Unter den Linden wird in den kommenden Jahren umfassend umgestaltet: Neue Bäume und Grünflächen sollen den Boulevard fit für den Klimawandel machen. Gleichzeitig setzt Berlin verkehrspolitisch auf mehr Autoverkehr, zusätzliche Fahrspuren sollen eingerichtet werden. Damit schlägt die Hauptstadt einen anderen Weg ein als noch vor wenigen Jahren, zumal auch das Thema Terrorprävention offenbar eine untergeordnete Rolle zu spielen scheint.

Während Paris den Champs-Élysées zunehmend zur Flaniermeile umbaut, geht Berlin auf Unter den Linden den entgegengesetzten Weg. Der geplante Umbau verbindet mehr Stadtgrün mit einer stärkeren Rolle für den Autoverkehr. / © Foto: Wikimedia Commons / Leonhard Lenz
© Visualisierung Titelbild: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Mit der anstehenden Umgestaltung des Boulevards Unter den Linden beginnt eines der bedeutendsten Freiraumprojekte in Berlins historischer Mitte. Rund 160 neue Silberlinden, moderne Sitzgelegenheiten und zusätzliche Grünflächen sollen den Prachtboulevard in den kommenden Jahren klimafester und attraktiver machen.
Gleichzeitig markiert das Vorhaben jedoch einen verkehrspolitischen Richtungswechsel: Während frühere Planungen den Autoverkehr deutlich zurückdrängen wollten, setzt der Berliner Senat heute auf eine Ausweitung der Fahrmöglichkeiten für den motorisierten Individualverkehr und entfernt sich damit von einem Kurs, den andere europäische Metropolen wie Paris derzeit konsequent verfolgen.
Berlin-Mitte: Neue Linden sollen den Boulevard fit für den Klimawandel machen
Noch im Laufe dieses Jahres sollen die vorbereitenden Arbeiten für die Neugestaltung der Mittelpromenade beginnen, wie die Berliner Morgenpost berichtet. Bis Herbst 2029 wird der rund 800 Meter lange Abschnitt zwischen Wilhelmstraße und Universitätsstraße abschnittsweise umgebaut. Ursprünglich war ein Start der Bauarbeiten für den Sommer angekündigt worden, doch der Beginn verzögert sich.
Herzstück des Projekts ist die Pflanzung von knapp 160 Silberlinden. Dafür müssen rund 80 geschädigte Bestandsbäume gefällt werden, lediglich zwei historische Linden aus dem Jahr 1936 bleiben als Zeitzeugen früherer Umgestaltungen erhalten.
Neue Baumreihen und Staudenbeete sollen den Boulevard im Zentrum Berlins attraktiver machen
Ergänzt werden die neuen Baumreihen durch Staudenbeete, moderne Sitzbänke sowie eine automatische Bewässerungsanlage, die Regenwasser nutzt und die langfristige Versorgung der Bäume sicherstellen soll.
Gerade angesichts zunehmender Hitzewellen gewinnt diese Form der Klimaanpassung in dicht bebauten Innenstadtbereichen an Bedeutung. Zusätzliche Bäume sorgen für Schatten, verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität auf einem der bekanntesten Boulevards Europas.
Verkehrspolitischer Kurswechsel gegenüber den Planungen von 2021
Die eigentliche Diskussion dürfte jedoch weniger die Begrünung als vielmehr die zukünftige Verkehrsführung betreffen. Denn die aktuellen Planungen unterscheiden sich doch deutlich von den Konzepten, die die Berliner Verkehrsverwaltung noch unter der damaligen Verkehrssenatorin Regine Günther (Die Grünen) entwickelt hatte.
Damals stand eine grundlegende Neuordnung des Boulevards im Mittelpunkt. Breitere Gehwege, größere Aufenthaltsflächen, zusätzliche Baumreihen und deutlich weniger Raum für den motorisierten Individualverkehr gehörten zu den Leitideen. Teilweise sollten Fahrspuren ausschließlich Bussen, Wirtschaftsverkehr und Anliegern vorbehalten bleiben. Sogar ein weitgehend autofreier Boulevard wurde damals ausdrücklich als denkbare Perspektive genannt.
