In Berlin entsteht ein Ansatz, der Integration und Teilhabe gleichermaßen stärkt. Die „Little Social Festivals“ bringen Menschen zusammen und fördern das Miteinander im Kiez.

Das Konzept der „Little Social Festivals“ fand auf der „Neustart“-Konferenz große Aufmerksamkeit und wurde als eines der neun besten Vorhaben gewürdigt. / © Foto: Christian Kruppa, EUREF AG
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, StagiaireMGIMO, CC BY-SA 4.0
Berlin ist eine Stadt der Vielfalt. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Sprachen, Altersgruppen und Lebensmodelle teilen sich urbanen Raum und prägen gemeinsam das Stadtbild. Die Vision der „Little Social Festivals“ ist es, diese Vielfalt als Stärke zu nutzen und gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Tamaja möchte bestehende Infrastrukturen einsetzen, um Orte der Begegnung zu schaffen und das gesellschaftliche Miteinander zu fördern.
Das Konzept wurde im Rahmen der „Neustart“-Konferenz in Berlin vorgestellt. Die Veranstaltung ist eine gemeinsame Initiative von Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und Radio Eins vom rbb, die kreative Ideen für die Zukunft Berlins sucht und öffentlich diskutiert. Im Wettbewerb der eingereichten Projekte wurde das Konzept der „Little Social Festivals“ als eines der neun besten Vorhaben ausgezeichnet.
Berlin: Gesellschaftliche Herausforderungen und der Bedarf an neuen Begegnungsorten
Die Notwendigkeit eines solchen Ansatzes ergibt sich aus aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Digitale Diskursräume werden zunehmend genutzt, um Falschnachrichten zu verbreiten und Polarisierung zu verstärken. Gleichzeitig führen Haushaltskürzungen in sozialen und kulturellen Einrichtungen dazu, dass Begegnungsstätten schließen oder Angebote reduziert werden, die Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen könnten.
Geflüchtete sind davon besonders betroffen, da sie häufig in Gemeinschaftsunterkünften oft isoliert leben. Viele bleiben länger in den Einrichtungen und sind dennoch Teil der Nachbarschaft. Die Trennung zwischen den Bedarfen der Unterkünfte und denen der umliegenden Kieze verstärkt die Problematik, weil infrastrukturelle und kulturelle Lücken auf beiden Seiten bestehen bleiben.
Wie die „Little Social Festivals“ neue Nachbarschaftsräume in Berliner Kiezen schaffen
Tamaja setzt mit den „Little Social Festivals“ an diesem Punkt an. Gemeinschaftsunterkünfte werden zu temporären Nachbarschaftszentren, in denen Workshops, kulturelle Veranstaltungen und unterschiedliche Begegnungsformate stattfinden. Dadurch sollen Menschen über gemeinsame Interessen, Hobbys und Erlebnisse zusammengebracht, Vorurteile abgebaut und die demokratische Teilhabe gestärkt werden.
Das Konzept unterscheidet sich von klassischen Integrationsmaßnahmen, da es nicht auf einseitige Unterstützung ausgerichtet ist. Stattdessen sollen alle im Kiez aktiv in die Gestaltung eingebunden werden. So entsteht ein Identitätswandel, bei dem der Fokus von Unterschieden hin zu Gemeinsamkeiten rückt und sich die soziale Wahrnehmung nachhaltig verändert.
Marzahn als Testfeld: Wie das erste „Little Social Festivals“ bewertet wurde
Das erste Pilotfestival fand am 1. Oktober 2025 in der Gemeinschaftsunterkunft Wittenberger Straße in Marzahn-Nord statt. Dabei wurde erprobt, wie Planungszeiträume, Zielgruppenerreichung und personelle Ressourcen in der Praxis funktionieren. Aus den gewonnenen Erkenntnissen soll ein Modell entstehen, das an weiteren Standorten und in anderen Städten eingesetzt werden kann.
