Im Hinterhof der Musikbrauerei an der Greifswalder Straße 23 ist ein zweigeschossiger Neubau entstanden, ohne sichtbare Angaben zu Bauherr oder Nutzung. Einst sorgten Pläne für ein deutlich größeres Bauvorhaben an gleicher Stelle für gerichtliche Auseinandersetzungen.

Der zweigeschossige Neubau ist weitgehend fertiggestellt: Die Fenster sind eingesetzt, die Fassade ist vollständig verkleidet. Das Gebäude ist umzäunt, auf dem Hof bleibt Platz für parkende Anwohnende. Wann der Einzug der ersten Bewohnerinnen und Bewohner erfolgt, ist bisher nicht bekannt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Im Hof der historischen Musikbrauerei in Berlin-Prenzlauer Berg ist ein Neubau entstanden. Das Gebäude umfasst zwei Etagen und weist eine hellbraun-terracottafarbene Fassade auf. Anders als die benachbarten Townhouse-Siedlung „Prenzlauer Gärten“, fügt es sich optisch zurückhaltend in die Umgebung ein. Doch über die Hintergründe der Bebauung ist bisher kaum etwas bekannt: Ein Bauschild fehlt, Informationen zu Projektbeteiligten oder Bauherren sind nicht öffentlich einsehbar.
Die neue Bebauung liegt auf jenem Grundstücksrest, der über Jahre Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen war. Bereits 2012 hatte das Verwaltungsgericht Berlin ein größeres Bauvorhaben an gleicher Stelle vorerst gestoppt, wie die Berliner Morgenpost berichtete.
Greifswalder Straße: Juristischer Widerstand gegen dichte Bebauung und drohenden Verlust historischer Strukturen
Damals planten Investoren ein mehr als 20 Meter hohes Wohnhaus, das nahe an die denkmalgeschützte Brauerei herangerückt wäre. Anwohnende legten Widerspruch ein, mit Verweis auf drohende Verschattung und den Verlust historischer Sichtachsen. Das Gericht gab einem Eilantrag statt. Zu den Klägern zählte auch der Eigentümer der Musikbrauerei, Jens Reule. Er warnte laut Berliner Morgenpost, dass das Bauprojekt den markanten Giebel seines Backsteingebäudes dauerhaft verdecken würde.
Reule betreibt dort seit 1997 die UFO Sound Studios. Der Gebäudekomplex mit seiner Industriearchitektur aus dem 19. Jahrhundert sollte laut Reule zu einem Musik- und Medienzentrum mit Museum und Café entwickelt werden. Schon damals äußerte er Bedenken über eine zu dichte Bebauung im Areal.
Zwischen Ensembleschutz und Nachverdichtung in Prenzlauer Berg: Bebauung am historischen Hang bleibt umstritten
Das Gelände am Hang zwischen Greifswalder Straße und Am Friedrichshain steht unter Ensembleschutz. Historisch war es Teil des Schweizer Gartens, einem Vergnügungsareal mit Biergarten und Kegelbahn. Spätestens seit dem Bau der Townhouse-Siedlung „Prenzlauer Gärten“ mit über 100 Einheiten ist der Druck zur Nachverdichtung im Viertel deutlich spürbar.
Der aktuelle Neubau ist mit nur zwei Etagen deutlich kleiner als die früheren Pläne. Ob dieser nun auf Grundlage einer alten Baugenehmigung realisiert wurde oder neue Verfahren durchlaufen hat, bleibt bislang unklar. Auch zur künftigen Nutzung gibt es keine öffentlich zugänglichen Angaben.
Nachverdichtung mit Zaun: Neue Architektur trifft auf historische Brauerei und geschlossene Wohnsiedlung im Bötzowviertel
Townhouses nach dem Modell der USA sind oft Teil sogenannter „Gated Communities“. Diese Wohnanlagen sind durch Zäune, Tore oder andere Zugangsbeschränkungen vom öffentlichen Raum abgetrennt. Ziel ist es, Sicherheit, Exklusivität und Ruhe zu gewährleisten. Der Begriff „Gated Community“ beschreibt damit nicht nur eine bauliche Struktur, sondern auch ein bestimmtes Wohn- und Sicherheitsverständnis in sozial durchmischten Städten.
Vor Ort lässt sich nur feststellen, dass das Grundstück umzäunt ist und der Neubau abgeschlossen wirkt. In direkter Nachbarschaft befinden sich die Musikbrauerei, das Tonstudio sowie die weißen Townhouses aus den frühen 2010er Jahren. Auch wenn das neue Gebäude klein wirkt, bleibt seine Einfügung in das historisch bedeutsame Areal sensibel, nicht zuletzt wegen der langen Vorgeschichte.

Die historische Schneider-Brauerei wurde im 19. Jahrhundert errichtet und gehört zum früheren Vergnügungsareal „Schweizer Garten“. Die markanten Backsteinbauten mit Türmen und Giebeln prägen bis heute das Stadtbild am Hang zwischen Greifswalder Straße und Am Friedrichshain. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Berliner Morgenpost, Architektur Urbanistik, Tagesspiegel
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3 Kommentare
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Man wünschte sich dass mal jemand was vor die hässliche Brandwand baut!
Sehr schöne Anleihe aus der Heimkehrer-Architektur der Nachkriegszeit…
Die Gebäude wurden zur Sicherung der Blickachse auf die Brauerei nicht höher gestaltet. In zwei Gebäudeteilen wird eine Physiotherapie ab Oktober öffnen, im unteren hat ein Musikproduzent neue Büros gefunden.