Großes Interesse, viele offene Fragen und spürbare Sorgen: Die Informationsveranstaltung der DEGES zum Neubau der Westendbrücke machte deutlich, wie sehr Anwohnerinnen und Anwohner unter Lärm, Schwerlastverkehr und unklaren Perspektiven leiden. Zwischen technischen Präsentationen und emotionalen Wortmeldungen zeigte sich, dass der Brückenneubau eine Menge Konfliktpotenzial birgt.

Die DEGES informierte Anwohnerinnen und Anwohner sowie Interessierte über den geplanten Neubau der Westendbrücke. Dafür hatte die Autobahngesellschaft in die Berliner TU geladen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Warum diese Veranstaltung ausgerechnet in einem Hörsaal der Technischen Universität stattfinden müsse und nicht, wie in der Vergangenheit, im Klausener Kiez oder in unmittelbarer Nähe der König-Elisabeth-Straße in Charlottenburg, fragte einer der zahlreich Interessierten.

Für die Fragerunde hatte die DEGES nach grober Zeitvorgabe eine halbe Stunde vorgesehen. Tatsächlich wurde es gut eine Stunde, in der von der DEGES präzise vorbereiteten Informationsrunde. Die Fragerunde im letzten Drittel der Veranstaltung gab dazu Anlass für klare Aussagen.

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Neubau der Westendbrücke: Großes Interesse an der Informationsveranstaltung der DEGES

In einer Präsentation erläuterte Bernd Rothe (DEGES) eingangs, worum es in dieser Informationsveranstaltung ging: um die Vorstellung der Planung, Erläuterungen zum Bauablauf der Westendbrücke und am Ende um die Fragerunde. Die konkrete Situation, die einen Abriss der alten Westendbrücke erforderlich machte, waren erhebliche Baumängel und daraus resultierende Sicherheitsbedenken für den Autoverkehr, aber auch für die S- und Fernbahnen.

Dies sei eine schwerwiegende Entscheidung gewesen, da bereits zuvor der Abriss der Ringbahnbrücke aus den gleichen Gründen vorgenommen werden musste und somit insbesondere die Aufrechterhaltung des Autoverkehrs in nördlicher und südlicher Richtung gewährleistet werden musste.

Anwohner fürchte hohe Lärm- und Umweltbelastung während des Neubaus der Autobahnbrücke

Damit traf Bernd Rothe wohl den Never vieler Anwesender. Denn mit dem am 5. Dezember erfolgten Spatenstich und Baubeginn war allen am Prozess beteiligten Unternehmen und Anwohnern klar, dass dies bis zur Fertigstellung im Sommer 2027 bei fließendem Verkehr – für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Nutzlast – eine große Herausforderung werden wird.

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DEGES-Projektverantwortlicher Peter Grüschow erläuterte noch einmal die Planungsgrundsätze zum Ersatzneubau, wonach die neue Westendbrücke in etwa gleicher Lage und Höhe errichtet wird wie das ehemalige Bauwerk. Leichte Veränderungen werden bei den Ein- und Ausfädelspuren auf dem Spandauer Damm vorgenommen. Aus Sicherheitsgründen werden die Spurlängen auf jeweils 150 Meter verlängert, was eine Vorgabe der Autobahn GmbH ist. Die bisherigen dreispurigen Fahrbahnen bleiben erhalten, nun jedoch mit großzügigeren Verflechtungsstreifen.

Westendbrücke: Verkehrssicherheit und Lärmschutz sollen verbessert werden

Der Ersatzneubau wird somit ohne Kapazitätserweiterung errichtet. Gleichzeitig werden bei der Bauausführung die Anforderungen der Autobahn GmbH berücksichtigt, darunter eine Optimierung der Sichtweiten, reguläre Entwässerungsanlagen, standardgemäße Sicherheitsvorkehrungen wie Schutzplanken sowie ein notwendiges Fahrzeugrückhaltesystem. Insofern sollen durch Anpassungen an den neuesten Stand der Technik die Verkehrssicherheit und insbesondere der Lärmschutz verbessert werden.

