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Während Berlins Clublandschaft zuletzt vor allem von Schließungen geprägt war, entsteht im Westen der Stadt ein neuer Ort für elektronische Musik. Auf der historischen AVUS-Tribüne in Westend hat im Dezember 2025 der Club C115 eröffnet. Der Standort verbindet Clubkultur mit einem ungewöhnlichen baulichen Erbe, direkt über der Stadtautobahn.

AVUS-Tribüne in Westend

In einem für das Berliner Nachtleben eher untypischen Bezirk und in einer besonderen Location hat ein neuer Techno-Club eröffnet. Der neue Club- und Veranstaltungsort C115 ist seit einem Monat auf den historischen AVUS-Tribünen in Berlin-Westend zu finden. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0

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© Foto Titelbild: Depositphotos.com

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Nach Monaten, in denen Meldungen über Clubschließungen das Berliner Nachtleben bestimmten, setzt eine Neueröffnung ein anderes Zeichen. Auf der Tribüne der AVUS im Ortsteil Westend hat mit dem C115 ein neuer Club den Betrieb aufgenommen. Eröffnet wurde die Location Anfang Dezember 2025 und markiert einen seltenen Zuwachs für die Clubkultur in der westlichen Innenstadt.

Westend galt lange nicht als klassischer Ort für elektronische Musik. Techno-Clubs konzentrierten sich über Jahre vor allem auf Friedrichshain, Kreuzberg oder Neukölln. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung, ausgerechnet an einem Ort zu eröffnen, der bislang eher mit Verkehr, Messebetrieb und Stadtautobahn verbunden wurde.

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Historische AVUS-Tribüne: Vom Rennsportdenkmal zur neuen Club-Location in Westend

Die AVUS-Tribüne zählt zu den markantesten Relikten der Berliner Verkehrsgeschichte. Errichtet für Autorennen auf der Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße, bot sie einst Tausenden Zuschauerinnen und Zuschauern Platz. Seit dem Ende der Rennen in den 1950er-Jahren stand das Bauwerk lange ohne klare Nutzungsperspektive.

Mit dem C115 wird die Tribüne nun kulturell neu bespielt. Der Club befindet sich in der ehemaligen Sprecherkanzel, einem verglasten Bereich mit direktem Blick auf die Autobahn. Der Standort nutzt damit bewusst die besondere Atmosphäre des Ortes, ohne dessen Geschichte zu überdecken.

Betreiber Nico Mohammadi: C115 startet mit ausgewählten Events statt Dauerbetrieb

Hinter dem Projekt steht der Musiker und Gastronom Nico Mohammadi. Er hatte die Möglichkeit übernommen, nachdem sich der vorherige Mieter aus dem Objekt zurückzog. Mohammadi erklärte gegenüber der taz, er habe sich sofort in den Ort verliebt und darin das Potenzial für eine neue Eventlocation gesehen.

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Zum Start setzt das C115 nicht auf Dauerbetrieb. Geplant sind zunächst ausgewählte Veranstaltungen. Der Club soll neben Partys perspektivisch auch für andere Formate wie Filmvorführungen oder kleinere Events genutzt werden. Die Nähe zum Messegelände spielt dabei eine zentrale Rolle.

Clubs am Stadtrand im Trend: C115 als Zeichen für den Wandel der Berliner Clubkultur

Die Neueröffnung fällt in eine Zeit, in der viele etablierte Berliner Clubs ihren Betrieb einstellen mussten oder vor großen wirtschaftlichen Herausforderungen stehen. Inflation, steigende Mieten und die Folgen der Pandemie haben die Szene spürbar verändert. Vor diesem Hintergrund wird das C115 auch als Symbol für eine räumliche Verschiebung der Clubkultur wahrgenommen.

Vertreterinnen und Vertreter der Clubcommission sehen neue Standorte außerhalb der klassischen Szenekieze als Teil einer langfristigen Entwicklung. Clubs in Rand- und Mischgebieten könnten neue Zielgruppen erreichen, auch wenn sie bestehende Standorte im Zentrum nicht ersetzen.

Gute Anbindung und wenig Lärmdruck: Vorteile des Clubstandorts an der AVUS-Tribüne

Ein Vorteil des Standorts liegt in seiner Infrastruktur. Die AVUS-Tribüne befindet sich unweit des S-Bahnhofs Messe Süd und ist damit gut angebunden. Gleichzeitig sind Nutzungskonflikte durch Lärm weniger wahrscheinlich, da der Club unmittelbar an der Autobahn liegt.

Ob sich das C115 dauerhaft im Berliner Clubkalender etabliert, bleibt offen. Klar ist jedoch: Mit der Eröffnung auf der AVUS-Tribüne bekommt das Nachtleben im Westen der Stadt einen neuen Impuls – an einem Ort, der lange ungenutzt blieb.

Quellen: taz, tip Berlin, Berliner Morgenpost

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