Der Berliner Senat verändert die Planungen für den Molkenmarkt deutlich. Neben Wohnungen sollen vor allem neue Kultur- und Gewerbeflächen die historische Mitte zwischen Rotem Rathaus und Nikolaiviertel künftig prägen.

Der Molkenmarkt in Berlin-Mitte soll mit dem neuen Bebauungsplan zu einem Quartier mit Wohnungen, Kulturflächen und Gewerbe weiterentwickelt werden. Der Berlinre Senat hat den Bebauungsplan nun noch einmal entscheidend angepasst. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: IMAGO / Sabine Gudath
Der Berliner Senat hat am 19. Mai 2026 den Entwurf des Bebauungsplans für den Molkenmarkt in Berlin-Mitte beschlossen. Das geht aus einer offiziellen Mitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hervor.
Mit der Anpassung des bestehenden Planungsrechts soll die Entwicklung des Quartiers stärker auf zusätzliche Kultur- und Gewerbeflächen ausgerichtet werden. Gleichzeitig bleibt auch der Bau von mehr als 200 Wohnungen Bestandteil der Planung.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Ort: Molkenmarkt
- Bebauungsplan: 1-14-1
- Geplant: mehr als 200 Wohnungen, zusätzliche Kultur- und Gewerbeflächen
Die Anpassung des Bebauungsplans steht im Zusammenhang mit der schrittweisen Neuordnung des Verkehrsraums in Berlin-Mitte. Durch die Verlegung eines Abschnitts der Grunerstraße, die Teil der Bundesstraße B1 ist, entstehen neue Bauflächen am Molkenmarkt.
Die Planung sieht mehrere neue Straßenräume, Plätze und Höfe vor, die sich an historischen Wegebeziehungen orientieren und zugleich Raum für Wohnungen, Gewerbe, Kultur und öffentliche Nutzungen schaffen sollen.
Bebauungsplan Molkenmarkt stärkt vor allem Kultur- und Gewerbeflächen
Der Molkenmarkt zählt zu den ältesten Stadträumen Berlins. Der Senat hat nun den Entwurf des Bebauungsplans 1-14-1 beschlossen und damit das bestehende Planungsrecht angepasst, um das städtebauliche Potenzial des Areals zwischen Rotem Rathaus, Nikolaiviertel und Altem Stadthaus stärker auszuschöpfen.
Neben zusätzlichen mietpreis- und belegungsgebundenen Wohnungen ermöglicht der Bebauungsplan insbesondere neue Kultur- und Gewerbeflächen. Entlang der Stralauer Straße soll ein neues Kulturgebäude entstehen, das Ausstellungs- und Bühnenflächen aufnehmen und zugleich archäologische Funde in die künftige Bebauung integrieren soll.
Molkenmarkt soll kleinteilige Nutzungsmischung erhalten
Nach den Planungsleitlinien soll das Quartier am Molkenmarkt eine kleinteilige Nutzungsmischung erhalten. In den Erdgeschossen sind vor allem öffentlich zugängliche Angebote wie Gastronomie, Einzelhandel sowie kulturelle Nutzungen vorgesehen, während in den oberen Etagen überwiegend Wohnungen und gewerbliche Flächen entstehen sollen.
Die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH soll in den kommenden Jahren mehr als 200 Wohnungen sowie die vorgesehenen Kultur- und Gewerbeflächen errichten. Die Neubauten orientieren sich dabei an einer überwiegend vier- bis sechsgeschossigen Struktur, die an die historische Mitte Berlins anknüpfen soll.
Gleichzeitig soll der Bebauungsplan eine baulich klarere Fassung des öffentlichen Stadtplatzes vor dem Alten Stadthaus sowie der künftigen Parochialgasse ermöglichen.

Erster Preis für Bauabschnitt 1: Modell für das Eckhaus Grunerstraße/Molkenmarkt – ein Laubenganggewölbe als mittelalterliches Element. / © Visualisierung: Hild und K, München Happel Cornelisse Verhoeven, Rotterdam Modersohn Freiesleben, Berlin/Senatsverwaltung Stadtentwicklung
Historische Mitte Berlin: Wettbewerbe konkretisieren Bebauung
Die ersten Realisierungswettbewerbe für das Areal am Molkenmarkt wurden im November 2025 entschieden. Weitere Entscheidungen sollen im Juni 2026 folgen. Die Wettbewerbe betreffen unter anderem Block A und Teile von Block B.
Nach den bisherigen Leitlinien berücksichtigen die Planungen auch Anforderungen an Klimaanpassung und technische Infrastruktur. Vorgesehen sind unter anderem Dachflächen zur Regenwasserrückhaltung sowie Möglichkeiten für Photovoltaik. Zudem sollen öffentliche Räume und Gebäude möglichst barrierefrei zugänglich sein.
Archäologie bleibt Bestandteil der Quartiersentwicklung am Molkenmarkt
Am Molkenmarkt sichern zudem Grabungen seit Jahren Spuren aus mehreren Jahrhunderten Berliner Stadtgeschichte. Die Charta Molkenmarkt und die Machbarkeitsstudien sehen vor, ausgewählte Funde in Neubauten und Freiräume einzubinden. Dazu gehören sogenannte archäologische Fenster, die historische Befunde sichtbar machen sollen.
Der Bebauungsplan wird nun allerdings erst noch dem Abgeordnetenhaus von Berlin vorgelegt. Erst danach kann dann die planungsrechtliche Grundlage für die Umsetzung der bisherigen Wettbewerbsentwürfe abschließend geschaffen werden.
Molkenmarkt (Berlin-Mitte)
Quellen: Senatskanzlei Berlin, molkenmarkt.berlin.de, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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2 Kommentare
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Man hätte ja erst planen können und danach abreissen.
Aber wir sind ja in Berlin, da ist alles anders.
Hier wurde ja nur Steuergelg „verbraucht“.
Die Abrisse am Molkenmarkt erfolgten teilweise schon um 1940, andererseits nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der Enttrümmerung. Aber klar, der Nationalsozialismus und der zweite Weltkrieg waren eine gigantische Steuergeldverschleuderung, stimmt schon.