Nach dem Aus für das milliardenschwere „Projekt Campus“ konkretisiert die Deutsche Bundesbank ihre Pläne für einen neuen Hauptsitz in Frankfurt. Nun hat die Notenbank ein europaweites Vergabeverfahren gestartet.

Am bisherigen Bundesbank-Standort in Frankfurt sollen die Pläne für das sogenannte „Projekt Campus“ nicht weiterverfolgt werden. Die Notenbank sucht stattdessen eine neue Zentrale. / © Foto: depositphotos.com
© Titelbild: Wikimedia Commons, Torben, CC BY-SA 3.0
Die Deutsche Bundesbank macht bei der Suche nach einem neuen Hauptsitz in Frankfurt den nächsten Schritt. Nach dem überraschenden Aus für das langjährig geplante „Projekt Campus“ am bisherigen Standort in der Wilhelm-Epstein-Straße hat die Notenbank nun ein europaweites Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb gestartet. Gesucht wird eine schlüsselfertige Immobilie einschließlich Grundstück; infrage kommen sowohl ein Neubau als auch eine umfassend kernsanierte Bestandsimmobilie.
Damit verabschiedet sich die Bundesbank endgültig von der bisherigen Planung, den bestehenden Hauptsitz im Frankfurter Norden grundlegend zu modernisieren. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass ein Neukauf wirtschaftlich günstiger ausfallen könnte als die Sanierung. Für eine reduzierte Variante des ursprünglichen Campus-Projekts waren zuletzt Investitionskosten von rund 1,6 Milliarden Euro veranschlagt worden.
Neue Zentrale soll rund 2.500 Arbeitsplätze bieten
Das nun gestartete Verfahren ist in zwei Phasen aufgeteilt. Zunächst werden geeignete Bewerber ausgewählt und Angebote verhandelt. Anschließend soll der ausgewählte Auftragnehmer die Immobilie planen, errichten oder sanieren und bis zur Abnahme durch die Bundesbank fertigstellen. Eine Zuschlagserteilung ist bis Ende 2027 vorgesehen.
Die Zuschlagskriterien umfassen unter anderem Preis, Gebäudequalität, Projektabwicklung und Abnahmetermin. Auch eine gute Lage und eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sind für uns relevant, um für unsere Beschäftigten, externe Geschäftspartner sowie Besucherinnen und Besucher gut erreichbar zu sein
, so Bredt, Chief Operating Officer der Bundesbank.
Weniger Büroarbeitsplätze als ursprünglich geplant
Die künftige Zentrale soll Platz für etwa 2.500 Arbeitsplätze bieten. Hinzu kommen rund 15.000 Quadratmeter Nutzfläche für Sonder- und Funktionsbereiche. Die Anforderungen wurden von der Bundesbank gemeinsam mit externen Beratern erarbeitet und umfassen unter anderem Sicherheitsstandards, Nachhaltigkeit, technische Gebäudeausstattung und Innenarchitektur.
Der Bedarf fällt damit deutlich kleiner aus als noch bei den ursprünglichen Campus-Plänen. Durch veränderte Arbeitsmodelle und die stärkere Nutzung von Homeoffice benötigt die Bundesbank heute weniger Büroarbeitsplätze als die ursprünglich vorgesehenen 5.000.
„Betonriegel“ an der Wilhelm-Epstein-Straße: Zukunft des bisherigen Standorts bleibt offen
Der bisherige Hauptsitz in der Wilhelm-Epstein-Straße war in den vergangenen Jahren zunehmend zum Kostenfaktor geworden. Neben den hohen Sanierungsanforderungen spielte dabei auch der Denkmalschutz eine Rolle: Der brutalistische Gebäudekomplex steht seit 2022 unter Schutz.
Gleichzeitig zeichnet sich für das Areal eine neue Perspektive ab. Die Stadt Frankfurt hat Interesse daran, Teile des Grundstücks für den Gemeinbedarf zu erwerben. Was langfristig mit dem bisherigen Bundesbank-Standort und den dortigen Gebäuden geschieht, ist damit allerdings noch nicht abschließend geklärt. Auch die besonderen Sicherheitsanforderungen der Bundesbank spielen bei der weiteren Nutzung des Geländes eine Rolle.
aktueller Standort Deutsche Bundesbank
Quellen: Bundesbank, Handelsblatt, Wikipedia, FAZ, Baukunst
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