Ein neuer Vorschlag zur Nutzung des ehemaligen Flughafens Tempelhof sorgt für Diskussionen. Investor Reinhard Müller möchte auf dem Vorfeld eine Kongresshalle errichten, die außerhalb des Tempelhofer-Feld-Gesetzes liegt. Damit könnte Berlin eine Lücke in seiner Veranstaltungslandschaft schließen, doch Fragen zu Denkmalschutz und politischer Zustimmung bleiben.

Eine Visualisierung zeigt den Entwurf für das geplante Kongresszentrum am Flughafen Tempelhof. Durch eine großzügig verglaste Halle mit hohen Decken bewegen sich Besucherinnen und Besucher, während Rolltreppen in einen abgesenkten Bereich führen. / © Visualisierung: EUREF AG
© Visualisierungen: EUREF AG
Auf dem asphaltierten Vorfeld des ehemaligen Flughafens Tempelhof könnte ein neues Kongresszentrum entstehen. Der Berliner Investor Reinhard Müller, bekannt durch die Entwicklung des EUREF-Campus am Schöneberger Gasometer, schlägt eine weitgehend im Boden versenkte Halle für bis zu 10.000 Besucherinnen und Besucher vor. Damit reagiert er auf den seit Jahren bestehenden Mangel an großen Veranstaltungsflächen in Berlin.
Das geplante Gebäude soll nur eine Etage aus dem Boden ragen und gläserne Fassaden erhalten. Der Zugang soll über das historische Terminalgebäude erfolgen. Besuchende würden die Empfangshalle am Platz der Luftbrücke durchqueren und die neue Halle über einen Tunnel erreichen. Nach Müllers Vorstellung könnten auch technische Anlagen integriert werden, die für Konzerte auf dem Tempelhofer Feld genutzt werden.
Kongresszentrum in Tempelhof soll fehlende Großflächen ersetzen und neue Konzertmöglichkeiten schaffen
Seit der Schließung des Internationalen Congress Centrums (ICC) vor zehn Jahren fehlt Berlin eine Fläche für Großkongresse. Müller argumentiert gegenüber der Berliner Morgenpost, die Stadt habe dadurch den Anschluss im internationalen Wettbewerb verloren. Ein neues Zentrum am Tempelhofer Feld könnte diese Lücke schließen. Die Kosten werden auf rund 100 Millionen Euro geschätzt und sollen nach Angaben des Investors ausschließlich privat finanziert werden.
Neben Kongressen sollen die technischen Anlagen auch Großkonzerte ermöglichen. Damit reagiert Müller auf ein weiteres Defizit: Für Veranstaltungen mit mehr als 50.000 Gästen steht derzeit nur das Olympiastadion zur Verfügung, das jedoch nur begrenzt nutzbar ist. Ein Kongresszentrum in Tempelhof könnte also zwei Bedarfe gleichzeitig decken, wie die Berliner Morgenpost mitteilt.
Müllers Plan: Kongresshalle auf dem Vorfeld von Tempelhof und Erfahrungen mit historischen Bauten
Der Vorschlag ist auch deshalb brisant, weil das Tempelhofer-Feld-Gesetz von 2014 eine Bebauung des Rollfelds verbietet. Müllers Plan sieht die Kongresshalle jedoch auf dem asphaltierten Vorfeld vor, das nicht unter dieses Gesetz fällt. Damit wäre das Projekt rechtlich möglich. Zudem soll die geringe Bauhöhe den Blick auf das denkmalgeschützte Flughafengebäude kaum beeinträchtigen.
Müller verweist auf seine Erfahrungen im Umgang mit historischen Bauten. Auf dem EUREF-Campus ließ er das Bürogebäude der Deutschen Bahn im Stahlgerüst des Gasometers errichten. Auch dort entstand ein Convention-Center, das allerdings nur 1.000 Menschen Platz bietet. Die Halle in Tempelhof würde diese Kapazität verzehnfachen.
Reduzierter Plan für Kongresszentrum in Tempelhof stößt auf vorsichtige Zustimmung, weitere Prüfungen stehen aus
Mit dem neuen Vorschlag reagiert Müller auf die ablehnende Haltung des Senats gegenüber einem früheren Konzept, das auch Messehallen und Büronutzungen vorsah. Damals war die Sorge groß, dass die Messegesellschaft in Westend geschwächt würde. Nun liegt ein reduzierter Plan vor, der auf ein einzelnes Kongresszentrum fokussiert.
Politische Stimmen reagierten vorsichtig positiv. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey und Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler signalisierten Gesprächsbereitschaft. Ob der Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden kann, hängt jedoch von weiteren Prüfungen, dem Denkmalschutz und einer möglichen öffentlichen Debatte ab. Tempelhof bleibt damit ein zentraler Schauplatz der Berliner Stadtentwicklung.

Das Kongress- und Veranstaltungszentrum soll für bis zu 10.000 Menschen entstehen und Fläche bieten. / © Visualisierung: EUREF AG
Quellen: EUREF AG, Berliner Morgenpost, Messe Berlin, Tempelhof Projekt GmbH
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Diesen Ansatz finde ich nach wie vor gut. Kann jetzt jeder davon halten, was er oder sie will, aber verdammt nochmal es muss jetzt etwas passieren!
Es gibt jnun über die Jahre mindestens vier, fünf Konzepte. Da muss doch endlich eine Frucht dabei sein! Sperrt alle maßgebebenen Architekten und Entscheider ein Wochenende in die Hangars ein und am Montag Morgen danach muss weißer Rauch aufsteigen!
Wie auch immer, eins ist jedoch klar: Die 100 Mio. sind ein kein kleiner schlechter Witz! Was wurde denn geraucht, als man auf diese Zahl kam?
Will man etwa noch einmal Elbphilharmonie oder BER spielen? So, langsam müßten doch nun mal alle von solchem Zahlenblödsinn geheilt sein. Denn die Summe würden sie schon verbraten, wenn sie nur Hangar 6 für ein Technikmuseum inklusive Vorflächedisplays ausbauen würden.
Aber ja, immer wieder Renderings in die Arena werfen, ist tausendmal besser als Däumchen drehen. Es kann ja nicht ewig so weitergehen.