Die Strecke für die neue Berliner S-Bahn-Linie S15 ist eigentlich fertig gebaut, die Testfahrten waren erfolgreich, doch sie fährt weiterhin nicht. Probleme am neuen, temporären Bahnhof und bei der Stromversorgung verzögern die Inbetriebnahme erneut.

Bislang gibt es nur eine Visualisierung vom neuen Bahnhof: Wieder eine Verschiebung, wieder kein Termin. Die S15 kommt einfach nicht in Fahrt. Ausgerechnet Stromversorgung und Bahnhofstechnik sorgen für neue Verzögerungen. / © Visualisierung: DB InfraGO AG
© Titelbild: DB InfraGO AG
Die neue S-Bahn-Linie S15 soll künftig den Berliner Hauptbahnhof mit dem Nordring verbinden und gilt als wichtiger Baustein für den Ausbau des innerstädtischen Schienenverkehrs – eigentlich.
Doch das Projekt, das Teil der übergeordneten Nord-Süd-Verbindung S21 ist, kommt seit Jahren nur schleppend voran. Ein weiteres Mal verschiebt sich nun die geplante Inbetriebnahme. Fast konnte man damit rechnen.
Eröffnung der S15 weiter ungewiss: Ein neuer Termin wurde nicht genannt
Zuletzt war die Aufnahme des Betriebs für das Frühjahr 2026 vorgesehen, ganz konkret für den 30. März. Doch dieser Termin wurde kurz vor Beginn des Regelbetriebs erneut verschoben.
Die Deutsche Bahn verweist darauf, dass wesentliche Prüf- und Abnahmeprozesse noch nicht abgeschlossen seien. Damit bleibt offen, wann die ersten Züge tatsächlich zwischen Gesundbrunnen und Hauptbahnhof verkehren werden.
Neue S-Bahnlinie S15: Der Bahnhof selbst ist das Problem
Die Gründe für die zigste Verschiebung des Eröffnungstermins sind diesmal klar benennbar: Es hakt am Bahnhof selbst und an der Energieversorgung. Ein zentrales Problem liegt im neuen S-Bahnsteig am Berliner Hauptbahnhof.
Zwar ist die bauliche Anlage weitgehend fertiggestellt, doch einzelne technische Systeme sind noch nicht vollständig abgenommen. Dazu zählen unter anderem sicherheitsrelevante Einrichtungen im Bahnhofsbetrieb, die für den Fahrgastverkehr zwingend erforderlich sind.
Prüfung abgebrochen: Bahnhof am Hauptbahnhof noch nicht vollständig betriebsbereit
Solange diese Abnahmen nicht abgeschlossen sind, kann der Bahnhof nicht in Betrieb gehen, unabhängig davon, wie weit die übrige Strecke bereits ist.
Hinzu kommen Probleme bei der elektrischen Infrastruktur. Konkret geht es um die Stromversorgung der Strecke sowie um die Absicherung durch Notstromsysteme. Diese müssen im Störungsfall zuverlässig funktionieren und unterliegen daher besonders strengen Prüfverfahren.
Stromversorgung und Notstromsysteme verzögern Freigabe der Strecke für die S15
Nach Angaben der Deutschen Bahn sind genau diese Systeme noch nicht vollständig freigegeben. Erst wenn alle Tests erfolgreich abgeschlossen sind, darf der reguläre Betrieb starten. Vor allem die Notstromversorgung, die im Falle eines Stromausfalls greifen soll, sei bislang nicht technisch abgenommen.
Während der Prüfung seien aufgrund komplexer Regelungen zusätzliche fachliche Abstimmungen erforderlich geworden, sodass der Prozess abgebrochen wurde. Die Prüf- und Inbetriebsetzungsverfahren sollen nun neu angesetzt und personelle sowie materielle Ressourcen entsprechend angepasst werden, so die Bahn.