Neues Verkehrskonzept für den Boulevard: Mehr statt weniger Kfz-Spuren geplant
Mit dem politischen Wechsel an der Spitze der Verkehrsverwaltung hat sich dieser Ansatz grundlegend verändert. Nach aktuellem Planungsstand werden künftig beide Richtungsfahrbahnen grundsätzlich sowohl vom Busverkehr als auch vom allgemeinen Individualverkehr genutzt.
Fußgänger- und Radverkehr erhalten zwar weiterhin eigene Bereiche, eine spürbare Einschränkung des Autoverkehrs ist jedoch nicht mehr vorgesehen, im Gegenteil. In beiden Richtungen sind zwei Spuren für den motorisierten Verkehr vorgesehen.

Unter den Linden erhält 160 neue Bäume und eine umfassend modernisierte Mittelpromenade. Gleichzeitig soll ausgerechnet auf einem Boulevard, der am Brandenburger Tor faktisch in einer Sackgasse endet, künftig mehr Platz für den Autoverkehr entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin-Mitte: Ausgerechnet an einer Sackgasse soll der Autoverkehr ausgeweitet werden
Bemerkenswert erscheint diese Entscheidung auch aufgrund der besonderen Lage des Boulevards. Unter den Linden ist keine klassische Durchgangsstraße, keine wichtige Ost-West-Achse. Spätestens am Brandenburger Tor endet der reguläre Fahrzeugverkehr, der Pariser Platz ist seit vielen Jahren für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt.
Zusätzliche Polleranlagen sichern zudem den Bereich rund um die Britische Botschaft in der südlich vom Boulevard abgehenden Wilhelmstraße. Ein Einbiegen in diese Straße ist seit den späten 1990er Jahren schon nicht mehr möglich.
Heißt also, der doppelspurige Auto- und Busverkehr kann an dieser Stelle nur nach rechts abbiegen, in die enge, einspurige Wilhelmstraße, die dann nördlich in Richtung Dorotheenstraße führt. Schon heute ist diese Kreuzung ein Nadelöhr.
Mehr Autoverkehr für den Boulevard Unter den Linden: Erhöhung der Terrorgefahr?
Zugleich zählt der Bereich Unter den Linden zu den meistbesuchten öffentlichen Räumen Deutschlands. Zwischen Museumsinsel, Humboldt-Universität, Staatsoper und Brandenburger Tor bewegen sich täglich zehntausende Fußgängerinnen und Fußgänger.
Gerade nach den jüngsten Diskussionen über den Schutz stark frequentierter öffentlicher Räume infolge des Anschlags auf den Christopher Street Day erscheint es durchaus nachvollziehbar, die Frage zu stellen, ob an einem derart sensiblen Ort tatsächlich mehr allgemeiner Autoverkehr zugelassen werden sollte als ursprünglich geplant.
Warum ist für die Straße Unter den Linden keine Verkehrsberuhig vorgesehen?
Da der Boulevard ohnehin keine bedeutende Durchgangsfunktion mehr erfüllt, hätte eine weitere Verkehrsberuhigung ebenso naheliegend erscheinen können. Sie hätte den Sicherheitsaspekt ebenso berücksichtigt wie die Aufenthaltsqualität und die städtebauliche Bedeutung dieses außergewöhnlichen Stadtraums.
Während Berlin den Autoverkehr auf Unter den Linden künftig wieder stärker berücksichtigt, geht Paris einen gänzlich anderen Weg. Dort wird der weltberühmte Champs-Élysées seit einigen Jahren schrittweise umgestaltet. Ziel ist es, den öffentlichen Raum deutlich grüner zu gestalten, zusätzliche Bäume zu pflanzen, versiegelte Flächen zurückzubauen und den Platz für Autos zugunsten von Fußgängern erheblich zu reduzieren.
Champs Élysées: Paris verfolgt den entgegengesetzten Ansatz
Bemerkenswert ist dabei vor allem, dass Berlin noch vor wenigen Jahren ähnliche Ziele formuliert hatte. Die damaligen Entwürfe orientierten sich ausdrücklich an internationalen Beispielen, bei denen Aufenthaltsqualität, Klimaanpassung und eine Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs gemeinsam gedacht wurden.