Christian Rothe (DEGES) gab einen Überblick zu Bauablauf und Baulogistik. Erneuert werden in jedem Fall die Stützwände an der Nord- und Südseite der Brücke. Die Baustelle wird in einem Mehrschichtbetrieb bis zur Verkehrsfreigabe im Sommer 2027 betrieben, wobei grundsätzlich keine Arbeiten zwischen 22.00 und 06.00 Uhr stattfinden dürfen. Auch lärmintensive Arbeiten in den Randzeiten von 20.00 bis 22.00 Uhr sowie von 06.00 bis 07.00 Uhr sind nicht vorgesehen.

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Ausnahmen für Wochenenden und Nachtarbeiten wird es geben. Diese stehen allerdings im Zusammenhang mit gesonderten Sperrpausen für den Bahnbetrieb und werden entsprechend im Vorfeld bekanntgegeben, so Rothe. Darunter fallen unter anderem die für den Sommer 2026 geplanten zwei Einhübe des Stahlüberbaus. Nachgeordnete Sperrungen in den umliegenden Straßen sind nicht vorgesehen.

DEGES-Informationsveranstaltung in der TU-Berlin: Lärmbelästigung für viele Anwohner der wichtigste Punkt

Dieser Punkt war für die Anwohnerinnen und Anwohner der wichtigste, da es hierbei um die Belastungen während der Bauphase durch Lärm, Staub und Erschütterungen geht. Maßnahmen zur Minderung von Baulärm sieht die DEGES nach der BImSchV durch den Einsatz lärmarmer Geräte, die Anpassung der Bautechnologie – etwa durch eine Reduzierung des Einsatzes von Abbruchhämmern, den Einsatz von Abbruchzangen sowie teilweise durch Zerkleinerung mittels Schneiden – und die bereits erwähnte Vermeidung lärmintensiver Arbeiten in den Randzeiten vor.

Die Anwohnerschaft muss sich dennoch auf Vibrationen bei den Bauarbeiten einstellen, insbesondere bei Abbruch-, Verbau-, Erd- und Straßenbauarbeiten. Die Auswirkungen werden bereits wahrgenommen, bevor es zu Beeinträchtigungen von Gesundheit oder Gebäuden kommt.

Neubau der Westendbrücke: Lärmsensoren sollen die Einhaltung von Grenzwerten kontrollieren

Die Einrichtung von Dauermessstellen soll die Einhaltung der vorgeschriebenen Vorgaben sichern. Bei Überschreitung von Warn- oder Schwellenwerten kann umgehend reagiert werden. Zusätzlich erfolgt im Baustellenumfeld ein Beweissicherungsverfahren, um im Fall eines Schadens mögliche Schadenersatzansprüche zügig klären zu können.

Die eingangs zitierte Frage eines Anwohners, warum die Veranstaltung in der TU und nicht im Wohngebiet stattfindet, wie dies früher bereits der Fall war, blieb unbeantwortet. Überlegungen, dass die DEGES damit einem noch stärkeren Andrang der Anwohnerinnen und Anwohner aus dem Weg gehen wollte, bleiben Spekulation. Naheliegend ist vielmehr die Annahme, dass die technischen Voraussetzungen für die detaillierten und präzise vorgetragenen Präsentationen in einem Hörsaal der Technischen Universität besser gegeben sind.

Die Nachbarschaft im Westend leidet unter dem Schwerlastverkehr in den Wohngebieten

Die Anwohnerinnen und Anwohner beklagen sich seit der Umleitung des Schwerlastverkehrs durch das Wohngebiet – darunter 40-Tonnen-Fahrzeuge mit dauerhaft auch nachts laufenden Kühlaggregaten – über eine Dauerbelastung, die sich in steigenden Krankheitsfällen, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen bei Schulkindern äußert. Bereits jetzt sind Gebäudeschäden in der König-Elisabeth-Straße zu erkennen.

