In Berlin entstehen neue Wohnungen sehr ungleich verteilt. Aktuelle Zahlen zeigen große Unterschiede – mehrere Faktoren erklären den Vorsprung des Ostens.

Im neuen Quartier „Konnekt“ in Marzahn entstehen Wohnungen, Gewerbeflächen und begrünte Aufenthaltsbereiche auf dem ehemaligen Industrieareal der Knorr-Bremse. / © Visualisierung: HSA
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Berlin baut wieder mehr Wohnungen, aber die Dynamik verteilt sich sehr unterschiedlich. Während Lichtenberg 2025 berlinweit die meisten genehmigten Wohnungen meldete, zählten Treptow-Köpenick, Pankow und Lichtenberg zu den Bezirken mit den meisten Fertigstellungen. Die aktuellen Zahlen zeigen: Der Neubau-Turbo der Hauptstadt läuft vor allem im Osten. Aber warum ist das so?
- Berlinweit genehmigte Wohnungen 2025: 13.754
- Bezirk mit den meisten Genehmigungen 2025: Lichtenberg (1.935)
- Bezirke mit den meisten Fertigstellungen 2025: Treptow-Köpenick, Pankow, Lichtenberg
Berlin meldete 2025 wieder mehr Baugenehmigungen. Nach acht Jahren Rückgang stieg die Zahl der neu genehmigten Wohnungen im Jahr 2025 auf 13.754. Das entspricht einem Plus von 40,7 Prozent gegenüber 2024. Aus neun der zwölf Bezirke kamen höhere Zahlen. Besonders auffällig fiel der Zuwachs in Neukölln, Reinickendorf und Pankow aus. Die meisten Genehmigungen meldete jedoch Lichtenberg mit 1.935 Wohnungen.
Auch bei den Fertigstellungen zeigt sich ein klares Bild. Berlin meldete 2025 insgesamt 11.027 fertiggestellte Wohnungen. Treptow-Köpenick, Pankow und Lichtenberg lagen dabei vorne. Der Osten bleibt damit nicht nur bei neuen Genehmigungen stark, sondern liefert auch fertige Wohnungen. Die hohen Fertigstellungszahlen spiegeln auch Genehmigungen wider, die bereits in den Vorjahren erteilt wurden. Genau hier liegt der Unterschied zu Bezirken, in denen Projekte zwar diskutiert, aber deutlich langsamer umgesetzt werden.

Eine Visualisierung zeigt das geplante Kiezzentrum im „Segelflieger Quartier“ in Adlershof mit öffentlichen Aufenthaltsflächen, Gastronomie, Einzelhandel und kulturellen Angeboten. / © Visualisierung: BAUWERT
Berlin Osten Neubau Turbo: Zahlen zeigen klare Unterschiede
Im Live-Podcast von ENTWICKLUNGSSTADT zur Berliner Stadtentwicklung wurde diese unterschiedliche Geschwindigkeit deutlich benannt. Daniel Herrmann von der Bauwert AG sagte, Berlin habe ein Zeitproblem. Wenn ein Projekt nach zwei Jahren genehmigt werde, entstehe ein anderes Preisschild als bei sechs, sieben oder acht Jahren Genehmigungszeit. Lange Verfahren verteuern Grundstücke, Gutachten, Planungsrunden und am Ende auch die Wohnungen.
Herrmann sprach zudem offen über die Bezirke. Es gebe Bezirke, die konstruktiv arbeiteten, und andere, die Bauvorhaben nicht mit derselben Energie nach vorne brächten. Berlin müsse erreichen, dass eine Baugenehmigung in einem Bezirk unter vergleichbaren Bedingungen ähnlich schnell erteilt werde wie in einem anderen. Genau daran fehle es derzeit.
Unterschiedliches Planungsrecht in Berlin erklärt den Vorsprung im Osten
Auch Tarek Massalme, Architekt und Bezirkspolitiker in Mitte, verwies auf strukturelle Unterschiede. Er sagte, Berlin sei planungsrechtlich weiterhin geteilt. Der Westteil der Stadt habe an vielen Orten andere Voraussetzungen als Teile des Ostens. In vielen östlichen Bezirken gelte häufiger § 34 des Baugesetzbuches.
Vereinfacht bedeutet das: Auf Grundstücken ohne Bebauungsplan kann gebaut werden, wenn sich das Vorhaben in die bestehende Umgebung einfügt. Dadurch lassen sich Projekte in vielen Fällen schneller genehmigen als dort, wo zunächst ein neuer Bebauungsplan aufgestellt oder geändert werden muss.
Treptow-Köpenick als Beispiel für Wohnungs-Neubau-Turbo im Osten
Masalme nannte Treptow-Köpenick als Beispiel für starkes Wachstum. Dort sei die Bevölkerung unter anderem aufgrund umfangreicher Neubaugebiete deutlich gewachsen. Gleichzeitig gingen die Neubauquoten etwa in Charlottenburg-Wilmersdorf zurück. Das habe mit Lage und Flächen zu tun, aber auch mit Planungsrecht und Verlässlichkeit.
Der Osten profitiert zudem von größeren Entwicklungsflächen. In Treptow-Köpenick, Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf entstehen eher ganze Quartiere als einzelne Häuser. Projekte wie das „Segelflieger Quartier“, das Stadtquartier „Konnekt“ oder neue Wohnquartiere wie die Parkstadt Karlshorst stehen für diese größere Maßstäblichkeit. Sie schaffen andere Wohnungszahlen als kleine Nachverdichtungen in dicht bebauten Innenstadtlagen.

Eine Visualisierung zeigt das geplante Wohnquartier mit mehreren Innenhöfen und Photovoltaikanlagen auf den Dächern. / © Visualisierung: Gewobag
Wohnungs-Neubau bleibt in Berlin wichtiger als Umnutzung
Fakt ist: Berlin wird die Wohnungsfrage vor allem über Neubau, schnellere Verfahren und größere Quartiere lösen müssen. Baumaßnahmen im Bestand helfen zwar zusätzlich. 2025 wurden durch Dachgeschossausbauten und Nutzungsänderungen 2.120 weitere Wohnungen genehmigt. Doch der Schwerpunkt bleibt der Neubau.
Der Berliner Osten hat dafür derzeit bessere Voraussetzungen. Lichtenberg führt bei den Genehmigungen. Treptow-Köpenick, Pankow und Lichtenberg führen bei den Fertigstellungen. Marzahn-Hellersdorf verfügt weiter über große Entwicklungsflächen. Der Neubau-Turbo ist deshalb kein politisches Schlagwort, sondern zeigt sich in der Statistik. Berlin baut ungleich. Und im Osten kommt der Wohnungsbau derzeit sichtbar schneller voran.
Quellen: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, ENTWICKLUNGSSTADT-Live-Podcast
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