Das neue Präsidialgebäude am Spreebogen ist fertiggestellt und dient nun als temporärer Amtssitz des Bundespräsidenten. Damit ist der Weg frei für die umfassende Sanierung von Schloss Bellevue, die mehrere Jahre dauern soll.

Schloss Bellevue in Berlin-Tiergarten wird in den kommenden Jahren umfassend saniert. Für die Dauer der Arbeiten ist das Bundespräsidialamt in einen temporären Neubau am Spreebogen umgezogen. / © Foto: depositphotos.com
© Titelbild: Sauerbruch Hutton Architekten
Schloss Bellevue ist vorerst nicht mehr der Arbeitsplatz des Bundespräsidenten. Frank-Walter Steinmeier und das Bundespräsidialamt sind in den vergangenen Wochen in den neuen temporären Amtssitz an der Elisabeth-Abegg-Straße am Spreebogen umgezogen. Während das Schloss in den kommenden Jahren grundlegend saniert werden soll, läuft der Betrieb des Bundespräsidenten nun aus einem modernen Bürobau weiter.
Der Umzug markiert damit den Beginn einer ungewöhnlichen Zwischenphase für den Berliner Amtssitz. Rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten ihre Arbeitsplätze verlagern, dazu kamen Akten, Bibliothek, Staatsgeschirr und zahlreiche weitere Ausstattungsgegenstände. Insgesamt wurden laut rbb rund 3.000 Kisten gepackt.
Elisabeth-Abegg-Straße: Ersatzneubau am Spreebogen ist bezogen
Für die Zwischenzeit steht nun der Neubau an der Elisabeth-Abegg-Straße zur Verfügung. Das Gebäude wurde auf einem rund 4.000 Quadratmeter großen bundeseigenen Grundstück errichtet und von Sauerbruch Hutton gemeinsam mit Drees & Sommer geplant.
Architektonisch unterscheidet sich der Bau deutlich vom klassizistischen Schloss Bellevue. Eine geschwungene Gebäudeform, die auffällige farbige Fassade und die modulare Holzkonstruktion prägen den Neubau. Die fünf regulären Geschosse bestehen aus vorgefertigten Holzmodulen, die auf der Baustelle zusammengesetzt wurden.

Die farbige Keramikfassade prägt den temporären Amtssitz des Bundespräsidenten am Spreebogen. Der von Sauerbruch Hutton entworfene Neubau wurde mit dem Deutschen Architekturpreis 2025 ausgezeichnet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Für den Umzug musste allerdings nicht nur Mobiliar den Standort wechseln. Auch Kunstwerke aus Bellevue wurden abgebaut und eingelagert. So wurden etwa die großformatigen Arbeiten „Begegnungen“ von Gotthard Graubner aus dem Großen Saal entfernt. Einige Objekte können aufgrund ihrer Größe oder der baulichen Gegebenheiten nicht mit in den Übergangssitz genommen werden.
Die erste Veranstaltung am temporären Amtssitz soll Ende August 2026 stattfinden. Der aufwendige Umzug ist damit allerdings nicht für lange abgeschlossen: Schon in wenigen Monaten steht mit dem Amtswechsel nach der Wahl der nächste Wechsel im Präsidialamt an. Der Mietvertrag für den Neubau läuft zunächst über fünf Jahre und kann verlängert werden. Anschließend soll das Gebäude dauerhaft von einer anderen Bundesbehörde genutzt werden.
Warum Schloss Bellevue saniert werden muss
Der Umzug ist notwendig, weil Schloss Bellevue umfassend saniert werden muss. Die letzte Teilsanierung fand 2004 und 2005 statt und war auf 20 Monate begrenzt. Viele grundlegende Maßnahmen konnten damals nicht umgesetzt werden. Inzwischen sind technische Anlagen überaltert, das Dach weist undichte Stellen auf und die Fassade hat Risse. Auch die Fenster entsprechen nicht mehr heutigen Sicherheitsanforderungen. Untersuchungen haben zudem Korrosion in den Geschossdecken festgestellt.
Die geplante Grundsanierung soll das denkmalgeschützte Schloss technisch, energetisch und sicherheitstechnisch für die kommenden Jahrzehnte ertüchtigen. Heizung, Lüftung, Sanitär- und Elektroanlagen sowie Sicherheits- und Veranstaltungstechnik werden erneuert, außerdem soll die Barrierefreiheit verbessert werden. Ziel ist ein nahezu klimaneutraler Betrieb.
Vier Bereiche, acht Jahre Bauzeit – und über 600 Mio. Euro Bau- und Planungskosten
Neben Schloss Bellevue werden auch das Verwaltungsgebäude, der Eingangs- und Wachbereich sowie die Außenanlagen und Infrastruktur saniert beziehungsweise neu gestaltet. Geothermie soll künftig Wärme und Kälte liefern, Photovoltaik ist dort vorgesehen, wo dies mit dem Denkmalschutz vereinbar ist.
Für die vier Teilbereiche sind Bau- und Planungskosten von 601 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen eine Risikoreserve von 188 Millionen Euro und 71 Millionen Euro für mögliche Baupreissteigerungen. Insgesamt wird mit einer Dauer von rund acht Jahren gerechnet. Erst danach soll der dann amtierende Bundespräsident oder die amtierende Bundespräsidentin wieder in das sanierte Schloss Bellevue einziehen.
Ersatzneubau am Spreebogen
Schloss Bellevue
Quellen: BundesImmobilien, Bundespräsident, Berliner Landeszentrale für politische Bildung, rbb, Sauerbruch Hutton
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Der neue Übergangsamtssitz sieht sehr gut und schön aus. Warum belässt man es nicht als Amtssitz des Bundespräsidenten? Es passt viel besser in die heutigen modernen Zeiten. Besucher des Präsidenten auf Schloss Bellevue müssen sich vorgekommen sein, als wenn sie zu einem König oder Kaiser kämen, völlig unzeitgemäß. Und jetzt soll eine Milliarde € in die Hütte versenkt werden? Wobei man jetzt schon davon ausgehen kann, daß es am Ende ein Vielfaches sein wird. Abreissen darf man es ja nicht, da der in Deutschland ja absoluten sakrosankten Status genießende Denkmalschutz da etwas dagegen hat. Also rein mit den Milliarden, auch wenn der Staat kein Geld hat. Dann sollte er wenigstens versuchen, die Bude auf dem freien Markt zu verkaufen.