Berlin plant neue Wege beim Bäderbau: Sechs Projekte zeigen Ideen für modulare Hallen, Quartiersbäder und ganzjähriges Schwimmen.
100-Meter-Schwimmbecken im Tilla-Durieux-Park
Sommerbad Olympiastadion
Holzmarkt 51
Kombibad am Kienberg
Stadtbad Tiergarten
Fluss Bad Berlin
© Titelbild / Visualisierung: Eller + Eller
Berlin braucht zusätzliche Schwimmflächen. Doch neue Angebote müssen nicht immer wie klassische Hallen- oder Freibäder aussehen. Aktuelle Projekte und Ideen verbinden Schwimmen mit Stadtentwicklung, Klimaanpassung und neuen Bauweisen.
Einige Konzepte befinden sich bereits in der Umsetzung, andere sind bislang freie Entwürfe oder politische Vorschläge. Sie zeigen dennoch, wie unterschiedlich Berlin seine Bäderlandschaft künftig erweitern könnte.
100-Meter-Schwimmbecken im Tilla-Durieux-Park am Potsdamer Platz

Visionäre Idee des Berliner Büros Kinzo: Im Sommer könnte das langgestreckte Becken zum zentralen Treffpunkt des Tilla-Durieux-Parks werden – ergänzt durch Liegewiesen, Sitzstufen und großzügige Aufenthaltsbereiche. / © Visualisierung: Kinzo Architekten
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Tilla-Durieux-Park, 10785 Berlin
- Projektstatus: freier Konzeptentwurf ohne offiziellen Planungsauftrag
- Besonderheiten: 100 Meter langes Außenbecken, Winterüberdachung, Sportflächen und neue Parkverbindung
Ein 100 Meter langes Schwimmbecken mitten am Potsdamer Platz: Mit dieser ungewöhnlichen Idee hat das Berliner Architekturbüro Kinzo eine Vision für die Zukunft des Tilla-Durieux-Parks entwickelt. Der Entwurf sieht vor, die langgestreckte Grünanlage mit einem schmalen Wasserkanal zu ergänzen, der von Holzdecks, Liegeflächen und Sitzstufen begleitet wird.
Das Konzept versteht das mögliche Bad jedoch nicht als isoliertes Schwimmangebot, sondern als Teil eines größeren Sport- und Freizeitparks mit Basketball- und Padelplätzen, Beachvolleyballfeldern, Calisthenics-Anlagen und Wasserspielen für Kinder. Ob und in welcher Form die Idee umgesetzt werden könnte, ist derzeit offen. Der Entwurf versteht sich ausdrücklich als Diskussionsbeitrag.
Sommerbad Olympiastadion: Mobile Überdachung für Ganzjahresnutzung

Die Visualisierung zeigt das Sommerbad Olympiastadion mit einer transparenten Überdachung, die einen ganzjährigen Badebetrieb ermöglichen könnte. / © Visualisierung: Lindner Planungsbüro
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Olympischer Platz 5, 14053 Berlin
- Projektstatus: Konzeptvorschlag; keine Umsetzung beschlossen
- Besonderheiten: Auffahrbare Leichtbaukonstruktion, ETFE-Luftkissen und möglicher Winterbetrieb
Das Lindner Planungsbüro schlug im vergangenen Jahr vor, das denkmalgeschützte Sommerbad am Olympiastadion mit einem mobilen Dach zu versehen. Eine modulare Stahlträgerkonstruktion mit doppellagigen ETFE-Luftkissen könnte das Becken überspannen.
Das Dach wäre auffahrbar: Im Sommer könnte das Bad seinen offenen Charakter behalten, während die Konstruktion in der kalten Jahreszeit einen wettergeschützten Betrieb ermöglichen würde. Nach Angaben des Planungsbüros soll die Spannweite mehr als 40 Meter betragen. Das Büro bezifferte allein die vorgeschlagene Dachkonstruktion im Jahr 2025 auf rund 2,6 Millionen Euro.
Der Vorschlag trifft auf einen Standort mit erheblichem Sanierungsbedarf. Große Teile der historischen Tribünen sind wegen statischer Schäden gesperrt und seit 2021 durch Gerüste und Wetterschutzdächer gesichert. Das ungeprüfte Bedarfsprogramm des Landes sieht einen teilweisen Rückbau und eine Wiederherstellung innerhalb der ursprünglichen Kubatur vor.
„Holzmarkt 51“: Schwimmhalle als Teil eines neuen Stadtquartiers

