Auf dem Campus Charlottenburg der Technische Universität Berlin wächst derzeit die „Chemical Invention Factory“. Der Neubau für chemiespezifischen Transfer in nachhaltiger Chemie soll wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in Anwendungen überführen und einen Raum schaffen, in dem Wissenschaft, Start ups und Industrie gemeinsam nachhaltige Innovationen vorantreiben. Nach aktuellem Stand gilt eine Fertigstellung bis Ende 2027 als realistisch.

Die „Chemical Invention Factory“ auf dem Campus Charlottenburg der TU Berlin befindet sich derzeit im Rohbau. Das Zentrum für Transfer in der Grünen Chemie soll bis Ende 2027 fertiggestellt werden und künftig Start ups, Wissenschaft und Industrie zusammenbringen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung / Titelbild: Sehw Architektur
Während ein zentraler Ort der Technischen Universität Berlin wegen Sanierungsstau vorerst ausfällt, wächst nur wenige Straßen weiter ein neues Symbol für wissenschaftlichen Austausch und Technologietransfer.
An der Marchstraße in Berlin-Charlottenburg schreiten die Bauarbeiten für die „Chemical Invention Factory – John Warner Center for Start ups in Green Chemistry“ sichtbar voran. Entstehen soll ein europaweit einzigartiges Transfer und Innovationszentrum für nachhaltige Chemie.
Transfer an der TU Berlin: Zentrum für Grüne Chemie entsteht
Das Projekt soll wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Anwendungen überführen und zugleich den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stärken. Künftig werden dort bis zu zwölf internationale Teams an nachhaltigen Lösungen für die Chemieindustrie arbeiten.
Gleichzeitig bindet die TU Berlin die Einrichtung eng in das Berliner Innovationsnetzwerk greenCHEM ein. Dadurch sollen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen enger zusammenarbeiten und Wissen direkter austauschen. Darüber hinaus kooperiert die CIF mit dem Exzellenzcluster UniSysCat der TU Berlin, das neue chemische Verfahren und Katalyseprozesse untersucht. Jedes Team erhält zusätzlich wissenschaftliche Unterstützung aus der Berlin University Alliance.

An der Marchstraße entsteht mit der „Chemical Invention Factory“ Europas größte Laborinfrastruktur für chemiespezifischen Transfer in der Grünen Chemie. Realisiert wird der Neubau vom Unternehmen Goldbeck, das auf modulare und digitalisierte Bauprozesse setzt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neubau auf TU Campus Charlottenburg wächst: Geplante Fertigstellung 2027
Seit dem Spatenstich im Oktober 2025 wächst der Neubau auf dem Campus Charlottenburg der TU Berlin kontinuierlich in die Höhe. Inzwischen ist der Rohbau im ersten Obergeschoss bereits weit fortgeschritten, während auf der Baustelle weiterhin intensiv gearbeitet wird. Nach aktuellem Stand gilt eine Fertigstellung Ende 2027 als realistisch.
Das Unternehmen Goldbeck realisiert das Projekt. Der Konzern setzt dabei auf stark digitalisierte und ganzheitliche Lösungen in Planung und Bau. Außerdem nutzt Goldbeck bei vielen Projekten modulare Bauweisen mit vorgefertigten Bauteilen, die anschließend auf der Baustelle montiert werden. Dadurch kann das Unternehmen Bauabläufe effizient organisieren und Projekte häufig schneller umsetzen.
Neubau an der Marchstraße: Offene Räume für Transfer und Austausch
Das Berliner Büro sehw Architektur entwarf den Neubau an der Marchstraße. Auf rund 2.200 Quadratmetern entsteht ein Gebäude für Transfer, das Nachhaltigkeit nicht nur technisch, sondern auch architektonisch sichtbar machen soll. Die Fassade besteht aus recyceltem Kunststoff, während halbtransparente Paneele Tageslicht ins Gebäude lassen und gleichzeitig den Wärmeeintrag reduzieren.
Im Inneren plant die TU Berlin rund 1.000 Quadratmeter Laborflächen. Mit insgesamt 39 Laborabzügen erhält die Einrichtung die größte Infrastruktur ihrer Art in Europa. Ergänzend entstehen Gemeinschaftsflächen, ein Café sowie ein sogenanntes Demolab im Erdgeschoss. Dadurch will die Universität Begegnungen zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Start ups gezielt fördern und den Technologietransfer erleichtern.
Zustand der Hochschulgebäude in Berlin: Neubau steht im Kontrast zum Sanierungsstau
Die TU Berlin finanziert die „Chemical Invention Factory“ mit rund 13 Millionen Euro. Zusätzlich stellt das Land Berlin weitere sieben Millionen Euro aus dem Sondervermögen SIWANA III bereit. Insgesamt fließen damit rund 20 Millionen Euro in den Bau.
Gleichzeitig zeigt der Neubau auch den Kontrast zum anhaltenden Sanierungsstau an Berliner Hochschulen. Während das Land Neubauten für Transfer und Innovation gezielt fördert, verschieben viele Einrichtungen notwendige Modernisierungen älterer Gebäude seit Jahren. Besonders Hochschulbauten aus den 1960er und 1970er Jahren gelten vielerorts als technisch überholt. Auch das Hauptgebäude der TU Berlin bleibt deshalb bis auf Weiteres gesperrt.
Quellen: Industriestadt Berlin, Sehw Architektur, Brain City Berlin, TU Berlin, Goldbeck
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Das Konzept der CIF klingt sehr sinnvoll und das Gebäude wird sicherlich ein Aushängeschild für die TUB. Allerdings wurde bei der Bauplanung nicht berücksichtigt, dass durch die Bauarbeiten ein Teil des benachbarten Institut für Luft und Raumfahrt für die Feuerwehr nicht mehr zugänglich ist. Ein gesamter Trakt des ILR ist deswegen dauerhaft gesperrt, wahrscheinlich bis zur Fertigstellung der CIF. Damit reiht sich dieses Bauprojekt eher mit ein in die lange Liste der Gebäudeprobleme der TUB.