In Tempelhof baut die BVG erstmals seit über 60 Jahren wieder einen komplett neuen Busbetriebshof. Der Standort Säntisstraße soll ab 2027 rund 220 Elektrobusse beherbergen und mit moderner Lade- und Betriebstechnik ausgestattet werden. Das Projekt ist ein zentraler Baustein auf dem Weg zur emissionsfreien Busflotte, kommt aber Jahre später als ursprünglich geplant.

Auf dem 6,6 Hektar großen Gelände an der Säntisstraße entsteht ein moderner Betriebshof für Elektrobusse mit Abstellflächen für rund 220 Fahrzeuge, zwei Werkstatthallen, einem Verwaltungsgebäude und umfassender Ladeinfrastruktur. / © Visualisierung: ARGE BVG Säntis
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An der Säntisstraße in Tempelhof entsteht der erste neue BVG-Busbetriebshof seit mehr als sechs Jahrzehnten. Der Neubau soll 2027 fertiggestellt werden und Platz für rund 220 Elektrobusse bieten. Die Fahrzeuge werden über Pantografen auf den Dächern automatisiert geladen. Neben großzügigen Abstellflächen entstehen zwei Werkstatthallen, ein Verwaltungsgebäude sowie Ladeinfrastruktur für schnelles und effizientes Laden.
Auch für die Mitarbeitenden werden neue Arbeitsbedingungen geschaffen. Geplant sind moderne Sozialräume, ein Fitnessbereich und eine Tiefgarage. Rund 180 Beschäftigte sollen hier künftig arbeiten. Die Investitionssumme liegt bei etwa 190 Millionen Euro.
Neuer Betriebshof in Tempelhof als Teil des BVG-Plans für eine emissionsfreie Busflotte
Das Depot in der Säntisstraße ist Teil einer größeren Umstellungsstrategie der BVG. Bereits heute fahren in Berlin rund 280 Elektrobusse, eine der größten Flotten Deutschlands. Bis 2027 soll knapp ein Drittel der insgesamt etwa 1.500 Busse elektrisch unterwegs sein. Ziel ist, Anfang der 2030er Jahre die gesamte Flotte emissionsfrei zu betreiben, wie die BVG mitteilt.
Neben dem Tempelhofer Standort entstehen weitere Elektrobus-Betriebshöfe an der Köpenicker Landstraße und der Rummelsburger Landstraße. Zusammen sollen diese Kapazität für rund 550 Busse schaffen. Parallel wird die Ladeinfrastruktur im gesamten Stadtgebiet ausgebaut, unter anderem durch Schnellladesäulen an bis zu 36 Endhaltestellen.
Automatisiertes Betriebshofmanagement und moderne Sicherheitskonzepte für stabile Abläufe bei der BVG
Erstmals setzt die BVG an einem Standort ein Betriebshofmanagementsystem ein. Dieses automatisierte System steuert die Abstellung, den Fahrzeugeinsatz, die Ladevorgänge und die Wartungsintervalle. Ergänzt wird es durch ein umfangreiches Brandschutz- und Sicherheitskonzept. Laut BVG-Vorstand Henrik Falk soll der neue Hof die „Messlatte für künftige Projekte neu definieren“ und den Berliner Busbetrieb stabiler machen.
Auch Verkehrssenatorin Ute Bonde sprach von einem „Meilenstein“ für die emissionsfreie Mobilität. Sie betonte, dass der Standort nicht nur technisch modern, sondern auch ein Beispiel für umweltfreundliche Stadtentwicklung sei.
Verzögerter Baustart, aber wichtiger Infrastrukturbaustein für die Elektrifizierung der BVG-Flotte
Die Eröffnung neuer Depots kommt deutlich später als ursprünglich vorgesehen. Jahrzehntelang war kaum in neue Betriebshöfe investiert worden, der letzte Neubau entstand in den 1960er Jahren in Spandau. Kritiker weisen darauf hin, dass der Zeitplan für die vollständige Elektrifizierung der Flotte nur schwer einzuhalten sei. Ursprünglich war das Zieljahr 2030, inzwischen wird eine vollständige Umstellung erst zwischen 2035 und 2040 für realistisch gehalten.
Trotz der Verzögerungen gilt das Projekt in der Säntisstraße als wichtiger Schritt, um die notwendige Infrastruktur für den Ausbau der E-Busflotte zu schaffen. Zusammen mit den weiteren Standorten soll es die Grundlage für einen dauerhaft emissionsfreien Busverkehr in Berlin legen.
Quellen: BVG, Tagesspiegel
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