Kaum ein anderer Stadtplaner hat Berlin so nachhaltig geprägt wie James Hobrecht. Ein neuer Sammelband beleuchtet sein Werk, seine Ideen und ihre Wirkung bis in die Gegenwart. Dabei wird deutlich, wie aktuell viele seiner Überlegungen zur Infrastruktur und Stadtentwicklung noch heute sind.

Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin widmet James Hobrecht eine neue Publikation. Die Beiträge spannen den Bogen von der Stadtentwicklung des 19. Jahrhunderts bis zu aktuellen Fragen der Hauptstadtplanung. Die Buchpräsentation am vergangenen Sonntag stieß auf großes Interesse. / Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Bildrechte Titelbild: Wasmuth Verlag
Der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV) würdigte anlässlich des 200. Geburtstages von James Hobrecht (1825–1902) am 31. Dezember 2025 dessen herausragendes Werk bereits im vergangenen Winter mit einer Vortrags- und Diskussionsreihe.
Dabei wurde Hobrechts Erbe als Anregung für die Zukunft erörtert. Die Referentinnen und Referenten dieser Veranstaltungsreihe haben ihre Beiträge inzwischen überarbeitet und aktualisiert. Sie sind nun in dem von Harald Bodenschatz herausgegebenen Sammelband erschienen.
James Hobrecht: Der Planer des modernen Berlins
James Hobrecht war Bauingenieur, Stadtplaner, Infrastrukturplaner und Stadtbaurat sowie langjähriger Vorsitzender des AIV. Die Stadt verdankt ihrem ehemaligen Planer vor allem das moderne Berlin, wie es heute besteht.
Das weitmaschige Straßennetz und die Ringstrukturen, die die Innenstadt bis heute zusammenhalten, gehen auf seine Planungen zurück. Sie schufen die Voraussetzungen für die typische Berliner Blockstruktur und die berühmten Mietshäuser, in denen urbanes Leben, Arbeiten und Wohnen in gemischten Stadtquartieren stattfanden.
Der Hobrecht-Plan als Grundlage für Infrastruktur und Stadthygiene
Ebenso sind sie mitverantwortlich für die städtebauliche Dichte sowie für die lebendigen, baumreichen Straßen und Plätze der Hauptstadt. Darüber hinaus bildeten Hobrechts Planungen die Grundlage für eine flexible stadttechnische Infrastruktur.
Besonders die seinerzeit neuartige Kanalisation erwies sich als unverzichtbar für eine funktionierende Stadtentwässerung und damit für die Verbesserung der Stadthygiene im schnell wachsenden Berlin des 19. Jahrhunderts.
Buchvorstellung beleuchtet Wirkungsgeschichte von Hobrechts Werk
Im Rahmen einer Buchvorstellung wurde in der vergangenen Woche in der historischen Papierhalle in Berlin-Kreuzberg die Neuerscheinung des Buches „200 Jahre James Hobrecht. Planer des modernen Berlins“ präsentiert, die Beiträge zahlreicher Autorinnen und Autoren versammelt.
Herausgeber Harald Bodenschatz stellte das Werk gemeinsam mit Rudolf Spindler vom Wasmuth Verlag in Anwesenheit mehrerer Mitwirkender vor, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Hobrechts Vermächtnis auseinandersetzen.
Die Publikation über James Hobrecht stellt vor allem sein Werk in den Mittelpunkt, nicht seine Person
Harald Bodenschatz hob in seiner Einführung hervor, dass sich das Buch weniger mit der Person James Hobrecht als vielmehr mit seinem Werk und dessen Wahrnehmung im Laufe der Jahrzehnte beschäftigt.
Am bekanntesten ist wohl der sogenannte Hobrecht-Plan von 1862, der im Auftrag des Polizeipräsidiums entwickelt wurde. Wichtig sei dabei der Hinweis, dass die politische Initiative für dieses Vorhaben vom damaligen Handelsminister August von der Heydt ausging.
Zentrale Themen des Sammelbandes zur Berliner Stadtentwicklung
Das Buch skizziert die Biografie Hobrechts und beleuchtet die Bedeutung seines Wirkens nicht nur für Berlin, sondern auch für den preußischen Staat. Darüber hinaus werden Hobrechts Gestaltungsansätze beim Zusammenwirken von Stadtplanung, Landschaftsplanung und Architektur analysiert.
Ebenso wird auf seine Vorstellungen zur Gesundheits- und Sozialfürsorge eingegangen. Auch Hobrechts Biograf Klaus Strohmeyer kommt zu Wort und analysiert Hobrechts „Manifest über öffentliche Gesundheitspflege“ aus dem Jahr 1868.
James Hobrecht: Von Berliner Gehwegen bis zur Energie- und Wärmewende
Interessant sind zudem die Ausführungen zu den Berliner Gehwegen, den sogenannten Trottoirs, deren Ausbau Hobrecht forderte, auf Kosten der damals überdimensionierten Fahrdämme.
Auch die Entwicklung der Berliner Kanalisation, zukünftige Anforderungen an öffentliche Straßen und Plätze sowie die Zukunft der Berliner Infrastruktur unter den Bedingungen der Energie- und Wärmewende werden im Buch behandelt.
Aktuelle Impulse für die Zukunft der Hauptstadt
Damit ist die Neuerscheinung über Hobrechts Wirken zugleich ein politisch hochaktuelles Buch zu den täglichen Herausforderungen der Hauptstadtentwicklung. Tobias Nöfer, ehemaliger Vorsitzender des AIV, widmet sich in seinem Beitrag der Lebensleistung Hobrechts und schlägt dabei den Bogen zu grundlegenden Fragen der aktuellen Berliner Stadtentwicklung.
Mehr als 160 Jahre nach dem Hobrecht-Plan zeigt die Publikation, wie stark historische Stadtplanung bis heute die Entwicklung Berlins prägt. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass viele Fragen, die Hobrecht beschäftigten, von Infrastruktur über Gesundheit bis zur Gestaltung des öffentlichen Raums, auch im 21. Jahrhundert nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Quellen: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin (AIV), Wasmuth Verlag
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


