In Berlin bekommen mehrere neue Hochhaus-Projekte konkrete Formen. Der Überblick zeigt fünf neue Planungen und wie die Türme aussehen könnten.
ICC Berlin
Viktoriaspeicher-Areal
„Moaville“
„WoHo“
„Fountain“
© Titelbild: GRAFT GmbH/Max Dudler GmbH
Berlin wächst nicht nur an den Rändern. Auch in der Innenstadt rücken neue Hochhäuser in den Fokus. Im Juni wurden gleich mehrere Projekte konkreter: am ICC, am Viktoriaspeicher, in Moabit, am Anhalter Bahnhof und in Gesundbrunnen. Nicht alle stehen kurz vor dem Bau. Doch sie zeigen, wie Berlin neue Wohnungen, Gewerbe, Kultur und öffentliche Räume stärker verdichten will.
ICC Berlin: Neue Hochhäuser am Messedamm geplant

Die Luftaufnahme verdeutlicht, wie das ICC künftig mit neuen Gebäuden und Freiräumen in sein Umfeld eingebunden werden soll. / © GRAFT GmbH/Max Dudler GmbH
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Messedamm 22, 14055 Berlin
- Nutzung: Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie, Kreativwirtschaft, Hotel, Büro, Wohnen, Handel
- Baubeginn: erste Baumaßnahmen ab 2029 geplant
- Fertigstellung: schrittweise ab 2032/2033 angestrebt
Das ICC wird neu gedacht und soll nicht als reines Kongresszentrum zurückkehren. Geplant ist ein gemischt genutztes Quartier mit Kultur, Veranstaltungen, Gastronomie, Kreativwirtschaft und ergänzenden Neubauten. Das Land Berlin setzt dabei auf private Investitionen, Mieter, Fördermittel und Erbbaurechtsverträge. Offen bleiben derzeit aber noch Finanzierung, Baurecht, Denkmalschutz und Betrieb.
Zum Konzept gehören neue Hochhäuser am Messedamm. Eine öffentliche Nord-Süd-Passage soll das Gebäude öffnen. Neue Eingänge, Plätze, Galerien und gastronomische Angebote sollen das ICC stärker mit Messe, Funkturm und Neuer Kantstraße verbinden.
Viktoriaspeicher-Areal: Hochhaus am Kreuzberger Spreeufer

Das Quartier soll aus verschieden hohen Wohn- und Gewerbebauten bestehen, die sich um den denkmalgeschützten Viktoriaspeicher gruppieren. Ergänzt wird das Ensemble durch einen markanten Hochpunkt. / © Visualisierung: Behles & Jochimsen_Weidinger
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Köpenicker Straße / Schillingbrücke
- Nutzung: rund 1.000 Wohnungen, Gewerbe, Kultur, Soziales, Nahversorgung
- Baubeginn: voraussichtlich ab 2030
- Fertigstellung: noch offen
Für das Viktoriaspeicher-Areal hat die Jury den Entwurf von Behles & Jochimsen und Weidinger Landschaftsarchitekten ausgewählt. Das Gelände zwischen Köpenicker Straße, Schillingbrücke und Spree soll ein neues Stadtquartier mit rund 1.000 Wohnungen werden. Die Hälfte davon soll dauerhaft preisgebunden entstehen.
Der Entwurf sieht ein Hochhaus als Orientierung im Quartier vor. Dazu kommen ein öffentlicher Klimapark am Wasser, Gewerbe, Kultur, soziale Einrichtungen, Nahversorgung und neue Wege zur Spree. Vor dem Bau folgen Überarbeitung, Bebauungsplan, Erschließung und Sanierung. Der Baubeginn wird ab 2030 angestrebt.
„Moaville“ in Moabit: Zwei Wohn-Hochhäuser am Neuen Ufer

