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Im Projekt „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck sollen sieben Hochhäuser entstehen, bislang ohne Wohnungen. Doch der Senat prüft nun, ob Wohnen trotz Lärm- und Nutzungsauflagen möglich sein könnte. Damit rückt ein seit Langem umstrittenes Vorhaben erneut in den Fokus.
Visualisierung der Urbanen Mitte mit sieben Hochhäusern und im Vorderrund Menschen, die sich im Park aufhalten.

Visualisierung des geplanten Stadtquartiers „Urbane Mitte“ in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg: Bis zu 90 Meter hohe Gebäude sollen am Übergang von Park und Verkehrsknotenpunkt entstehen und Büros, Kultur sowie Gewerbe vereinen. Wohnungen sind bislang nicht vorgesehen, was in der Stadtgesellschaft auf Kritik stößt. /  © Visualisierung: O&O Baukunst / Realace GmbH

© Visualisierungen: O&O Baukunst / Realace GmbH

 

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Die Pläne für die „Urbane Mitte“ am Gleisdreieck sehen bisher sieben Hochhäuser vor, die überwiegend mit Büros und gewerblichen Nutzungen gefüllt werden sollen. Zwei davon entstehen im südlichen Teil des Areals, fünf weitere im nördlichen. Wohnungen sind bislang nicht vorgesehen. Begründet wird dies mit der Nähe zu Bahntrassen und Veranstaltungsflächen, die hohen Lärmpegel verursachen.

Die rechtliche Grundlage für die Baupläne reicht weit zurück. Sie geht auf Vereinbarungen aus den 1990er-Jahren zurück, als im Zuge der Entwicklung des Potsdamer Platzes Flächen für den Gleisdreieckpark und für Neubauten abgetreten wurden. 2005 sicherte ein Rahmenvertrag dem Eigentümer eine hohe Baudichte zu, aus der später ein Bauvolumen von 119.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche abgeleitet wurde.

Kritik an Büroplänen wächst: Sorge vor Verschattung des Parks und SPD fordert Wohnungen in der Urbanen Mitte

Anwohnerinitiativen kritisieren schon seit vielen Jahren die Dimension des Projekts. Vor allem die geplanten Gebäudehöhen – bis zu 90 Meter – würden den Park verschatten und die Frischluftschneise unterbrechen. Hinzu kommt der Verweis auf den angespannten Wohnungsmarkt. Aus Sicht der Initiativen sei es nicht nachvollziehbar, an so zentraler Stelle ausschließlich Büroraum zu schaffen, während Wohnungen fehlen.

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Auch aus der Politik kommt inzwischen Skepsis. Der SPD-Abgeordnete Sven Heinemann forderte laut Tagesspiegel, Wohnungen in die Planung einzubeziehen. Er verwies darauf, dass auch an anderen Standorten nahe Bahntrassen Wohnprojekte realisiert werden, etwa an der Warschauer Brücke, wo ein Wohnturm entsteht.

Senat signalisiert Spielraum: Neue Gesetzeslage könnte Wohnen ermöglichen — Chancen vor allem im nördlichen Baufeld

Die Senatsverwaltung erklärte auf Anfrage vom Tagesspiegel, dass eine Wohnnutzung unter bestimmten Voraussetzungen nicht ausgeschlossen sei. Möglich wäre dies, wenn sich durch neue rechtliche Rahmenbedingungen Befreiungen vom bestehenden Bebauungsplan ergeben. Grundlage könnte der Paragraf 246e im Baugesetzbuch sein, der Kommunen bis 2030 erlaubt, von Plänen abzuweichen, um Wohnraum zu schaffen. Auch strengere Lärmschutzgrenzen könnten in begründeten Fällen überschritten werden.

Für den südlichen Teil, dessen Bebauungsplan bereits beschlossen ist, wäre eine nachträgliche Änderung jedoch schwierig. Hier verweist der Projektentwickler Periskop Development auf hohe Kosten und Planungsverzögerungen. Offener bleibt die Situation im Norden, wo die Trasse der neuen S-Bahnlinie S21 noch nicht endgültig feststeht. Dort will der Senat Gespräche über eine mögliche Wohnnutzung führen.

