Beim Abriss des Jahn-Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind deutlich mehr asbesthaltige Materialien entdeckt worden als zunächst angenommen. Der kontaminierte Schutt lagert in unmittelbarer Nähe zum Mauerpark und wird voraussichtlich erst 2026 vollständig entfernt sein.

Nachdem beim Abriss des Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadions im Frühjahr schwach gebundener Asbest entdeckt worden war, prägt der verbleibende Schuttberg bis heute das Bild am Mauerpark. Der Abtransport kommt nur langsam voran und hatte sich zuletzt aufgrund von Unwettern weiter verzögert. / © Foto: Bürgerinitiative Jahnsportpark
© Foto Titelbild: IMAGO / Rolf Zöllner
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Beim Rückbau des Jahn-Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind erneut große Mengen asbesthaltiger Baustoffe entdeckt worden. Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung handelt es sich inzwischen um rund 2.100 Tonnen kontaminierten Materials. Der gesundheitsschädliche Stoff lagert unmittelbar am Mauerpark im Bezirk Prenzlauer Berg und kann in diesem Jahr nicht vollständig entfernt werden.
Der Asbest war im April beim Abriss der Haupttribüne erstmals aufgefallen. Anstelle des früheren Stadions für 20.000 Zuschauer soll an gleicher Stelle eine neue Arena entstehen, die den Anforderungen des Zweitligafußballs entspricht und deren Kosten auf knapp 200 Millionen Euro veranschlagt werden.
Asbestfunde in Prenzlauer Berg deutlich größer als erwartet
Die Senatsverwaltung war Ende Oktober noch von rund 1.700 Tonnen Asbestmaterial ausgegangen. Die weiteren Abrissarbeiten zeigten jedoch, dass die tatsächliche Menge deutlich höher liegt. Etwa 2.000 Tonnen wurden bereits auf eine Spezialdeponie in Brandenburg gebracht. Rund 100 Tonnen befinden sich weiterhin im östlichen Tribünengebäude und sollen erst im kommenden Jahr verladen werden.
Nach Angaben der Verwaltung wird sich der Abtransport voraussichtlich bis Februar 2026 hinziehen. Gleichzeitig sei nicht auszuschließen, dass beim Rückbau weiterer Tribünen zusätzliche kontaminierte Stoffe freigelegt werden. Die Behörde betonte jedoch, dass durch die Absperrungen und Schutzmaßnahmen keine Gefahr für Anwohnende oder Parkbesucher bestehe.
Lange Asbestentsorgung im Jahn-Sportpark: Kleinteilige Verfahren verlängern den Prozess
Bereits seit Juni läuft die Entsorgung des ersten großen Schutthaufens. Die Senatsverwaltung erklärte, dass ein Verfahren entwickelt worden sei, das eine kleinteilige Verladung vorsieht. Diese Vorgehensweise soll die Sicherheit des Baustellenpersonals gewährleisten, führt jedoch zu einem deutlich längeren Zeitaufwand. Begleitende Luftmessungen sollen sicherstellen, dass keine Belastungen nach außen dringen.
Trotz der Verzögerungen sieht die Verwaltung den Rückbau des alten Stadions weitgehend abgeschlossen. Der Zeitplan für den Neubau soll nach Einschätzung des Senats nicht beeinträchtigt werden.
Asbestentsorgung am Mauerpark: Lange Entsorgung wird scharf kritisiert
Die langwierige Entsorgung sorgt dennoch für deutliche Kritik. Alexander Puell, Vorsitzender der Initiative Freunde des Mauerparks, äußerte sich gegenüber der Berliner Morgenpost überrascht über die langsame Abwicklung. Er gab zu verstehen, dass die Verwaltung seiner Ansicht nach aus Kostengründen ein besonders sparsames Vorgehen wähle und sprach der Senatsverwaltung eine ausreichende Konsequenz ab. Zudem verwies er auf die generelle Kritik am Stadionneubau, der seit Beginn der Planungen wegen hoher Kosten und Eingriffen in den Parkraum umstritten ist.
Puell wies außerdem auf den Alternativentwurf der Bürgerinitiative Jahnsportpark hin. Nach Angaben der Initiative sei dieser ressourcenschonender, mit weniger Versiegelung verbunden und stärker auf den Bedarf des Breiten- und Vereinssports ausgerichtet. Er äußerte zugleich Unverständnis dafür, dass der Senat trotz der Pannen und höheren Kosten an seinen Plänen festhalte.
Jahn-Stadion in Prenzlauer Berg: Entfernung des Asbest bis 2026
Bis Anfang 2026 soll der verbliebene Asbest vollständig abtransportiert sein. Parallel dazu werden die letzten Bereiche des alten Stadions rückgebaut. Ob dabei weitere kontaminierte Materialien entdeckt werden, ist derzeit nicht absehbar. Klar ist jedoch, dass der Umgang mit den Schadstoffen das Bauvorhaben im Jahn-Sportpark noch über Monate begleiten wird.
Quellen: Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin, Bürgerinitiative Jahnsportpark
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