Visualisierung des geplanten Quartiers „Moaville“ am Neuen Ufer in Berlin-Moabit mit zwei Hochhäusern, Grünflächen und Wasserlage am Charlottenburger Verbindungskanal. / © Visualisierung BAUWERT AG / Grüntuch Ernst Architekten
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Neues Ufer 13, 19 und 25
- Nutzung: rund 500 Wohnungen, Gewerbe, Kita, Gastronomie, Nahversorgung, Grünflächen
- Baubeginn: frühestens 2028
- Fertigstellung: etwa 2031 angestrebt
BAUWERT entwickelt am Charlottenburger Verbindungskanal das Quartier „Moaville“. Auf rund 80.000 Quadratmetern sollen etwa 500 Wohnungen entstehen. 30 Prozent davon sind mietpreisgebunden geplant. Ergänzend kommen rund 35.000 Quadratmeter Gewerbeflächen, Handwerk, kreative Nutzungen, Kita, Gastronomie, Nahversorgung und öffentliche Freiflächen hinzu.
Der Siegerentwurf stammt von Grüntuch Ernst Architekten. Er sieht eine zurückgesetzte Blockrandbebauung, zwei Wohn-Hochhäuser und ein Gewerbegebäude vor. Schon vor Baubeginn öffnet BAUWERT das Gelände für Kulturformate wie Kunstfestival, Fashion Week, Poetry Slam und Lichtkunst.
„WoHo“ am Anhalter Bahnhof: 98 Meter-Hochhaus in Holzhybridbauweise

Visualisierung: So könnte der Neubau „WoHo“ wirken, wenn man von der Schöneberger Straße darauf blickt. / © Mad Arkitekter
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Schöneberger Straße 21/22, 10963 Berlin
- Nutzung: 60 Prozent Wohnen, 25 Prozent Gewerbe, 15 Prozent soziale Infrastruktur
- Baubeginn: noch offen
- Fertigstellung: noch offen
Das „WoHo“ hat eine wichtige Hürde genommen. Die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg stimmte am 4. Juni 2026 in einer Sondersitzung für das Projekt. Der Beschluss schafft eine zentrale planungsrechtliche Grundlage, löst aber noch keinen Baustart aus. Weitere Planungsschritte und mögliche Auflagen bleiben offen.
Geplant ist ein 98 Meter hohes Holzhybrid-Hochhaus mit 29 Geschossen. Der Entwurf von Mad Arkitekter umfasst vier Baukörper. Neben geförderten, genossenschaftlichen und freifinanzierten Wohnungen sind Gewerbe, Kita, Hort, Kiezkantine, Jugendeinrichtungen, Indoor-Spielplatz, Urban Gardening und ein öffentlicher Dachgarten vorgesehen.
„Fountain“ in Gesundbrunnen: Zwei Hochhäuser und ein Brückenpark