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Projektentwickler zeigt begrenzte Offenheit: Zukunft der Urbanen Mitte am Gleisdreieck bleibt umstritten

Periskop Development betonte laut dem Tagesspiegel, man sei grundsätzlich nicht gegen Wohnen. Geschäftsführer Simon Kempf erklärte jedoch, dass Wohnen aktuell rechtlich nicht möglich sei. Zwar könnten Lärmschutzmaßnahmen gegen den Bahnverkehr helfen, doch zusätzliche Belastungen durch Veranstaltungen in der benachbarten Station Berlin ließen nur gewerbliche Nutzungen zu. Eine Prüfung habe ergeben, dass gesunder Wohnraum hier nicht gewährleistet werden könne.

Sollte sich die Gesetzeslage ändern, sei man bereit, mit dem Senat über Wohnnutzung zu sprechen, allerdings nur für den nördlichen Bereich. Für das Baufeld Süd sei man bereits zu weit in der Planung, eine Umstellung würde erhebliche Kosten verursachen.

Die städtebauliche Verdichtung des Gleisdreieckparks wird seit Jahren kontrovers diskutiert

Mit dem Projekt „Urbane Mitte“ wird ein stadtpolitisch bedeutendes Quartier entwickelt. Es bildet das letzte unbebaute Areal am Gleisdreieck, das seit den 1990er-Jahren unter dem Eindruck wachsender Stadtentwicklungsansprüche steht.

Während die Senatsverwaltung auf zügige Umsetzung drängt, warnen Initiativen vor einer Übernutzung der Parkflächen. Ob hier künftig Wohnungen entstehen können, hängt nicht nur von der Gesetzeslage ab, sondern auch von der Verhandlungsbereitschaft des Projektentwicklers.

Fahrrad mit Schild dran auf dem steht: "Mein Fahrrad ist auch gegen den Bau 7 Bürotürmen am Gleisdreieckpark."

Protest gegen das Bauvorhaben: Auch unter Anwohnerinnen und Anwohnern regt sich Widerstand gegen die geplanten Bürotürme am Park am Gleisdreieck, wie hier mit einem handgemachten Schild am Fahrrad deutlich wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Urbane Mitte am Gleisdreieck, Senatskanzlei, Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, bulwiengesa, O&O Baukunst, Realace GmbH, Grüne Fraktion Friedrichshain-Kreuzberg

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9 Kommentare

  1. Böhme 26. August 2025 at 17:58 - Reply

    Es ist in Berlin immer dasselbe Theater: Es wird in die Höhe gebaut, gleich werden Bürgerinitiativen gegründet – und Kreuzberg ist sowie so dagegen. Es wird ohne Wohnungen gebaut: Geht überhaupt nicht. Die angeführten Gründe gegen die Bauten sind absurd. Die geplanten südlichen Bauten verschatten schon mal nach Höhe und Lage den Park überhaupt nicht. Die beiden höheren Türme im Norden können – überschaubare – Teile der Schöneberger Wiese verschatten – und zwar bis knapp vor 12:00 Uhr.

    Und welche „Frischluftschneise“ hier unterbrochen wird, bleibt ebenfalls unerfindlich. Die Frischluftbewegung von Norden nach Süden und umgekehrt in der Schöneberger Wiese wird nicht gestört, dort kann die Luft sich trotz der Bauten frei bewegen. Dass es eine maßgebliche Frischluftschneise zwischen Park und Schöneberger sowie Luckenwalder Straße gäbe, wird nun keiner ernsthaft behaupten wollen. Das Ganze ist schon deswegen absurd, weil rundherum alles grün ist. Es findet sich die umfassende und nach Süden sich öffnende Schöneberger Wiese westlich der geplanten Bauten und östlich der große Park am Gleisdreieck. Der Grüngürtel der Schöneberger Wiese setzt sich im Norden im Mendelsohn-Bartholdy-Park und im Westen in den Grünanlagen um die Straße Am Karlsbad fort, der Park am Gleisdreck führt um das Deutsche Technikmuseum herum und wird im Norden durch den Elise-Tilse-Park erweitert. In dem gesamten Bereich ist „grün satt“.