Die neue Strecke der S15 ist eigentlich betriebsbereit, doch der temporäre Bahnhof ist es noch nicht
Immerhin: Nach Angaben der Deutschen Bahn sind sowohl die neue Strecke als auch der vollständig ausgestattete Interimsbahnsteig am Berliner Hauptbahnhof grundsätzlich betriebsbereit. Damit seien wesentliche Meilensteine erreicht.
Auch die Abnahmefahrten hätten gezeigt, dass die baulichen und technischen Voraussetzungen für einen sicheren Betrieb zwischen Gesundbrunnen, Wedding und Hauptbahnhof vorliegen. Nun bleibt das Thema Stromversorgung, das die Freigabe der Strecke wieder einmal verzögert.
Berlinerinnen und Berliner dürften die Nachricht von der erneuten Verschiebung des Eröffnungstermins mit Schulterzucken hingenommen haben, eine Werbung für die Zuverlässigkeit der Deutschen Bahn ist die Nachricht natürlich nicht.
Quellen: Berliner Morgenpost, Der Tagesspiegel, Deutsche Bahn AG, DB InfraGO AG
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10 Kommentare
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täglich schäme ich mich mehr für dieses Land
Täglich mehr schäme ich mich über Kommentare wie dieser. Wahrscheinlich sind Sie auch einer von Denen die sich als „Patrioten“ bezeichnen aber selbst nichts auf die Kette kriegen. Im Leben versagt, aber anderen in die Schuhe schieben.
Wozu werden die Fachidi…. bezahlt, wenn sie nicht mal wissen was alles für ein Abnahme bzw Prüfung notwendig ist.
Völlig unverständlich.
Das ganze ist die unsägliche Juristerei, wenn jedes Gewerk und jeder involvierte Partei ausschließen möchte, irgendwann bei einem Problem mal haftbar gemacht zu werden. Dabei wird das Produkt vermutlich schon lange nicht mehr besser – mit fehlt der Glaube, dass dann nach dem ganzen Prozedere wirklich ein besser funktionierendes System am Start ist, als in weniger bürokratisierten Gesellschaften…
Sie treffen aus meiner Sicht den Nagel auf den Kopf, das System der vollständigen Absicherungsmentalität führt zum komplett Stillstand.
Einfach nur peinlich.
Ich finde es immer wieder lustig (und auch sehr traurig) dass man 4 Tage vor geplanter Inbetriebnahme merkt, dass so viel noch nicht geprüft wurde. Da frag ich mich ganz ehrlich was für inkompetente Mitarbeiter dieses Unternehmen besitzt
Das viel größere Projekt Dresdener Bahn hat die InfraGo pünktlich eröffnet, daher vermute ich hier auch einen guten Teil fehlende Priorität für die S15. Die eigentliche Frechheit ist, dass nicht offen so zu benennen, sondern immer wieder scheinbar willkürlich Termine zu benennen, die dann ohne Scharm gerissen werden.
Als Fahrgast warte ich lange schon dringend auf die Verbindung.
Es ist doch völlig unsinnig, überhaupt noch Termine zu benennen. Oder auf die Fertigstellung zu warten und dabei alt zu werden. Wenn in DE etwas tatsächlich fertig wird und ich es noch erlebe, dann freue ich mich.
Es handelt sich um die insgesamt neunte Verschiebung des Eröffnungstermins. Ich glaube jedoch, dass es in Wirklichkeit nur um die Kosten geht. Diese S-bahn hätte derzeit keinen verkehrlichen Nutzen, verursachte nur höhere Betriebskosten, ohne dass dem zusätzliche Einnahmen gegenüberstehen würden. Ich glaube, man will abwarten, bis 2029 die Siemensbahn eröffnet wird, denn erst dadurch schafft der Tunnel zum Hauptbahnhof dann eine wertvolle neue Verbindung. Die Bahn sollte das aber besser auch wahrheitsgemäß kommunizieren.