Am Griebnitzsee beginnt ein neues Kapitel in einem seit vielen Jahren geführten Planungsstreit. Potsdam hat den Vorentwurf für den Bebauungsplan Nr. 174 vorgelegt und beteiligt nun die Öffentlichkeit. Dabei geht es um weit mehr als einen Weg entlang des Wassers.

Im Siegerentwurf von bbzl rückt das Wasser nah an den öffentlichen Freiraum: Vorgesehen sind Wege unter Bäumen sowie Sitz- und Aufenthaltsmöglichkeiten direkt am Griebnitzsee. / © Visualisierung: bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau
© Titelbild: Atelier Loidl GmbH / Christian Marrero
Potsdam will den Zugang zum Griebnitzsee neu ordnen. Nachdem frühere Bebauungspläne vor Gericht keinen Bestand hatten, liegt nun der Vorentwurf für den Bebauungsplan Nr. 174 „Griebnitzsee-Ufer“ vor. Er soll die Grundlage für einen durchgehenden öffentlichen Uferweg schaffen und zugleich Natur, Geschichte und private Grundstücke berücksichtigen.
- Ort: Potsdam-Babelsberg
- Lage: Südufer des Griebnitzsees
- Projektstatus: Vorentwurf / frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit
- Beteiligung: September bis 20. Oktober 2026
- Planungsziel: Planungsrecht für einen durchgehenden öffentlichen Uferweg und öffentlich nutzbare Uferbereiche
Uferzone soll dauerhaft für Allgemeinheit erlebbar werden
Mit dem aktuellen Verfahren nimmt Potsdam ein Vorhaben wieder auf, das die Stadt seit Jahrzehnten beschäftigt. Der neue Bebauungsplan soll die planungsrechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, die Uferzone dauerhaft für die Allgemeinheit erlebbar zu machen. Dazu gehört vor allem ein durchgehender öffentlicher Weg. Die ursprünglichen Planungsziele umfassen außerdem öffentliche Grünflächen, Kinderspielplätze, den Schutz naturnaher Uferbereiche sowie private Grünflächen und deren Nutzungsmöglichkeiten.
Die neuen Unterlagen liegen nun seit dem 21. September aus. Bis zum 20. Oktober können Bürgerinnen und Bürger Stellungnahmen abgeben. Dies ist online über das Beteiligungsportal der Stadt sowie vor Ort in der Stadtverwaltung an der Hegelallee 6–10 möglich. Am 30. September erläutert die Stadt den Vorentwurf zudem bei einer öffentlichen Veranstaltung auf dem Unicampus Griebnitzsee in der August-Bebel-Straße 89.
Griebnitzsee-Ufer: Zwei frühere Bebauungspläne scheiterten vor Gericht
Dass Potsdam nun besonders sorgfältig vorgehen muss, hat eine lange Vorgeschichte. Bereits mit den Bebauungsplänen Nr. 8 „Griebnitzsee“ und Nr. 125 „Uferzone Griebnitzsee“ versuchte die Stadt, die öffentliche Nutzung des Ufers planungsrechtlich zu sichern. Normenkontrollklagen waren jedoch 2009 und 2019 erfolgreich. Beide Pläne wurden für unwirksam erklärt. Im September 2021 folgte deshalb der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 174.
Dabei treffen am Griebnitzsee mehrere Interessen unmittelbar aufeinander. Teile des Ufers sind öffentlich zugänglich, andere Abschnitte liegen auf oder hinter privaten Grundstücken. Hinzu kommen Anforderungen des Natur- und Artenschutzes sowie die besondere Geschichte des Ortes. Während der deutschen Teilung verlief die Grenze durch den Griebnitzsee; am Potsdamer Ufer lag der Grenzstreifen. Noch heute erinnern Mauerreste und Informationsstelen an diese Zeit.
Wettbewerb liefert Ideen für das künftige Griebnitzsee-Ufer
Parallel zum Bebauungsplan hat Potsdam in diesem Jahr einen Ideen- und Realisierungswettbewerb durchgeführt. Wie die Planungen für die Freiflächen am Griebnitzsee bereits zeigten, sollten die Entwürfe nicht nur drei städtische Grundstücke konkret gestalten. Der Ideenteil sollte zugleich Lösungen für den gesamten Uferraum entwickeln – etwa für Wege, Zugänge, Bepflanzung, Ausstattung, Natur- und Artenschutz sowie den Umgang mit der Geschichte des ehemaligen Grenzstreifens.
Insgesamt beteiligten sich 14 Landschaftsarchitekturbüros. Den ersten Preis erhielt bbzl böhm benfer zahiri landschaften städtebau aus Berlin. Dahinter folgten Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitektur und Stadtplanung aus Hannover sowie Atelier Loidl aus Berlin. Zwei weitere Arbeiten erhielten Anerkennungen. Die prämierten Entwürfe für das Südufer des Griebnitzsees geben damit erstmals ein konkreteres Bild davon, wie öffentliche Bereiche am Wasser künftig aussehen könnten.
Drei städtische Teilflächen sollen nach Angaben der Landeshauptstadt ab 2027 neu gestaltet werden. Dabei sollen die Aufenthaltsqualität steigen und die Geschichte des Ortes stärker sichtbar werden. Für die Gestaltung der drei Flächen hatte die Stadt Anfang 2026 rund 2,3 Millionen Euro für Planung und Umsetzung genannt. Diese Maßnahmen sind allerdings vom wesentlich größeren Ziel eines lückenlosen öffentlichen Uferwegs zu unterscheiden.

Der zweitplatzierte Entwurf von Lohaus Carl Köhlmos zeigt einen belebten Uferbereich mit Steg, Wegen und Aufenthaltsflächen zwischen Wasser und begrüntem Hang. / © Visualisierung: Lohaus Carl Köhlmos Landschaftsarchitektur und Stadtplanung / Paul Trakis

Dritter Preis: Der Entwurf von Atelier Loidl zeigt das Griebnitzsee-Ufer als grünen Freiraum mit mehreren Wegen, Aufenthaltsbereichen und einem direkten Zugang zum Wasser. / © Visualisierung: Atelier Loidl GmbH / Christian Marrero
Griebnitzsee-Ufer hängt auch von der Finanzierung ab
Wie es mit dem Bebauungsplan nach der Beteiligung weitergeht, steht noch nicht abschließend fest. Die eingehenden Hinweise und betroffenen Belange sollen zunächst ausgewertet werden. Die Ergebnisse will die Verwaltung der Stadtverordnetenversammlung als Zwischenbericht vorlegen. Erst danach entscheidet sich das weitere Verfahren.
Dabei nennt die Stadt selbst eine entscheidende Voraussetzung: Die Weiterführung des Bebauungsplans muss finanziell abgesichert sein. Einen belastbaren Termin für einen durchgehend öffentlichen Uferweg gibt es daher derzeit nicht. Die aktuelle Beteiligung ist zunächst ein weiterer Planungsschritt in einem Verfahren, dessen Ausgang weiterhin offen ist.
Bebauungsplan Nr. 174: Griebnitzsee-Ufer
Quellen: Landeshauptstadt Potsdam
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