Am 23. August 2025 wird ein neues Straßenschild das Stadtbild Berlins verändern: Die Mohrenstraße in Mitte erhält offiziell den neuen Namen Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Mit dem Austausch der Schilder endet ein jahrelanger Streit um einen als rassistisch empfundenen Straßennamen und ein neuer Abschnitt erinnerungspolitischer Stadtgestaltung beginnt.

Die Auseinandersetzung um die Mohrenstraße hatte in den vergangenen Jahren überregional Aufmerksamkeit erregt. Bürgerinitiativen, Anwohnende und politische Gruppen diskutierten wiederholt über die Bedeutung des Straßennamens und mögliche Alternativen. / © Foto: Wikimedia Commons, Orderinchaos, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: IMAGO / Steinach
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In Berlin-Mitte werden am 22. August 2025 die neuen Straßenschilder montiert: Die Mohrenstraße erhält einen neuen Namen und heißt künftig Anton-Wilhelm-Amo-Straße. Einen Tag später wird der Wechsel öffentlich mit einer feierlichen Enthüllung auf Höhe des Hausvogteiplatzes begangen. Damit setzt das Bezirksamt Mitte eine lang diskutierte Umbenennung um, die in den vergangenen Jahren sowohl juristisch als auch gesellschaftlich intensiv verhandelt wurde.
Der Begriff „Mohr“ stand lange in der Kritik. Besonders afrodeutsche Organisationen forderten seit Jahren eine Umbenennung, da der Begriff als rassistisch und kolonialistisch gilt. Bereits 2020 hatte die Bezirksverordnetenversammlung von Mitte die Umbenennung beschlossen, die nun, nach Abschluss aller juristischen Verfahren, rechtskräftig wird.
Rechtskräftige Entscheidung ebnet Weg für die Anton-Wilhelm-Amo-Straße
Der offiziellen Umbenennung in Anton-Wilhelm-Amo-Straße ging ein mehrjähriger Rechtsstreit voraus. Nach einem langwierigen Verfahren bestätigte das Bezirksamt Mitte die rechtliche Grundlage der Maßnahme. Mit Beschluss vom 8. Juli 2025 wies das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine Berufungsklage endgültig ab und bekräftigte damit die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin aus dem Jahr 2023. Nun ist das Urteil rechtskräftig.
Benannt wird die Straße nach dem ghanaisch-deutschen Philosophen Anton Wilhelm Amo. Er lehrte im 18. Jahrhundert an deutschen Universitäten und gilt als erster Schwarzer Hochschullehrer in Deutschland.
Symbolischer Protest: Aktivistinnen und Aktivisten tauschten Straßenschilder eigenmächtig aus
Ab dem 15. September können Anwohnende ihre Ausweisdokumente gebührenfrei im Bürgeramt Klosterstraße ändern lassen. Auch eine Adressänderung in Fahrzeugpapieren ist kostenlos. Zudem enfällt die Terminbuchung, ein persönliches Erscheinen genügt. Vorerst bleiben die alten Straßenschilder mit der Aufschrift „Mohrenstraße“ für sechs Monate unterhalb der neuen, rot durchgestrichen sichtbar, um die Orientierung vor Ort zu erleichtern.
Die Debatte um die Mohrenstraße hat in den vergangenen Jahren weit über Berlin hinaus Aufmerksamkeit erzeugt. Zivilgesellschaftliche Gruppen wie Each One Teach One oder der Afrika-Rat hatten bereits seit 2004 eine Umbenennung gefordert. Zwischenzeitlich tauschten Aktivistinnen und Aktivisten die Straßenschilder symbolisch aus, ein nicht autorisierter Schritt, der dennoch die Dringlichkeit des Themas betonte.
Straßennamen als Spiegel gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse in Berlin
Die Auseinandersetzung um die Mohrenstraße steht exemplarisch für den gesellschaftlichen Umgang mit kolonialen Spuren im Berliner Stadtraum. Zudem zeigt der Fall, wie komplex und langwierig erinnerungspolitische Entscheidungen sein können und wie sehr sie mit gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen verknüpft sind.
Mit der neuen Anton-Wilhelm-Amo-Straße wird nicht nur ein historisch belasteter Begriff ersetzt. Vielmehr erhält eine bislang marginalisierte Persönlichkeit Raum im Berliner Stadtbild, als Zeichen für gesellschaftlichen Wandel.
Quellen: Bezirksamt Mitte
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