Am Wernerbad in Kaulsdorf stocken die Verhandlungen über die Neubebauung. Hohe Baukosten und eine nicht tragfähige Miete bremsen das Projekt.
Wernerbad
© Titelbild: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold (44 penguins), CC BY-SA 2.0
Das Wernerbad in Kaulsdorf steht seit mehr als zwei Jahrzehnten leer. Auf dem Gelände soll eine stationäre Pflegeeinrichtung entstehen. Doch die Verhandlungen zwischen den Beteiligten kommen nicht voran. Eine aktuelle Antwort des Berliner Senats zeigt, woran das Projekt derzeit scheitert und welche Fragen weiterhin offen sind.
- Bezirk: Marzahn-Hellersdorf
- Adresse: Ridbacher Straße 44, 12621 Berlin
- Projektstatus: Verhandlungen und interne wirtschaftliche Prüfung
- Geplante Nutzung: Stationäre Pflegeeinrichtung
- Geplante Kapazität: 160 Pflegeplätze
Am ehemaligen Wernerbad soll weiterhin eine stationäre Pflegeeinrichtung entstehen. Die landeseigene Berlinovo erarbeitete dafür im September 2025 ein Eckpunktepapier. Es berücksichtigt nach Angaben des Senats sowohl die Vorgaben aus dem Grundstückskaufvertrag als auch den festgesetzten Bebauungsplan. Vorgesehen sind 113 vollstationäre Pflegeplätze, 31 Plätze für die Kurzzeitpflege und 16 Plätze für die Tagespflege. Insgesamt umfasst das Konzept damit 160 Plätze.
Im ersten Quartal 2026 trafen sich Berlinovo, Vertreter des Senats und der mögliche Betreiber Vivantes zu zwei Gesprächen. Dabei konnten sie die wirtschaftlichen Differenzen jedoch nicht ausräumen. Strittig sind neben den hohen Baukosten vor allem die Bedingungen, nach denen Berlinovo die Investitionskosten in eine jährliche Miete umrechnen will. Der Senat bewertete die bisher kalkulierte Jahresmiete als nicht tragfähig.
Wernerbad-Verhandlungen scheitern bislang an den Kosten
Nach Einschätzung des Senats würden die geplanten Baukosten zu deutlich höheren Pflegeplatzkosten führen als bei vergleichbaren Neubauten. Grund dafür ist die kalkulierte Miete, die der Betreiber an die Berlinovo zahlen müsste. Hinzu kommen Investitionen für die Ausstattung der Einrichtung. Insgesamt könnten dadurch Mehrkosten von mehr als 1.000 Euro pro Pflegeplatz und Monat entstehen. Diese müssten entweder die Bewohnerinnen und Bewohner selbst oder – wenn sie die Kosten nicht tragen können – das Land Berlin als Sozialhilfeträger übernehmen. Aus Sicht des Senats wäre das wirtschaftlich nicht tragbar.
Trotz der offenen Finanzierungsfragen hält das Land an dem Pflegeprojekt fest. Alternativen für das Wernerbad-Gelände stehen derzeit nicht zur Diskussion. Der Senat verweist auf den wachsenden Bedarf in Marzahn-Hellersdorf. Besonders Plätze für die Kurzzeitpflege würden wegen der demografischen Entwicklung dringend gebraucht.
Öffentlicher Zugang zum Wernersee bleibt ungeklärt
Offen ist außerdem, ob die Öffentlichkeit den Wernersee künftig besser erreichen kann. Nach dem geltenden Bebauungsplan bleibt das Ufer Teil einer privaten naturnahen Parkanlage. Öffentliche Wege oder Grünflächen sind dort nicht vorgesehen. Soll der Zugang später dennoch ermöglicht werden, müsste das Land Berlin dafür eine Vereinbarung mit dem Grundstückseigentümer treffen.
Hinzu kommen Vorgaben des Naturschutzes. Das frühere Freibadufer wurde 2018 und 2019 ökologisch umgestaltet. Dabei entstand ein etwa 400 Quadratmeter großer Flachwasserbereich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Diese Ausgleichsmaßnahme muss dauerhaft erhalten bleiben. Nach Angaben des Senats könnte eine stärkere öffentliche Nutzung den geschützten Bereich und seine Tier- und Pflanzenwelt beeinträchtigen.
Neues Freibad soll stattdessen am Kienberg entstehen
Eine Wiederbelebung des Wernerbads als öffentliches Freibad ist nach derzeitigem Stand keine Option. Seit dessen Schließung im Jahr 2002 besitzt Marzahn-Hellersdorf kein öffentliches Freibad mehr. Diese Lücke soll das geplante Kombibad am Kienberg mit Schwimmhalle und Außenbecken schließen. Das Projekt entsteht unabhängig von den Wernerbad-Verhandlungen am Jelena-Šantić-Friedenspark.
Damit bleiben zwei getrennte Vorhaben: Am Kienberg plant das Land ein neues öffentliches Schwimmangebot. Für das Wernerbad in Kaulsdorf hält es dagegen an einer Pflegeeinrichtung fest. Ob Berlinovo und Vivantes dafür wirtschaftlich tragfähige Bedingungen vereinbaren können, ist weiterhin offen.
Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 19/26535, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf
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