In Hamburg-Hamm sollte mit den Osterbrookhöfen eines der bedeutendsten Wohnbauprojekte der Stadt entstehen. Doch derzeit ruht die Umsetzung – immissionsrechtliche Fragen und frühere Konflikte mit Anwohnenden verzögern das Verfahren erheblich. Wann der Baustart erfolgen kann, ist unklar.
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© Visualisierung Titelbild: Behnisch Architekten, Stuttgart
Mit dem Projekt „Osterbrookhöfe“ sollte im südlichen Hamburger Stadtteil Hamm ein neues urbanes Wohnquartier entstehen. Es sollte rund 820 Wohneinheiten, mehreren Kindertagesstätten, einem Nahversorger sowie einem modernen Quartierssportzentrum beherbergen. Auf dem Gelände des ehemaligen Ernst-Fischer-Sportplatzes sowie angrenzender Flächen war geplant, eine Mischung aus gefördertem Wohnraum, Eigentumswohnungen und sozialer Infrastruktur zu verwirklichen – mit direkter Wasserlage und durchdachter Architektur.
Doch der ambitionierte Zeitplan ist längst ins Wanken geraten. Seit Monaten herrscht Stillstand auf dem Areal am Rückerskanal. Weder Bauarbeiten noch sichtbare Fortschritte sind vor Ort zu erkennen. Der Grund für die Verzögerung liegt in einem komplexen Konflikt rund um immissionsschutzrechtliche Vorgaben und deren Auswirkungen auf die Wohnbebauung in direkter Nachbarschaft zu einem Industriebetrieb.
Projekt „Osterbrookhöfe“: Immissionsschutz als Stolperstein im Planverfahren
Laut Bezirksamt Hamburg-Mitte ist das Bebauungsplanverfahren aktuell ins Stocken geraten, da die Einhaltung der Immissionsgrenzwerte für die geplanten Neubauten nicht gewährleistet werden kann. Diese Problematik resultiert aus der Nähe zur Tchibo-Rösterei. Deren Emissionen – insbesondere in Form von Geruch und Lärm – sollen über den für Neubauten zulässigen Werten liegen.
Während für Bestandsbauten großzügigere Richtwerte gelten, unterliegen Neubauprojekte strengeren Regularien. Diese Diskrepanz erschwert eine kurzfristige Klärung. Konkrete Aussagen zur weiteren Verfahrensdauer konnten von behördlicher Seite bislang nicht getroffen werden, was die Unsicherheit im Stadtteil zusätzlich verstärkt.
Wegen Freibad-Abriss: Widerstand aus der Bevölkerung bereits vor Projektbeginn
Bereits in der Planungsphase hatte das Projekt für Unruhe gesorgt. Insbesondere der Abriss des beliebten Freibads Aschberg, auf dessen Fläche ein Teil des neuen Quartierssportzentrums entstehen soll, stieß auf erhebliche Kritik. Über 5.000 Unterschriften sammelten Anwohnende in einer Onlinepetition gegen den Abriss – ohne Erfolg. Der Rückbau wurde 2021 dennoch vollzogen.
Die versprochene Ersatzlösung in Form eines Hallenbads mit Liegewiese konnte die Kritikerinnen und Kritiker bislang nicht überzeugen. Viele sehen in dem neuen, deutlich kleineren Schwimmbad keinen adäquaten Ersatz für das ursprüngliche Freibad, das als generationsübergreifender Treffpunkt im Stadtteil galt.
Lichtblick in Hamburg-Hamm: Fortschritt beim Sportzentrum „Am Aschberg“
Trotz des Stillstands im Wohnungsbau schreiten die Arbeiten am Quartierssportzentrum „Am Aschberg“ voran. Erste Sportflächen sind bereits im Bau, die Eröffnung des neuen Sportplatzes ist für Sommer 2025 geplant. Neben dem Schwimmbad sollen dort künftig eine Sporthalle, eine Kita, ein Jugendtreff und gastronomische Angebote untergebracht werden – gebündelt in einem funktional konzipierten Komplex.
Zudem soll ein sogenannter Mobility Hub entstehen, der zentrale Mobilitätsangebote wie Fahrrad- und Autostellplätze bereithält. Die Entwicklung dieses Teils des Projekts wird durch Bundesmittel im Rahmen des Modellvorhabens „Mitte Machen“ gefördert und genießt somit weiterhin politische Priorität.
Zukunft des Wohnprojekts auf dem Areal am Rückerskanal bleibt ungewiss
Unklar bleibt hingegen, wann mit dem Wohnungsbau begonnen werden kann. Während die Projektpartner – die SAGA-Unternehmensgruppe, HAMBURG TEAM sowie das Bezirksamt Hamburg-Mitte – weiterhin an einer Umsetzung festhalten, verhindern rechtliche und planerische Hürden einen konkreten Baustart.
Für den Stadtteil Hamm bedeutet der anhaltende Stillstand eine vertane Chance, dringend benötigten Wohnraum und neue soziale Infrastruktur zu schaffen. Das ursprüngliche Ziel, durch die „Osterbrookhöfe“ ein lebendiges, durchmischtes Quartier zu etablieren, rückt in weite Ferne.
Quellen: Osterbrookhoefe.de, Hamburger Abendblatt, Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung, Bezirksamt Hamburg-Mitte, SAGA Unternehmensgruppe und HAMBURG TEAM, Stadtteilrat Rothenburgsort
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.. die Frage ist ja, warum erst jetzt das Thema wieder in den Fokus rückt – wollte man doch schon nach dem Städtebaulichen Wettbewerb in 2018 das B-Plan-Verfahren vorantreiben (was auch erfolgte mit allen daran anhängigen Gutachten, u.a. ein Geruchsgutachten und ein Energiekonzept inkl. eines Nahwärmekonzeptes inkl. Einbindung von Tchibo), einen Kaufvertrag mit der FHH schließen (was bis heute nicht erfolgte)? Es wurden Kleingärten umverlagert, Behelfsheimer an die Hand genommen, für die neue Wohnungen gesucht und gefunden wurde inkl. Umzugsorganisation, parallel 500 Bäume gefällt und ein Freibad geschlossen…. Warum jetzt? Die Wohnungen hätten längst gebaut sein können. Das Konsortium war bereit inkl einer sehr (!) aufwändigen Vorarbeit. Es fehlt offenbar bis heute an einer Entscheidung und Durchsetzungskraft der Behörden (ja, leider hier die BUKEA im Zusammenspiel mit der BSW), sich unterzuhaken und dem Thema Wohnungsbau ein echtes Gewicht zu geben und mit Tchibo eine Einigung zu erzielen, die für alle ein Gewinn ist (Nahwärmekonzept, s.o. inkl. CO2-Einsparung). Also: warum ist das Thema JETZT wieder da?