    In Wirklichkeit geht es mal wieder nur Ideologie, um „Kapitalismuskritik“. Böse Investoren wollen große Häuser erricht, mit denen sie böserweise Geld verdienen wollen – und natürlich mal wieder nicht an „Mütterchen Müh'“ mit ihren Wohnungssorgen denkt. Und wer meint, daran ändert sich was, wenn in den südlichen Bauten Wohnungen vorgesehen werden, wird schon erklären müssen, wie Mütterchen Müh‘ die 17 bis 20 Euro Nettokaltmiete aufbringen will!

  2. Marcel S. 26. August 2025 at 19:26 - Reply

    Ich bin zwar auch dafür dass dort auch Wohnungen errichtet werden aber die Diskussion um die Höhe ist völliger Käse. Nochmal 20 Jahre Diskussion, das wird nie was.

  3. Christoph W. 26. August 2025 at 22:24 - Reply

    Viel schlimmer als die diskutierte Höhe ist der architektonische Gipfel an trostloser Hässlichkeit dieser 7 banalen Klötze! Ene Beleidigung für jedes halbwegs ästhetische Empfinden! Weder Bau-Kunst noch Kunst am Bau. Da hilft auch der Euphemismus des Namens dieses irgendwie von Anfang an verkorksten Projektes nicht drüber hinweg. Ein neuer Tiefpunkt in der Berliner Architekturgeschichte droht gebaute Realität zu werden. Es mangelt ja nicht an spannender Architektur in anderen Metropolen auf der Welt. Aber leider herrscht in Berlin (warum auch immer) seit Jahren die totalitäre Sprachlosigkeit viereckiger Schuh-Kartons mit der der ewig gleichen Rasterfassade.

    • Böhme 28. August 2025 at 19:27 - Reply

      Grundsätzlich beschwere ich mich ja allenthalben über die einheitliche Hässlichkeit der Berliner Schuhkarton-Architektur mit Schießscharten als Fenster. Aber für Berliner Verhältnisse sind die Entwürfe der „Urbanen Mitte“ dann noch ganz ansehnlich. Dazu am besten auf die Homepage gehen https://www.urbane-mitte.de/

  4. Heinz 27. August 2025 at 09:36 - Reply

    **Berlin ist zur Provinz verkommen – und zwar im Kopf.**
    Während andere Metropolen mit Weitblick, Mut und Innovationsgeist Wohnraum schaffen, versinkt diese Stadt im Stillstand – gelähmt von einer lautstarken Minderheit, die nichts anderes kennt als das sture „Dagegen!“. Die gleichen Stimmen, die über steigende Mieten klagen und Wohnungsnot beklagen, stehen an vorderster Front, wenn es darum geht, Neubauprojekte zu verhindern. Ob Randbebauung des Tempelhofer Feldes, Nachverdichtung oder neue Quartiere – jedes Mal dieselben vorgeschobenen Argumente: Frischluftschneisen, angeblich bedrohte Grünflächen, „Charme“ des Bestehenden.

    **Aber was wirklich dahinter steckt, ist etwas anderes: Neid. Besitzstandswahrung. Angst vor Veränderung. Und eine regelrechte Lust am Verhindern.**

    So verlieren wir international den Anschluss. Städte wie Wien, Kopenhagen oder Amsterdam investieren mutig in moderne Wohnformen und urbane Entwicklung – und Berlin? Träumt vom Status quo, den sich viele schon längst nicht mehr leisten können. Statt Lösungen zu ermöglichen, wird blockiert, zerredet, zerklagt. Wer baut, wird misstrauisch beäugt. Wer investiert, diffamiert. Wer gestaltet, bekämpft.