Der Entwurf von Max Dudler sieht ein gemischt genutztes Stadtquartier mit Wohnungen, Gewerbeflächen, öffentlichem Grünraum und einer neuen Parkanlage rund um die denkmalgeschützte Swinemünder Brücke vor. / © Max Dudler
- Bezirk: Mitte
- Adresse: südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen
- Nutzung: Wohnen für etwa 900 Menschen, Gewerbe, Einzelhandel, Hotel, soziale Infrastruktur
- Baubeginn: noch offen
- Fertigstellung: noch offen
Für das Quartier „Fountain“ hat eine Fach- und Sachjury den Entwurf von Max Dudler einstimmig ausgewählt. Das Projekt südlich des Bahnhofs Gesundbrunnen soll Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel, Hotelnutzungen und soziale Infrastruktur verbinden. Vorgesehen sind Wohnraum für etwa 900 Menschen und rund 1.200 Arbeitsplätze.
Zwei Hochhäuser sollen das Quartier prägen. Das Gebäude an der Brunnenstraße ist mit etwa 60 Metern geplant, der zweite Hochpunkt etwas niedriger. Ein neuer Brückenpark an der Swinemünder Brücke soll vorhandene Vegetation aufnehmen und als öffentlicher Grünraum wirken. Ein konkreter Zeitplan steht noch nicht fest.
Quellen: Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, WBM, BAUWERT AG, UTB Projektmanagement, Bezirksamt Mitte.
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8 Kommentare
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Was diese Auflistung vor allem zeigt, ist dass ein Hochhausrahmenplan dringend notwendig ist!
Diese unsäglichen 60 Meter hohen Stumpen zementieren ein fragementiertes, unspektakulär langweiliges Stadtbild ohne Anspruch und mit flächendeckendem Mittelmaß.
Hochhäuser in größerer Zahl entstehen dort, wo der Bedarf groß ist nach Bürofläche bzw. wo Zonierung und Bau- und Planungsrecht dies besonders fördern. Normalerweise bedingt das Erste das Zweite, so zB in vielen amerikanischen und asiatischen Städten, so aber auch in Städten wie Frankfurt, Paris und London. Bedarf und daran anschließend Baurecht.
In Berlin war nie der Bedarf da. Berlin ist keine Stadt mit Platzmangel, Bürofläche entsteht in Berlin seit jeher dezentral. AEG und Siemens hatten einst große Teile ihrer Berliner Büroflächen in Arealen weit außerhalb der Innenstadt, in Schöneweide, in der Siemensstadt oder am heutigen Ostbahnhof.
Hochhäuser sind teuer und kompliziert in der Nutzungsplanung und das gilt schon für Städte, wo sich der Hochhausbau wirklich rechnet. In Berlin ist das noch viel anspruchsvoller. Wohnhochhäuser sind keine Lösung, sondern vergrößern eher Probleme wie sozioökonomische Segregation und städtebauliche Radikalisierung. Berlin ist historisch eine flache, dezentrale und von ihrer Höhe sehr homogene Stadt, sie ist sehr vom 19. Jahrhundert und der Industrialisierung geprägt mit ihrer Traufhöhe und ihrer ganzen Gestalt.
Der Fernsehturm funktioniert auch deshalb so gut als Berliner Ikone, weil er keine Konkurrenz hat. Und wer das Berliner Stadtbild (zu einem Stadtbild gehört mehr als eine Skyline) als langweilig betitelt, der war noch nie in Berlin. Das Stadtbild ist vieles, aber mit Sicherheit nicht langweilig.
Hier haben hoffentlich die Stadtplaner ein großes Kontingent an Sozialwohnungen mit eingeplant, statt auf dem historisch wertvollem Gelände des Molkenmarkts, auf dem wir hätten unsere Historie über Jahrhunderte präsentieren können. Der Tourismus lebt von unserer Geschichte und nicht von einfallslos gestalteten Neubauten mit etwas Farbe. Touristen spülen das Geld in unsere Kassen, das dürfen wir nicht vergessen.
Sozialwohnungen bedeuten das der Vermieter eine Förderung bekommt und die Wohnungen dann nach einer Zeit in normale Wohnungen umwandelt. Der Steuerzahler sponsert die Wohnung damit der Mieter für wenig Geld arbeiten gehen kann, anstatt mehr zu verdienen und mehr Steuern zu bezahlen….
In Köpenick bauen auch 100 Hochhaus 200 m …hoch .
In Tempelhof Flugplatz 100 Hochhaus bauen auch …
Sieht aus wie Dortmund
Genau, es wird aussehen wie Dortmund.
Eine historisch so bedeutende Stadt wie Berlin kann sich so eine Richtung wirklich nicht leisten, weder ästhetisch, noch charakterlich, noch wirtschaftlich.
Wieso traut man sich nicht markante und auch historische Fassadengestaltung, wie so viele Hochhäuser in New York (Chrysler Building, Empire State Building, Park Place Building)?
Man muss Elemente bestehender Architektur in Berlin mit in die Fassadengestaltung von Hochhäusern in Berlin aufnehmen.