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In Tempelhof-Schöneberg soll am Werner-Voß-Damm ein neues Haus der Jugend entstehen. Der Neubau bietet Platz für die traditionsreichen Kollektive Potse und Drugstore sowie weitere Träger. Er ist zugleich ein Signal für gelebte Jugendkultur, steht aber im Spannungsfeld zwischen Planung, Finanzierung und drängenden Übergangslösungen.
Standort des geplanten Hauses der Jugend am Werner-Voß-Damm 47 nahe Bahnhof Südkreuz, markiert mit rotem Punkt

Der Lageplan zeigt den Standort des geplanten Hauses der Jugend am Werner-Voß-Damm 47 in Tempelhof-Schöneberg. In unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Südkreuz ist der Bauplatz mit einem roten Punkt markiert. / © Foto: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

© Foto: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0

 

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Am Werner-Voß-Damm 47, unweit des Bahnhofs Südkreuz, soll ein neues Haus der Jugend entstehen. Der Neubau mit rund 700 Quadratmetern Nutzfläche wird Räume für Veranstaltungen, Beratung, Kreativangebote, Proben und Begegnung bieten. Vorgesehen sind zudem Büros, eine kleine Bibliothek, Proberäume und eine Werkstatt.

Bezirksstadtrat Oliver Schworck erklärte, Jugend brauche Räume nicht nur zum Dasein, sondern auch zum Selbermachen. Mit dem Projekt wolle der Bezirk ein vielfältiges Angebot schaffen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, eigene Ideen umzusetzen. Er bezeichnete das Vorhaben als ein persönliches Herzensprojekt.

Potse und Drugstore erhalten Perspektive: Doch Übergangslösungen bleiben unsicher

Die ersten Nutzerinnen und Nutzer sollen die selbstverwalteten Jugendkollektive Drugstore und Potse sein. Beide gehören zu den ältesten selbstverwalteten Jugendzentren Berlins und waren seit ihrer Vertreibung aus der Potsdamer Straße 2019 auf Übergangslösungen angewiesen. Aktuell nutzen sie befristete Räume in Tempelhof, Schöneberg und Lichtenberg.

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Doch während der Neubau langfristig Perspektiven bietet, bleibt die Zwischenzeit schwierig. Der Mietvertrag für die Potse in der Zollgarage endet 2026, eine Weiternutzung ist nicht vorgesehen. Auch der Drugstore ist nur vorübergehend in Ersatzräumen untergebracht. Vertreterinnen der Kollektive warnten, dass ihnen mittelfristig geeignete Räume fehlen könnten, wie die taz berichtet.

Finanzierung über Förderprogramm und Architekturwettbewerb mit hohen Nachhaltigkeitsauflagen in Tempelhof-Schöneberg

Die Baukosten werden zu 75 Prozent durch das Städtebauförderprogramm „Nachhaltige Erneuerung“ gedeckt, die restlichen 25 Prozent übernimmt der Bezirk. Damit liegt die finanzielle Verantwortung auf mehreren Schultern. Nachhaltigkeit, Barrierefreiheit und Mehrfachnutzung stehen im Fokus der Planung.

Ein Architekturwettbewerb der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung soll in der zweiten Jahreshälfte 2025 die besten Lösungen für das Bauvorhaben ermitteln. Dabei gelten hohe Anforderungen: Das Gebäude soll überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und mit Wärmepumpe sowie Photovoltaikanlage betrieben werden.

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Nutzerwünsche prägen Planung: Sitztreppe, flexible Räume und besondere Anforderungen an Akustik am Haus der Jugend

Die künftigen Nutzergruppen brachten ihre Vorstellungen in die Planung ein. So wünschen sie sich unter anderem eine Sitztreppe am Eingang als identitätsstiftendes Element, eine Erinnerung an ihre alte Adresse an der Potsdamer Straße. Getrennte und gemeinsame Bereiche sollen flexible Nutzungen ermöglichen.

Auch beim Schallschutz und der Akustik will der Bezirk den besonderen Anforderungen von Proberäumen und Veranstaltungsflächen gerecht werden. Damit soll das Haus der Jugend nicht nur ein baulich modernes Zentrum, sondern auch ein funktional vielseitiger Ort werden.

Unklarer Zeitplan: Baubeginn frühestens ab 2030 — Übergangslösungen dringend nötig

Während vorbereitende Maßnahmen wie Baugrunduntersuchungen bereits laufen, bleibt unklar, wann der eigentliche Bau beginnt. Eine Anfrage der taz beim Bezirksamt blieb unbeantwortet. Vertreterinnen und Vertreter von Potse und Drugstore gehen von einem Baubeginn frühestens ab 2030 aus.

Bis dahin müssen Übergangslösungen gefunden werden, um die Arbeit der beiden Kollektive nicht zu gefährden. Trotz dieser Unsicherheiten gilt das Haus der Jugend als wichtiger Schritt hin zu einem dauerhaften Zuhause für die selbstverwaltete Jugendkultur in Tempelhof-Schöneberg.

Quellen: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Berlin.de, Taz, Berliner Morgenpost, rbb24

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