Am Standort Holzmarktstraße 51 in Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg entsteht bis Anfang der 2030er-Jahre ein gemischt genutztes Quartier mit Schwimmhalle, Wohn- und Gewerbeflächen. / © Visualisierung Eller + Eller
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Holzmarktstraße 51, 10243 Berlin
- Projektstatus: Bestandsabriss läuft; Neubau in Vorbereitung
- Besonderheiten: Öffentliches Schwimmbad, Studentenapartments, Büros, Einzelhandel und begrünte Dächer
An der Holzmarktstraße entsteht kein freistehendes Bad, sondern eine Schwimmhalle innerhalb eines gemischt genutzten Quartiers. Seit Juli 2026 läuft der Rückbau des alten Gebäudes. Die neue öffentliche Schwimmhalle soll später den zentralen Bestandteil des Projekts „Holzmarkt 51“ bilden.
Neben dem Bad plant die landeseigene Berlinovo rund 375 Apartments für Studierende, etwa 4.600 Quadratmeter Bürofläche und rund 1.500 Quadratmeter Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss. Begrünte Dachbereiche und gestaltete Innenhöfe sollen das Ensemble ergänzen. Das Quartier „Holzmarkt 51“ mit neuer Schwimmhalle verbindet damit Sportinfrastruktur mit Wohnen, Arbeiten und Versorgung auf einem Grundstück.
„Kombibad am Kienberg“: Modulares Schwimmbad für Marzahn

Das Beispiel aus Stuttgart zeigt, wie ein modulares Kombibad am Kienberg in Marzahn aussehen könnte: klarer Baukörper, moderne Fassade und große Fensterflächen. / © Foto: POOL out of the BOX / Joachim Maier
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Jelena-Šantić-Friedenspark am Kienberg
- Projektstatus: Planung und Vorbereitung der Ausschreibung
- Besonderheiten: mögliche Modulbauweise
Am Kienberg soll Marzahn-Hellersdorf ein neues Kombibad erhalten. Vorgesehen sind ein 25 Meter langes Sportbecken mit sechs Bahnen sowie ein Lehrschwimm- und Kursbecken. Ein Außenbecken, Liegeflächen und Gastronomie sollen das Angebot ergänzen.
Die Berliner Bäder-Betriebe untersuchen für den Neubau explizit auch modulare Bauweisen. Als Referenz dient unter anderem das System „POOL out of the BOX“, bei dem große Teile eines Hallenbads in Holzmodulbauweise vorgefertigt werden können.
Stadtbad Tiergarten: Hallenbad und Freibad können getrennt arbeiten

Eine Visualisierung zeigt den geplanten Außenbereich des Stadtbads Tiergarten mit Liegewiese, Terrasse und 25-Meter-Becken. / © Visualisierung: Studio Gollwitzer Architekten
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Seydlitzstraße 7, 10557 Berlin
- Projektstatus: Im Bau
- Besonderheiten: Autark nutzbares Außenbecken, Kinderbereich und Solarthermie
Das Stadtbad Tiergarten erhält ein 25 Meter langes Außenbecken, eine Kinderplansche und ein eigenes Umkleidegebäude. Das neue Freibadareal grenzt direkt an die 2024 wiedereröffnete Schwimmhalle. Es kann mit dem Hallenbad verbunden, aber auch unabhängig davon betrieben werden.
Diese Trennung macht das Projekt nach Angaben der Berliner Bäder-Betriebe zu einem Pilotvorhaben. Der Betreiber kann den Außenbereich öffnen, ohne zwingend die gesamte Halle in Betrieb nehmen zu müssen.
„Fluss Bad Berlin“: Schwimmen im Spreekanal mit digitaler Wasserprognose

