Das S-Bahn-Vergabeverfahren für Berlin und Brandenburg bleibt offen. Nach der Entscheidung der Vergabekammer prüft Alstom weitere Schritte vor dem Kammergericht.

Die Infografik zeigt die wichtigsten Kennzahlen zum Berliner S-Bahn-Vergabeverfahren. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
© Titelbild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
Das milliardenschwere Vergabeverfahren für den künftigen Betrieb großer Teile der Berliner S-Bahn bleibt weiter ohne Entscheidung. Stattdessen bleibt der Milliardenauftrag für Betrieb, neue Züge und Wartung weiter juristisch umstritten. Bis spätestens 26. Juni zeigt sich, ob Alstom gegen die Entscheidung der Vergabekammer vor das Kammergericht zieht.
Das seit 2020 laufende S-Bahn-Vergabeverfahren gehört zu den größten Nahverkehrsausschreibungen Europas. Berlin und Brandenburg wollen damit zentrale Teile des S-Bahn-Netzes neu ordnen. Hintergrund ist das Auslaufen bestehender Verkehrsverträge sowie die Beschaffung einer neuen Fahrzeuggeneration.
Betroffen sind die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd. Die Ringbahn gehört nicht zu diesem Verfahren. Der Auftrag umfasst den Fahrbetrieb auf mehreren Linien, die Lieferung neuer Fahrzeuge und deren Instandhaltung über drei Jahrzehnte.
S-Bahn-Vergabeverfahren: Milliardenauftrag mit langem Vorlauf
Ursprünglich sollte die Zuschlagsentscheidung deutlich früher fallen. Der VBB teilte jedoch bereits 2022 mit, dass die Betriebsaufnahme im Teilnetz Stadtbahn auf Juni 2029 und im Teilnetz Nord-Süd auf Juni 2030 rückt. Als Grund nannte der Verkehrsverbund geänderte infrastrukturelle Rahmenbedingungen, vor allem längere Zeitbedarfe für die Anbindung neuer Werkstätten an das S-Bahn-Netz. Schon damals war klar: Der Zeitplan im S-Bahn-Vergabeverfahren hält nicht.
Im Sommer 2025 zeichnete sich dann eine Entscheidung ab. Den Zuschlag sollte ein Konsortium aus Deutscher Bahn, Siemens und Stadler erhalten. Es soll mindestens 1.400 neue S-Bahn-Wagen liefern, die Fahrzeuge warten und den Betrieb auf den ausgeschriebenen Strecken übernehmen. Alstom, das ebenfalls ein Angebot für Beschaffung und Wartung abgegeben hatte, erhielt eine Absage und stellte anschließend einen Nachprüfungsantrag bei der Berliner Vergabekammer. Die Vergabekammer ist die erste Instanz für Nachprüfungsverfahren im Vergaberecht.

Die Infografik erklärt den Ablauf des „S-Bahn-Vergabeverfahrens“ in Berlin und Brandenburg. / © Grafik: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Alstom prüft nächsten Schritt im S-Bahn-Vergabeverfahren
Die Vergabekammer hat diesen Antrag nach Angaben der Verkehrsverwaltung vollständig zurückgewiesen. Damit sehen Berlin und Brandenburg ihr Vorgehen zunächst bestätigt. Alstom kann den Beschluss jedoch noch angreifen. Bis zum 26. Juni kann das Unternehmen sofortige Beschwerde beim Kammergericht einlegen. Ein Unternehmenssprecher erklärte laut Berliner Morgenpost, Alstom prüfe den Beschluss inhaltlich und behalte sich weitere juristische Schritte vor.
Für Fahrgäste bedeutet der Streit vor allem Unsicherheit beim Zeitplan. Neue Fahrzeuge, dichtere Takte und mögliche betriebliche Verbesserungen rücken nach hinten, wenn das S-Bahn-Vergabeverfahren erneut vor Gericht landet. Um den Übergang abzusichern, sollen bestehende beziehungsweise anschließende Verträge mit der S-Bahn Berlin GmbH die Zeit bis zum Start der neuen Fahrzeugverträge überbrücken.
S-Bahn-Streit: Verkehrssenatorin kritisiert Komplexität des Verfahrens
Verkehrssenatorin Ute Bonde kritisierte im Fachausschuss vor allem die Komplexität des Verfahrens – insbesondere, dass Betrieb, Fahrzeugbeschaffung, Wartung und Werkstätten in einem sehr komplexen Vergabeverfahren zusammengeführt wurden. Zugleich verwies sie darauf, dass Berlin in den kommenden zwei bis drei Jahrzehnten keine Fahrzeugbeschaffung dieser Größenordnung mehr erwarte. Erst in den 2050er-Jahren dürfte wieder ein ähnlich großer Ersatzbedarf entstehen.
Ob das Verfahren nun zügig abgeschlossen werden kann, hängt maßgeblich davon ab, ob Alstom den Rechtsweg weiter beschreitet.
Quellen: Berliner Morgenpost, rbb24, VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg
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