Berlin hat seine erste neue U-Bahn-Generation seit zehn Jahren in Betrieb genommen. Auf der Linie U2 startete der erste Zug der Baureihe JK, weitere Fahrzeuge folgen bis Jahresende. Die BVG verspricht damit mehr Stabilität im Betrieb, doch die Erneuerung der Flotte ist ein Mammutprojekt, das Berlin noch lange beschäftigen wird.

Die neuen U-Bahnzüge der Baureihe JK sind ab sofort im Berliner Netz unterwegs. Sie wurden vom Hersteller Stadler in Pankow produziert und kommen zunächst auf der Linie U2 zum Einsatz. Mit moderner Technik, mehr Platz und einem überarbeiteten Design sollen sie die Flotte der BVG Schritt für Schritt erneuern. / © Foto: Wikimedia Commons, Falk2, CC BY-SA 4.0
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Am Montagmorgen ging auf der Linie U2 der erste Zug der neuen Baureihe JK in Betrieb. Es ist die erste größere Fahrzeugneueinführung der BVG seit einem Jahrzehnt. Bis Ende 2025 sollen bis zu 140 Wagen in den Betrieb übernommen werden. Sie ersetzen ältere Züge und sollen die Stabilität im U-Bahnverkehr verbessern.
Die Premierenfahrt begann am Bahnhof Deutsche Oper, begleitet von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner sowie den Senatorinnen Franziska Giffey und Ute Bonde. Auch BVG-Chef Henrik Falk nahm teil. Vertreter des Herstellers Stadler betonten die jahrelange Zusammenarbeit und den Meilenstein für die Berliner U-Bahn.
Neue U-Bahn-Züge für Berlin: Mehr Komfort auf den Linien U1 bis U4
Die JK-Züge sind für die schmaleren Linien U1 bis U4 konzipiert. Sie bieten acht Sitzplätze mehr als ihre Vorgänger und setzen auf ein überarbeitetes Raumkonzept. Laut Fachleuten sorgen eine neue Luftfederung und ein entkoppeltes Fahrwerk für eine leisere und ruhigere Fahrt.
BVG-Mitarbeitende erklärten, dass die neuen Fahrzeuge spürbar mehr Platz und Komfort böten. Informationssysteme sind in die Seitenwände integriert, die Beleuchtung passt sich der Tageszeit an. Eine Klimaanlage fehlt jedoch weiterhin im Fahrgastbereich, was auch auf Kritik stößt.
BVG investiert drei Milliarden Euro in die größte U-Bahn-Flottenerneuerung Berlins
Die BVG setzt auf die Strategie „Stabilität vor Wachstum“. Damit will sie wieder eine Zuverlässigkeit von 99 Prozent im U-Bahnverkehr erreichen. Um dieses Ziel umzusetzen, investiert Berlin in großem Umfang in neue Fahrzeuge. Ein Rahmenvertrag mit dem Hersteller Stadler sieht die Lieferung von bis zu 1.500 Wagen bis 2035 vor.
Bereits jetzt umfasst die laufende Bestellung 484 Fahrzeuge, 140 für das Kleinprofil und 344 für das Großprofil. Insgesamt handelt es sich um die größte Flotteninvestition in der Geschichte der BVG, mit einem Volumen von rund drei Milliarden Euro. Finanziert wird das Programm durch das Land Berlin im Rahmen des bestehenden Verkehrsvertrags.
Neue U-Bahnzüge entlasten die U3: alte BVG-Baureihen werden ausgemustert
Mit der Inbetriebnahme der JK-Züge auf der U2 werden auch andere Strecken entlastet. Ältere Fahrzeuge können auf die stark frequentierte U3 umgesetzt werden. Dort sollen die Züge bald von sechs auf acht Wagen verlängert werden, um mehr Fahrgäste zu befördern.
Andere ältere Modelle, darunter der Typ A3L92, werden dagegen ausgemustert. BVG-Fahrzeugchef Stefan Kärgel erklärte, dass sich deren Instandsetzung nicht mehr lohne. Damit beginnt auch die schrittweise Verjüngung der gesamten Flotte, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
BVG testet neue J-Baureihe für Großprofillinien: Start im Sommer 2026 geplant
Während die JK-Baureihe nun in den Fahrgastbetrieb geht, laufen Tests für die breitere J-Baureihe, die auf den Linien U5 bis U9 fahren wird. Diese Fahrzeuge sollen im Sommer 2026 starten. Für die BVG bedeutet die Einflottung der neuen Züge eine enorme logistische Herausforderung, da parallel Schulungen für Fahrpersonal und Werkstätten laufen.
Die Senatsverwaltung betonte, dass die Investition notwendig sei, um die wachsende Nachfrage im Berliner Nahverkehr langfristig zu bewältigen. Klar ist: Die neuen Fahrzeuge werden das Bild der Berliner U-Bahn über Jahrzehnte prägen.
Quellen: BVG, Berliner Zeitung, Berliner Morgenpost
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