Die Vision, im Spreekanal schwimmen zu können, möchte der Flussbad Berlin e.V. seit etwa einem Jahrzehnt umsetzen. Ein neues Gutachten könnte dieses Vorhaben nun ausbremsen. / © Visualisierung: Flussbad Berlin e.V., realities:united
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Spreekanal zwischen Fischerinsel und Museumsinsel
- Projektstatus: langfristiges Stadtentwicklungsprojekt
- Besonderheiten: Flussbad, Schwimmpontons, Prognosesystem und spätere Wasserfilterung
Beim „Fluss Bad Berlin“ soll kein künstliches Becken entstehen. Stattdessen wollen die Initiatoren Teile des etwa 1,9 Kilometer langen Spreekanals wieder zugänglich machen. Den ersten Schritt soll eine begrenzte Pilotbadestelle mit Stegen und Schwimmpontons bilden. Weil sich die Wasserqualität nach Regenfällen verändern kann, soll ein Prognosesystem den Zugang nur dann freigeben, wenn Messwerte und Berechnungen sicheres Baden erwarten lassen. Das Wasser bleibt in dieser ersten Phase unbehandelt.
Später soll der nutzbare Schwimmbereich schrittweise auf rund 800 Meter wachsen. Geplant sind technische Systeme zur Wasserreinhaltung, eine aktive Filteranlage und weitere Aufenthaltsbereiche am Wasser. An der Fischerinsel sollen zudem Flachwasserzonen für Pflanzen und Tiere entstehen. Das Land Berlin unterstützt die Entwicklung des Projekts seit 2015 und wies 2019 das Stadtumbaugebiet „Umfeld Spreekanal“ aus. Trotzdem bestehen weiterhin offene planungsrechtliche, wasserrechtliche und hygienische Fragen. Ein verbindlicher Eröffnungstermin für das Flussbad liegt nicht vor.
Berlins Schwimmbad-Projekte verfolgen sehr unterschiedliche Ansätze
Die sechs Vorhaben befinden sich in völlig verschiedenen Phasen. Am Stadtbad Tiergarten laufen die Bauarbeiten bereits, während sich das Kombibad am Kienberg in der Planung befindet. „Holzmarkt 51“ verbindet eine neue Schwimmhalle mit einem größeren Quartiersprojekt. Das „Fluss Bad Berlin“ verfolgt dagegen einen langfristigen Ansatz, der Gewässerschutz, öffentlichen Raum und Baden zusammenführt.
Die Entwürfe für den Tilla-Durieux-Park und das Sommerbad Olympiastadion besitzen bislang keinen verbindlichen Planungsstatus. Sie liefern jedoch konkrete Vorschläge für ein Problem, das Berlin noch länger beschäftigen dürfte: Wie kann die Stadt zusätzliche Schwimmflächen schaffen, ohne an jedem Standort ein herkömmliches Hallenbad zu errichten? Mobile Dächer, modulare Bauweisen, gemischte Quartiere und neue Zugänge zum Wasser erweitern zumindest die Auswahl möglicher Lösungen.
Quellen: Berliner Bäder-Betriebe; Senatsverwaltung für Inneres und Sport; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf; Berlinovo; Kinzo Architekten; Lindner Planungsbüro; Fluss Bad Berlin; Arena Berlin
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Zum Potsdamer Platz: Haben die Architekten sich einmal Gedanken um die Tragfähigkeit der S-Bahn-Tunnelwände unterhalb des Schwimmbeckens gemacht bevor sie den Berlinern solche Vision vorgaukeln? Zum Flussbad im Spreekanal: Hier setzen sich selbst einige Politiker, die noch immer dieses Projekt verwirklichen wollen, über die Warnungen der Gesundheitsbehörde vor Erkrankungen hinweg, ebenso über die Verbote der Senatorin für Klima und Umwelt. Diese Politiker und Politikerinnen sind super Vorbilder, die dann aber die Befolgung von Gesetzen von uns fordern.
Tja und dann lassen sie die tollen Konzeptbäder genau so verrotten wie alle anderen Bäder in Berlin, oder stellen fest: ups kein Geld für die Sanierung. Siehe Kombibad Mariendorf. Oder das Bad in Gropiusstadt…