    **So bleibt Wohnraum auf ewig knapp und teuer – weil wir ihn selbst künstlich knapp halten.**

    Berlin könnte eine lebenswerte, durchmischte, gerechte und moderne Stadt für alle sein. Aber dazu braucht es Mut, Realitätssinn und ein Ende der ideologischen Dauerblockade. Es ist höchste Zeit, dass diese Stadt wieder an die Zukunft glaubt – und nicht an das ewige Dagegen.

    **Versteht es endlich mal.**

    • BenzCruiser 28. August 2025 at 11:08 - Reply

      Au weia Heinz, andere Metropolen sorgen auch für mehr Begrünung, Flächenentsieglung, fördern Radverkehr und Öffis und drängen Autos zurück, in Berlin passiert das Gegenteil, wir leben im feuchten Traum der 1960er und bauen Stadtautobahnen.
      Das benannte Projekt beinhaltet keine Art der Wohnform, sondern nur Raum für weitere leere Büros und schlechte Gastronomie. Zukunft bedeutet Lebensqualität.

  5. M.Hillen 27. August 2025 at 21:38 - Reply

    Es ist einfach nur lächerlich, daß in Berlin, der Hauptstadt der viertgrößten Wirtschaftsnation der Welt, nur so winzig kleine Hochhäuschen gebaut werden..
    Was soll das???Außerhalb des relativ kleinen historischen Zentrums gibt es genügend sinnvolle Hochhauspulkstandorte, die man mal ordentlich definieren und dann auch planmäßig entwickeln könnte. Man kann sich da Frankfurt als Vorbild nehmen.. da läuft das mittlerweile längst in geordneten und stadtverträglichen Bahnen. Dass in Berlin überMiniHöhen von 90, 105, 115, 130 oder 150 Metern jahrelang erbittert gestritten wird.. das macht mich einfach nur fassungslos. Was für Idioten sind in dieser Stadtverwaltung eigentlich beschäftigt??? Mit welchem Recht verhindern diese unqualifizierten Kleinstadtidioten die Entwicklung Berlins zu der Hauptstadt, die der Größe unseres Landes entspricht???

    • Böhme 28. August 2025 at 19:13 - Reply

      Drittgrößte … seit letztem Jahr sind wir wieder drittgrößte Wirtschaftsnation und haben die Japaner auf Platz 4 verdrängt. Bei der erratischen Wirtschaftspolitik ausnahmslos aller etablierten Parteien werden wir allerdings die nächsten Jahre wie in Sachen Bildungsnation nach unten durchgereicht werden!

      Was die Behandlung von Hochhäusern in Berlin angeht, bin ich ganz bei Ihnen … und rege mich darüber regelmäßig hier wie z. B. im Tagesspiegel-Forum auf, seit Jahren. Immerhin hat Berlin jetzt den ersten Wolkenkratzer, den Estrel-Tower mit „sagenhaften“ 176 Metern.

  6. Gerhard Müller 30. August 2025 at 19:01 - Reply

    Man sollte vielleicht mal Ideologie draussen vor lassen…sowohl von den Kommentatoren als vielmehr noch
    von politisch motivierten Akteuren der Verwaltung und aus der Politik.Mehr Wohnraum…wunderbar, wenn es geht.Führt, anders als Büros, allerdings zu einer noch stärkeren Übernutzung des Parks.Verschattung?Versuchen wir an anderer Stelle der Stadt zu erreichen.Das Problem verstehe ich nicht.Hochhäuser? Macht Sinn, vielmehr Sinn macht eine gute Architektur.Diese Diskussion wird arg strapaziert, möglicherweise auch von Leuten, die ihn NY gerne Im Central Park spazieren gehen und nach dem Urlaub davon schwärmen.
    Was tatsächlich erschreckend ist: Die Unfähigkeit, Entscheidungen zu treffen.Manch einer wird sagen, ein Merkmal der demokratie…ich glaube in der Zwischenzeit eher, ein typisch deutsches Merkmal des Bürokratismus.

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