Verkehrschaos zwischen Friedrichshain und Treptow an der neuen A100-Anschlussstelle am Treptower Park: Die Kombination aus Baustellen, Engpässen und Autobahnzufluss sorgt für Staus in mehreren Bezirken. Doch die Lage ist komplex – und längst nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint.

Der Markgrafendamm in Friedrichshain ist durch Bauarbeiten auf eine Spur verengt, was in den Hauptverkehrszeiten regelmäßig zu langen Rückstaus bis zum Ostkreuz führt. Sowohl private Fahrzeuge als auch BVG-Busse sind hier stark betroffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Am Freitagmorgen war der Verkehr in Alt-Treptow und Friedrichshain erneut stark eingeschränkt. In beiden Fahrtrichtungen staute sich der Verkehr, wobei die Situation auf der Treptower Seite, wo der Verkehr der A100 eingeleitet wird, etwas entspannter ausfällt als in der Gegenrichtung.
In Friedrichshain kam es ebenfalls zu langen Staus. Vor allem Autofahrer, die vom Ostkreuz über den Markgrafendamm auf die Elsenbrücke fahren wollten, brauchten viel Geduld. Die Interimsbrücke ist in beide Richtungen nur einspurig befahrbar. Deshalb staut es sich gerade in den Hauptverkehrszeiten, was allerdings kein neues Phänomen ist, sondern schon vor der Eröffnung des A1oo-Abschnitts Alltag war.
Denn auch der Markgrafendamm selbst trägt zur Belastung bei, er ist wegen Bauarbeiten an Häusern nur einspurig statt zweispurig befahrbar. In der Folge reicht der Rückstau dort oft bis zum Ostkreuz zurück. So überlagern sich mehrere Engpässe.
Elsenstraße in Alt-Treptow stark belastet: Kreuzung Puschkinallee als weiterer Engpass
Zusätzlich entsteht ein Rückstau in der Elsenstraße. An der Kreuzung Puschkinallee werden drei Fahrstreifen wegen der Brückenarbeiten auf eine Spur zusammengeführt. Die Folge ist dichter Verkehr von der Kreuzung „Am Treptower Park“ bis zur Brücke. Auf diesem Abschnitt können Busse zwar die Busspur nutzen, sie müssen aber ein kurzes Stück von rund 150 Metern mit den Autos im Stau stehen. Dadurch kommt es zu kleineren Verzögerungen, die aber deutlich geringer ausfallen als für den Individualverkehr.
Entlastend wirkt, dass über die Autobahn A100 vergleichsweise wenige Fahrzeuge in den Stadtverkehr einfließen. Obwohl die Abfahrt direkt in die Elsenstraße mündet, ist das Verkehrsaufkommen dort geringer als man es angesichts einer dreispurigen Autobahn erwarten würde. Hauptursache für die Staus bleiben daher die Bauarbeiten an der Brücke und die eingeschränkten Ausweichmöglichkeiten.
Auswirkungen auf den Linienverkehr: BVG setzt auf kurzfristige Anpassungen der Buslinie M43 und 194
Die BVG erklärte, dass sie die Lage kontinuierlich beobachtet. In den vergangenen Tagen habe es immer wieder Verspätungen gegeben. Um den Betrieb zu stabilisieren, würden bei Bedarf die Linien M43 und 194 auf beiden Seiten der Brücke an den Stau herangeführt. Fahrgäste könnten den kurzen Abschnitt mit der S-Bahn oder zu Fuß überbrücken.
Diese Maßnahmen seien laut BVG flexibel und würden nur bei größeren Verspätungen umgesetzt. Über App, Internetseite oder elektronische Anzeigen würden die Informationen kurzfristig bereitgestellt. Eigene Beobachtungen zeigen, dass kaum Anpassungen erforderlich sind. Insgesamt fließt der Busverkehr besser als angenommen, da die Busspur in Treptow den größten Teil des Staus umgeht. Besonders in Friedrichhain stehen die Busse länger, da es dort keine Busspur gibt.
A100-Verlängerung verschärft die Lage geringfügig: Staus an der Elsenbrücke entstehen auch bei wenig Verkehr
Ein weiterer Faktor ist die neue Abfahrt der Stadtautobahn A100. Die Beobachtungen der ENTWICKLUNGSSTADT-Redaktion am Freitagmorgen um 8:30 Uhr zeigte jedoch, dass vergleichsweise wenige Autos von dort in die Elsenstraße einfließen. Angesichts der dreispurigen Autobahn wirkt das Verkehrsaufkommen gering.