Die Festivals setzen zudem auf eine langfristige Evaluation. Quantitative Indikatoren erfassen Reichweite und Nachhaltigkeit, während qualitative Indikatoren die Tiefe der Begegnungen dokumentieren. Dabei wird unter anderem geprüft, ob neue Freundschaften entstehen, Bürgerinitiativen gegründet werden oder sich die Wahrnehmung von Vielfalt im Stadtteil verändert.
Lokale Kooperation im Kiez: Bedeutung für die „Little Social Festivals“
Ein zentraler Bestandteil der „Little Social Festivals“ sind Partnerschaften im Kiez. Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, Verwaltung und politischen Akteuren sollen den Projekten Gewicht verleihen und deren langfristige Verankerung im Kiez sichern. Darüber hinaus sollen positive Alltagserlebnisse sichtbar gemacht werden, die ein Gegengewicht zu Hassbotschaften und Falschnachrichten bilden.
Die Festivals fördern damit nicht nur Integration, sondern auch demokratisches Engagement im direkten Lebensumfeld. Sie leisten einen Beitrag dazu, dass Vielfalt als Alltagserfahrung sichtbar wird und in den Kiezen langfristig Bestand hat.
Quellen: EUREF Campus, Tamaja
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4 Kommentare
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Little Sozial Festivals sollen Integration fördern… Aha. In welche Kultur soll integriert werden? In eine englische oder in eine deutsche? Falls letzteres der Fall sein sollte, warum dann ein englischer und kein deutscher Name für diese Kietzfeste? Dummheit und Blödheit (Anbiederung ans Englische und Verleugnung des Eigenen) im heutigen Deutschland ohne Ende .. egal, wohin man schaut!
Accessoire, Abonnement, Chauffeur, Feuilleton, Friseur, Portemonnaie, Restaurant, Café …. Merken Sie selbst, oder?
Sprache ist und bleibt im Wandel, man hat schon immer Begriffe aus anderen Sprachen verwendet, das hat nichts mit „Verleugnung des Eigenen“ zu tun. Früher oft französisch, heute eben oft Englisch. Who cares?!
Accessoire, Abonnement, Chauffeur, Feuilleton, Friseur, Portemonnaie, Restaurant, Café..sind Worte und Begriffe, die in Frankreich entstanden (für neue Phänomene erfunden) und in den deutschen Sprachgebrauch übernommen wurden. So wie das Wort Kindergarten den umgekehrten Weg gegangen ist. Soweit so gut.
Little Sozial Festival ist dagegen keine englische Erfindung. Noch vor wenigen Jahren hätte man da bei uns ganz simpel von „Nachbarschaftsfest“ oder in Berlin eben von „Kiezfest“ gesprochen.. Ganz normal, ganz einfach.
Aber im heutigen Deutschland, besonders im heutigen Berlin, gilt man ja mittlerweile als piefig, hinterwäldlerisch und rechts, wenn man sich der Anbiederung an die englische Sprache verweigert. Wer modern und weltoffen erscheinen möchte, der kommt mit der eigenen Sprache nicht mehr weit.
In meinen Augen und nach meinem Empfinden ist das Verweigern und Verleugnen der eigenen Sprache und das Anbiedern ans Englische Ausdruck gefühlter Minderwertigkeit und mangelnden Selbstbewußtseins… und insofern regelrecht eklig und unattraktiv.
Natürlich kann es sich bei der unreflektierten Ablehnung der eigenen Sprache auch um schlichte Schafsköpfigkeit handeln. Nach dem Motto: der Zeitgeist ist halt so, dann bin ich es auch. Aber im Ergebnis ist beides Ausdruck von Dummheit und Blödheit, d.h. Ausdruck geringer Selbstachtung und geringen Selbstbewußtseins.
Und das ist nun mal eklig und unattraktiv. Merken Sie – hoffentlich – selbst, oder?
Kiezfeste… meinte ich natürlich