Nach einem schweren Schiffsunfall von 2025 ist die Freihafenelbbrücke dauerhaft gesperrt. Nun plant Hamburg westlich der Neuen Elbbrücken eine temporäre Ersatzbrücke, die ab 2028 den Verkehr über die Norderelbe entlasten soll.
© Titelbild: Wikimedia Commons, Dirtsc, CC BY-SA 4.0
Hamburg bekommt eine neue Verbindung über die Norderelbe. Nach einem schweren Schiffsunfall an der Freihafenelbbrücke im Oktober 2025 plant die Stadt westlich der Neuen Elbbrücken eine temporäre Ersatzbrücke. Sie soll ab dem ersten Halbjahr 2028 für rund zehn Jahre den Verkehr aufnehmen.
Die Freihafenelbbrücke ist seit dem Unfall für Fahrzeuge sowie den Fuß- und Radverkehr gesperrt. Auch die mittlere Schifffahrtsöffnung kann derzeit nicht genutzt werden. Untersuchungen der Hamburg Port Authority (HPA) haben ergeben, dass der beschädigte Mittelteil nicht vor Ort instand gesetzt werden kann. Eine Wiederinbetriebnahme wird nach derzeitiger Planung frühestens ab 2038 erwartet.
Neue Behelfsbrücke soll Verkehr über die Elbe sichern
Die geplante Behelfsbrücke soll den Oberhafenkanal mit dem Veddeler Marktplatz verbinden und dabei die Norderelbe queren. Vorgesehen sind zwei Fahrstreifen sowie ein gemeinsamer Weg für den Rad- und Fußverkehr. Die Konstruktion soll modular aufgebaut werden und sich damit an die örtlichen Bedingungen anpassen lassen.
Der neue Übergang ist nicht nur als Ersatz für die ausgefallene Freihafenelbbrücke gedacht. Er soll auch die Neue-Elbbrücken-Trasse mit der Bundesstraße B4/B75 entlasten. Dort stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Sanierungs- und Erneuerungsarbeiten an. Besonders betroffen ist die Veddeler Brückenstraße. Weil während der Bauarbeiten nicht alle Fahrstreifen zur Verfügung stehen werden, erwartet die Stadt zusätzliche Einschränkungen im Verkehr.

Die Freihafenelbbrücke verbindet den Hamburger Süden mit dem Bereich der Elbbrücken. Nach dem Schiffsunfall von 2025 bleibt das historische Bauwerk auf absehbare Zeit gesperrt. / © Foto: Wikimedia Commons, Flor!an, CC BY-SA 4.0
Bau der Behelfsbrücke soll 2028 abgeschlossen sein
Der Bau der temporären Elbquerung soll nach den derzeitigen Planungen zwölf bis 15 Monate dauern. Die Hamburgische Bürgerschaft soll im November über das Vorhaben entscheiden.
Die Kosten für die Behelfsbrücke werden mit rund 134 Millionen Euro angegeben. Davon sollen 100 Millionen Euro aus Bundesmitteln des Länder- und Kommunalinfrastrukturfinanzierungsgesetzes (LuKIFG) kommen. Den restlichen Betrag will Hamburg aus eigenen Mitteln finanzieren.
Neue S-Bahn-Verbindung S6 soll weitere Entlastung bringen
Eine weitere Entlastung des Straßennetzes soll langfristig durch die geplante S6 entstehen. Die neue S-Bahn-Verbindung soll Harburg über den Hauptbahnhof mit der Elbgaustraße verbinden. Nach Abschluss der vorgesehenen Modernisierung und Erweiterung bis Ende 2029 könnten dort bis zu drei Züge innerhalb von zehn Minuten verkehren. Dadurch soll die Kapazität auf der Strecke um rund 40 Prozent steigen.
Mit der temporären Brücke und dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs reagiert Hamburg damit auf eine ungewöhnliche Situation an einem der wichtigsten Verkehrskorridore der Stadt. Gleichzeitig bleibt die Zukunft der beschädigten Freihafenelbbrücke offen. Fest steht bislang, dass der Mittelteil nicht wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden kann.
Quellen: Behörde für Verkehr und Mobilitätswende Hamburg, DU Hamburg, LINKE Hamburg, BÜRGERSCHAFT DER FREIEN UND HANSESTADT HAMBURG Drucksache 23/2964, Drucksache 23/2967
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