Mit der nun vorgesehenen Planung bleibt zwar der ökologische Anspruch bei der Neugestaltung des Boulevards erhalten. Verkehrspolitisch schlägt Berlin jedoch einen anderen Weg ein – und entfernt sich damit von den eigenen Leitbildern der vergangenen Jahre ebenso wie von der Entwicklung zahlreicher europäischer Metropolen.
Der Baumbestand immerhin soll deutlich aufgeforstet und erweitert werden, und auch das automatisierte Bewässerungssystem darf als deutlicher Schritt nach vorn gewertet werden.

Alte Planspiele aus dem Jahr 2021, die so wohl nicht umgesetzt werden. Die CDU-geführte Verkehrsverwaltung plant, den Autoverkehr auf dem Boulevard Unter den Linden auszuweiten. / © Visualisierung: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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18 Kommentare
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Mal wieder eine vertane Chance. Danke für nichts, CDU! Hoffentlich ist nach der Wahl Schluss mit dem Rückwärtsgang.
Man glaubt es nicht. Die Klatsche im September wird hoffentlich grün.
Ich frag mich langsam echt ob die CDU eigentlich noch nachdenken kann, oder ob das schon ein Automatismus ist, Lobbyvorgaben einfach zu unterschreiben.
Wieso kann die Bevölkerung bei offensichtlichem Versagen oder Lobbyarbeit eigentlich kein Misstrauensvotum gegenüber Ministern aussprechen? Traurig wie man mit ansehen muss was die CDU alles kaputt macht im Auftrag der Geldgeier..
Ich glaube noch nich einmal, dass es sich dabei um eine Lobbyidee handelt. Das klingt so unüberlegt und sinnlos, dass es der berliner CDU zuzuschreiben sein dürfte.
Hauptsache Dauerbaustelle, so schützen wir Berlin vor Lebensqualität.
Und wieder sollen 80 Bestandsbäume im Stadtzentrum einfach mal abgeholzt werden. Ersatz durch 160 Bäumchen, die allenfalls, wenn sie überhaupt die nächsten Jahre überleben, erst in ein paar Jahrzehnten (!!!) zum Schattenspender und zu einer Mikroklima-Änderung beitragen werden. Entsiegelung ? Hitzeschutz ? Weniger motorisierter Individual-Verkehr ? Denkste ! Statt sich an Städten wie Paris ein Beispiel zu nehmen, wurstelt man rückwärts gewandt bei der Verkehrsplanung herum. Mal schauen, ob der September tatsächlich etwas ändert…
Ich freue mich so auf den September
Nie wieder CDU in Berlin!
Es muss die (!) Champs Elysées heißen. Plural.
Die Entwürfe von damals waren Blödsinn, die Entwürfe jetzt sind es genauso. Man kann an dieser Stadt und seinen Politikern nur verzweifeln. Alles muss Ideologiekrieg sein, egal ob von links oder von rechts!
Bitte nicht gleich wieder aufregen. Es sollen 80 geschädigte Linden durch 160 neue Bäume (die bereits seit Jahren in der Baumschule wachsen) gepflanzt werden. Diese Nachricht ist also positiv.
Der alte links grüne Plan, den Individualverkehr dort weitestgehend zu unterbinden, war den Autohassern geschuldet.
Es bleibt bei 2 Autospuren je Richtung, was der Größe und Lage der Straße angemessen erscheint.
Warten wir die Umsetzung ab und bewerten dann das Ergebnis.
Nie wieder Links Grün ist meine Antwort auf nie wieder CDU, also freuen Sie sich nicht zu früh auf die Wahlen im September!
Schade, dass Sie auf Polemik und Populismus setzen (Autohasser), aber Fakten ignorieren , obwohl die CDU behauptet keine Ideologische Verkehrspolitik machen zu wollen.
Fakten:
– Die Wilhelmstraße hat eh nur einen Fahrstreifen je Richtung –> würde also auch untern den Linden genügen.
– Wir brauchen mehr Bepflanzung und weniger Versiegelung, um mit den höheren Sommertemperaturen umzugehen.
– Die Verkehrsträger Fußgänger und Fahrrad sind in der Straße stärker als das Auto genutzt (beim ÖPNV weiß ich es nicht).