Gefordert wird daher eine erneute Überprüfung der Verhältnismäßigkeit des Schwerlastverkehrs. Diese Forderung wird vom anwesenden SPD-Abgeordneten Niroomand unterstützt, der betonte, dass eine technische Nachjustierung beim Lärm- und Emissionsschutz zwingend erforderlich sei.

Westend: SPD fordert Nachbesserungen beim Lärm- und Emissionsschutz

Ansprechpartner war der als Gast anwesende Herr Hägele von der Berliner Senatskanzlei für Mobilität, Verkehr und Klimaschutz. Er verteidigte die Umleitung des Schwerlastverkehrs durch das Wohngebiet, wurde jedoch von einem Anwohner mit dem Vorwurf konfrontiert, damit gegen Artikel 2 und 20 des Grundgesetzes zu verstoßen, unter Verweis auf ein Interview des rbb vom 3. Juli 2025.

Eine Anwohnerin kritisierte deutlich die aus ihrer Sicht unzureichende Information der DEGES zum Lärmschutz, insbesondere im Bereich des Bahnhofs Westend II. Auch Informationen zu nächtlich durchgeführten Abrissarbeiten seien nicht erfolgt. Die DEGES verortete die Problematik ad hoc bei der Postverteilung und sagte eine entsprechende Prüfung und Klärung zu.

Anwohner kritisieren DEGES für Lärmschutzproblematik hart und fordern Aufklärung

Auch das Klausener-Platz-Bündnis stellte die Lärmschutzproblematik als ernst zu nehmendes Thema in den Mittelpunkt seiner Fragen. Warum beim Ersatzneubau der Westendbrücke keine Lärmschutzwände vorgesehen seien, während beim Ersatzneubau der Ringbahnbrücke entsprechende Maßnahmen geplant seien, blieb ein zentraler Kritikpunkt.

Herr Reichert von der DEGES, offenbar für Emissionsfragen zuständig, stellte eine mögliche Ausbreitungsberechnung bei abweichendem Lärm in Aussicht, verwies jedoch auf den Gesetzgeber, der derzeit für die Westendbrücke keine Lärmschutzwände vorschreibe.

Wird die neue Westendbrücke die EU-Luftqualitätsrichtlinie einhalten?

Zum Abschluss der Fragerunde führten Themen wie die EU-Luftqualitätsrichtlinie ab 2030 und deren Einhaltung auf der Westendbrücke sowie Fragen zum Berliner Luftreinhalteplan zu einer lebhaften Diskussion, die letztlich aber nicht abschließend beantwortet werden konnten.

Beachtenswert war zudem die von einem Anwohner aufgeworfene Frage, warum in der König-Elisabeth-Straße seit der Umleitung des Schwerlastverkehrs keine Buslinie mehr verkehrt. Insbesondere für ältere Menschen stelle dies ein erhebliches Problem dar.

Der Neubau der Westendbrücke birgt eine Menge Konfliktpotenzial

Auch mit dieser Frage wird sich die Senatsverkehrsverwaltung zeitnah auseinandersetzen müssen. Die gut einstündige Fragerunde, die von der DEGES sachlich moderiert wurde, zeigte jedoch, dass zahlreiche Themen offen bleiben, die vermutlich erst im Verlauf der Bauphase und anhand konkreter Situationen geklärt werden können.

Der Neubau der Westendbrücke birgt so also eine Menge Konfliktpotenzial, so viel wurde am Montagabend deutlich. Es wird nicht die letzte Gelgenheit für die Nachbarschaft gewesen sein, um auf die aus ihrer Sicht bestehenden Missstände aufmerksam zu machen.

Viele Anwohnerinnen und Anwohner befürchten vor allem Lärm- und Schmutzbelastung durch den Neubau, der bis 2027 andauern soll. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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