Der Bezirk Treptow-Köpenick weist hingegen auf massive Staus am neuen Autobahnabschnitt hin. Zwischen Grenzallee und Treptower Park kam es laut Verkehrsinformationszentrale zuletzt zu Verzögerungen von bis zu 90 Minuten. Kritiker sehen darin ein weiteres Argument gegen die Verlängerung der Stadtautobahn. Die Gründe für die langen Staus werden, je nach Quelle, also sehr unterschiedlich bewertet.
Belastung im Kunger-Kiez: Beschwerden über mehr Durchgangsverkehr in Wohnstraßen
Im Kunger-Kiez berichten Anwohnende von einem deutlichen Anstieg des Durchgangsverkehrs. Besonders betroffen sei die Bouchéstraße vor der dortigen Grundschule. Bezirksstadträtin Claudia Leistner erklärte, dass Radfahren dort inzwischen kaum noch möglich sei. Sie forderte, der Senat müsse über eine Sperrung des neuen A100-Abschnitts nachdenken, solange die Brücke nicht fertiggestellt sei.
Vor-Ort-Beobachtungen zeigen jedoch, dass der Verkehr in den kleineren Kiezstraßen insgesamt eher ruhig bleibt. Die meisten Autofahrer nutzen die Strecke lediglich als Übergang zwischen Friedrichshain und Treptow. Ein deutlicher Anstieg ist vor allem auf den Hauptstraßen zu spüren. Damit ergibt sich ein gemischtes Bild, das stark von einzelnen Straßenzügen abhängt. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass erst in der kommenden Woche die Sommerferien enden und somit eine Verschärfung der aktuellen Situation denkbar ist.
Arbeiten an der Elsenbrücke: Terminverschiebung für westlichen Überbau auf Oktober 2025
Hintergründe der Bauarbeiten an der Elsenbrücke, die seit mehreren Jahren für die beschriebenen Verkehrsengpässe verantwortlich ist, sind Risse im Beton, die 2018 entdeckt wurden. Das Bauwerk wurde instabil, weshalb ein Ersatzneubau beschlossen wurde.
Der westliche Überbau sollte ursprünglich im September 2025 fertiggestellt sein. Nach aktuellen Planungen wird die Übergabe nun erst Mitte Oktober erfolgen. Mit dem neuen Bauwerk soll sich die Kapazität der Brücke deutlich erhöhen.
Bis 2028 soll die neue Elsenbrücke vollständig fertiggestellt werden
Statt nur einer Spur pro Richtung sollen künftig drei Spuren zur Verfügung stehen. Damit könnte die Lage spürbar entspannter werden. Allerdings weisen Fachleute darauf hin, dass auch die Ampelschaltungen in der Elsenstraße angepasst werden müssen, um den Verkehr besser zu steuern.
Die vollständige Fertigstellung der Elsenbrücke wird sich nach aktuellem Stand aber noch bis ins Jahr 2028 ziehen, also mindestens drei weitere Jahre. Wie sich die Situation rund um die A100-Anschlussstelle am Treptower Park in den kommenden Monaten entwickeln wird, werden zahlreiche Politiker und Verkehrsexperten weiterhin intensiv beobachten. Die Wahrnehmung der Ist-Situation ist jedenfalls äußerst ambivalent.

Am S-Bahnhof Treptower Park wird die dreispurige Elsenstraße auf eine Spur reduziert. Schon bei mittlerem Verkehrsaufkommen kommt es hier zu stockendem Verkehr, der sich bis zur Straße „Am Treptower Park“ zurückstaut. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Buslinien M43 und 194 sind an der Kreuzung Am Treptower Park gezwungen, für rund 150 Meter im Stau zu stehen. Erst danach können sie wieder die Busspur nutzen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die neue Abfahrt der A100 in die Elsenstraße sorgt bisher nur für geringen zusätzlichen Verkehr. Am Freitagmorgen gegen 8:30 Uhr nutzten vergleichsweise wenige Autos die Ausfahrt, sodass der Hauptgrund für die Staus weiterhin bei den Bauarbeiten liegt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: VIZ – Verkehrsinformationszentrale, BVG, rbb24, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, S-Bahn Berlin
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