Ideologie:
– 2 Fahrspuren für den MIV
Es gibt einfach kein übergeordnetes Verkehrskonzept für ganz Berlin.
Auf welchen Straßen soll der Verkehr fahren? Diese groß, der Rest klein. Natürlich lohnen sich große Straßen nur, wenn sie es durchgängig sind und nicht zwischendurch in einer Sackgasse/Verengung enden.
Muss „Durchfahren“ möglich sein? Wären Umfahrringe und eine Mitte für reinen Zielverhehr inkl „Sackgassen“ zur Verhinderung nicht logischer? Das würde das Staupotenzial deutlich reduzieren.
Oder eine City-Maut? Mit weniger Verkehr würde eine Fahrbahn reichen.
Oder Fokus auf ÖPNV, um diesen attraktiver zu machen?
Leider sieht unser aktueller Senat nur Autos und nicht all die anderen Optionen.
Es ist aber nun mal so, dass keiner zwei Autospuren Unter den Linden benötigt, nachdem sämtliche abgehenden Straßen jeweils nur eine Fahrspur je Fahrtrichtung haben. Und ich bin wahrlich kein Autohasser. Ich kann nur wiederholen: Die rot-grünen Pläne waren Schwachsinn, die schwarz-roten sind es genauso.
Was hat der jüngste Anschlag auf den Christopher Street Umzug mit dem Umbau der Linden zu tun? Da irgendeinen Zusammenhang herzustellen ist doch völlig irre!
Abgesehen davon freue ich mich schon auf die „modernen Sitzgelegenheiten“. Am Hackeschen Markt haben sich die modernen Sitzgelegenheiten schnell als blöder und unbrauchbarer und häßlicher Mist herausgestellt. Wird Unter den Linden wohl nicht anders sein. Aber bitte, macht nur immer wieder denselben Fehler mit den „modernen Sitzgelegenheiten“. Solange, bis auch der letzte Idiot in Berlin begriffen hat, daß es eine ganz normale Parkbank auch tut.
Wenn die CDU nach September weiter regiert, dann kommen doch die Poller vor der Botschaft weg, oder? Jedenfalls wirbt die Partei aktuell mit „Berlin pollerfrei“. Dann entstehen ja auch ganz neue Möglichkeiten für den Autoverkehr und die 2 Spuren haben ihre Berechtigung. Und eigentlich ist ein Aufenthalt am Brandenburger Tor ohne (zäh-)fließenden Durchgangsverkehr und Parkplatz auch nicht zumutbar, das kleine Stückchen Friedrichstraße zeigt ja deutlich, wie erfolgreich sich die Wiedereinführung des Autoverkehrs auf die dortige Entwicklung auswirkt. Das würde die zwei Fahrspuren dann auch nochmal auslasten, vielleicht sogar eine dritte notwendig machen? Paris sollte sich an Berlin ein Beispiel nehmen, nicht anders herum :-)
Die Poller vor der Botschaft sind Sicherheitspoller, damit unsere Zugewanderten aus bestimmten Kulturkreisen sich nicht aufgefordert fühlen, in die Botschaft ’nen 40-Tonner zu fahren! Aus dem selben Grund wird ja aktuell auch der Breitscheidplatz aufgerüstet!
Rassismus darf in einer Debatte um Fahrstreifen natürlich auch nicht fehlen, das stimmt.
Welchem Zweck dienen denn die Poller jenseits von Botschaften? In erster Linie auch der Sicherheit, nämlich der im Straßenverkehr, um die hohen Unfallzahlen durch regelwidrige Abbiegevorgänge, falsch parkende Kfz, unübersichtliche Fußgängerüberwege, etc. zu minimieren. Und da ist es völlig irrelevant, wer da am Steuer sitzt.
Berlin wäre moderner, schöner, klimaangepasster, touristisch interessanter ohne diese Ideologen-Partei CDU.
Diese Partei hat noch nicht einmal ein Herz für Prachtstraßen, sondern wirklich nur für Autofahrende.
Und sie schämt sich nicht, vor der Wahl noch eine Zurück-zur-Vergangenheits-Idee nach der anderen umzusetzen.
Schade.