berlin wurde 1950 auf dem Gelände am Segelfliegerdamm gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Kühltechnik in der DDR, mit zeitweise bis zu 2.500 Beschäftigten.

Produziert wurden Haushaltskühlschränke, Schiffskühlanlagen und später auch Zwölfzylinder-Dieselmotoren für die Deutsche Reichsbahn. Nach der Wende wurde der Betrieb in eine GmbH umgewandelt und 1994 vom niederländischen GEA-Konzern übernommen; rund 150 Mitarbeiter wechselten an den neuen Standort in Berlin-Reinickendorf. 1996 endete schließlich die Produktion in Johannisthal und das Areal verfiel in einen fast 30 Jahre andauernden Dornröschenschlaf.

Mit der Entwicklung des Segelflieger Quartiers soll nun ein modernes und zukunftsfähiges Stadtquartier entstehen, welches auch die Erinnerung an Deutschlands Wiege der Luftfahrt wieder erlebbar macht. An die bewegte Geschichte soll nicht nur die Dachmarke ‚Segelflieger Quartier Berlin‘ erinnern. Auch in der Architektur der Gebäude, der Gestaltung der Freianlagen und den neuen Straßennamen wird auf die Vergangenheit des Areals Bezug genommen, sodass die historische Identität des Ortes im neuen Stadtquartier wieder erlebbar wird.

Mit der Entwicklung des Segelflieger Quartiers will die Bauwert AG ein neues Kapitel aufschlagen

Daniel Herrmann, Vorstand der Bauwert AG, sagte in einem Interview mit dem Magazin Berlin vis à vis zum Projekt: „Wir bauen für eine vielschichtige Bewohnerschaft, für Menschen unterschiedlichster Altersstufen, Einkommens- und Lebenssituationen. Besonders legen wir Wert darauf, dass das Quartier sowie der überwiegende Teil aller Wohnungen barrierefrei zugänglich sein werden.“

Herrmann betont, dass bei der Umsetzung des Vorhabens aber nicht nur der Wohnungsbau selbst eine wichtige Rolle spielen wird: „Wichtig ist uns dabei, dass nicht nur Wohnungen gebaut werden, sondern dass auch ein vielfältiges und lebenswertes modernes Quartier der kurzen Wege entsteht, das mit einem abwechslungsreichen Angebot an Nahversorgung, Gastronomie, sozialer Infrastruktur sowie Gewerbeflächen und Bürogebäude ergänzt wird.

Wie diese ambitionierten Ideen der Bauwert AG und ihrer Projektpartner in der Realität umgesetzt werden, kann man in wenigen Jahren im neuen SegelfliegerQuartier begutachten.

 

Quellen: BAUWERT AG, WISTA Management  GmbH, DEGEWO, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, WISTA.Plan GmbH, Berlin vis à vis, Bloomimages GmbH

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