An der Sewanstraße 122 in Lichtenberg soll ein neues Wohnprojekt entstehen. Nach dem Abriss des ehemaligen Kreativhauses „Heikonaut“, der 2024 Kritik auslöste, plant die landeseigene berlinovo dort nun 120 Apartments für Beschäftigte des Landes Berlin. Eine Schriftliche Anfrage im Abgeordnetenhaus gibt Aufschluss über Stand, Hintergründe und Zeitplan des Vorhabens.

Sewanstraße 122 in Lichtenberg

An der Sewanstraße 122 steht bisher ein leerstehendes zweigeschossiges Gebäude. Von Bauarbeiten ist bisher noch nichts auf dem Grundstück zu sehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Auf dem Grundstück Sewanstraße 122 im Ortsteil Friedrichsfelde wird ein Wohnungsneubau vorbereitet. Geplant sind drei zeilenförmige Gebäude mit insgesamt 120 Apartments. Das Projekt richtet sich an Beschäftigte des Landes Berlin und soll preiswerten Wohnraum schaffen. Der Baustart soll aktuell vorbereitet werden, nachdem die rechtlichen Voraussetzungen vorliegen.

Das Areal ist in Lichtenberg seit Jahren bekannt. Bis 2024 nutzten Künstlerinnen und Kreative das ehemalige DDR-Gebäude als Atelier- und Arbeitsort unter dem Namen „Heikonaut“. Der Abriss des Hauses sorgte für öffentliche Kritik, da damit ein gewachsener Kreativstandort verloren ging. Diese Vorgeschichte begleitet das Neubauprojekt bis heute, auch wenn sie politisch nicht weiterverfolgt wurde.

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Das Wohnprojekt an der Sewanstraße 122 entsteht nur wenige Meter vom HOWOGE-Neubau an der Sewanstraße 256 A–C entfernt. Der Neubau soll im Laufe des Jahres fertiggestellt werden.

Sewanstraße 122 in Lichtenberg: Vom ehemaligen Kreativstandort zum Wohnungsneubau

Formell ist das Bauvorhaben an der Sewanstraße 122 weit fortgeschritten. Bereits 2024 lag für das Grundstück ein positiver Bauvorbescheid vor. Der Bauantrag wurde im Februar 2025 eingereicht, die Baugenehmigung folgte am 31. Juli 2025. Damit ist das Projekt planungsrechtlich gesichert.

Der Bezirk Lichtenberg hatte nach eigener Darstellung keine Möglichkeit, ein Vorkaufsrecht auszuüben. Grund dafür war, dass bereits früh ein genehmigungsfähiges Wohnungsbauvorhaben vorlag. Auch ein politisches Ziel, den früheren Kreativstandort zu erhalten, habe es auf Bezirksebene laut einer Schriftlichen Anfrage der Abgeordneten Dr. Stefan Taschner und Julian Schwarze (Grüne) an den Senat, nicht gegeben.

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Berlinovo übernimmt Grundstück Sewanstraße 122: Ankauf im Forward-Funding-Modell

Eigentümerin des Grundstücks ist inzwischen die landeseigene berlinovo. Der Ankauf erfolgte mit Kaufvertrag vom 6. November 2024 als sogenannter Forward-Funding-Deal. Dabei wird das Grundstück mit einer verbindlichen Bauverpflichtung erworben. Die Gebäude sollen schlüsselfertig errichtet und anschließend an berlinovo übergeben werden.

Gespräche mit den damaligen Eigentümern begannen Mitte 2024. Vor dem Ankauf habe es keine Vorabvereinbarungen gegeben. Der Aufsichtsrat der berlinovo stimmte dem Erwerb im September 2024 zu. Damit wurde das Projekt frühzeitig in die landeseigene Wohnungsstrategie eingebunden.

120 Apartments für Beschäftigte des Landes Berlin: Wohnungsbau in Lichtenberg

Geplant sind rund 9.200 Quadratmeter Geschossfläche. Vorgesehen ist ein Mix aus Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen. Das Angebot richtet sich vor allem an Beschäftigte in sogenannten Mangelberufen sowie an Berufsgruppen, für die das Land Berlin gezielt Personal gewinnen möchte. Für diese Form des Beschäftigtenwohnens sieht der Senat ein hohes öffentliches Interesse.

Die Fertigstellung des Wohnprojekts ist für 2027 vorgesehen. Das Projekt soll einen Beitrag zur Entlastung des angespannten Berliner Wohnungsmarkts leisten. Gleichzeitig steht es exemplarisch für die Priorisierung von Wohnungsbau gegenüber anderen Nutzungen im innerstädtischen Raum.

Sewanstraße 122 als Konfliktfall der Stadtentwicklung: Wohnraumbedarf trifft Kreativverlust

Der geplante Neubau an der Sewanstraße 122 zeigt die Spannungen der Berliner Stadtentwicklung. Auf der einen Seite steht der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum für öffentliche Beschäftigte. Auf der anderen Seite bleibt der Verlust eines etablierten Kreativortes, der über Jahre das Quartier prägte. Die damaligen Nutzerinnen kritisierten vor allem die fehlende Transparenz und die späte Kommunikation der Abrisspläne.

Politisch gilt das Projekt inzwischen als gesetzt. Mit der Baugenehmigung und dem Ankauf durch berlinovo ist der Weg für die Umsetzung frei. Die Debatte um den früheren Kreativstandort bleibt dennoch Teil der Geschichte dieses Ortes, auch wenn sie im aktuellen Verfahren keine Rolle mehr spielt.

Sewanstraße 122 in Lichtenberg

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Taz, CRX Management GmbH

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2 Kommentare

  1. anthierfelder1805@gmail.com 28. Februar 2026 at 22:14 - Reply

    Wieder ein Beispiel wie wir gewachsene Natur zerstören – der Mensch gräbt sich sein eigenes Grab !!!

  2. Mazen Nwelati 1. März 2026 at 13:43 - Reply

    Gestern haben sie die Zerstörung der Natur angefangen!!!
    Die uralten Bäume wurden gefällt, die Vögel flohen und die Eichhörnchen wurden vertrieben.😥😥😥

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