Im Pankower Ortsteil Buch rückt der Schutz der sogenannten Moorlinse stärker in den Fokus. Aus einer aktuellen Antwort des Berliner Senats auf eine parlamentarische Anfrage geht hervor, dass eine Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet geprüft wird. Welche Folgen dies für das geplante Stadtquartier „Am Sandhaus“ mit bis zu 2.700 Wohnungen haben könnte, ist derzeit noch offen.

Der Bebauungsplan 3-95 „Am Sandhaus“ sieht bislang auch eine Randbebauung nördlich und westlich der Moorlinse vor. Diese Flächen gehören zum geplanten Quartier mit insgesamt rund 2.700 Wohnungen und werden inzwischen von den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften HOWOGE und Berlinovo entwickelt. / © Visualisierung: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
© Visualisierung Titelbild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Die Moorlinse im Norden des Ortsteils Buch beschäftigt seit Jahren Politik und Verwaltung. Bereits 2023 hatte die Bezirksverordnetenversammlung Pankow den Senat aufgefordert, das Biotop besser zu schützen und eine zu nahe Bebauung zu vermeiden. Konkret geht es um den Bebauungsplan 3-95 „Am Sandhaus“, der bislang auch eine Blockrandbebauung in unmittelbarer Nähe vorsieht.
Auf eine aktuelle Anfrage der Grünen-Abgeordneten Bettina Jarasch antwortete der Senat nun, dass ihm derzeit keine offiziellen Änderungen am Entwurf des Bebauungsplans vorlägen. Gleichzeitig werde jedoch untersucht, welche Auswirkungen das geplante Bauvorhaben auf angrenzende Schutzgebiete haben könnte.
Bebauungsplan „Am Sandhaus“ und Moorlinse: Senat prüft mögliche Auswirkungen
Zentrales Instrument der laufenden Prüfung ist eine simulierte FFH-Verträglichkeitsprüfung. Sie soll klären, ob und in welchem Umfang das geplante Quartier negative Auswirkungen auf geschützte Lebensräume und Arten hätte. Ergebnisse liegen bislang nicht vor. Damit bleibt auch offen, ob Anpassungen am Bebauungsplan notwendig werden.
Sollten Beeinträchtigungen nicht ausgeschlossen werden können, müssten entweder Änderungen vorgenommen oder Ausnahmevoraussetzungen geprüft werden. Erst auf dieser Grundlage kann entschieden werden, ob das Vorhaben mit europäischem Naturschutzrecht vereinbar ist.
Moorlinse in Pankow soll Teil eines Naturschutz- und EU-Vogelschutzgebiets werden
Parallel dazu treibt der Senat ein formelles Unterschutzstellungsverfahren voran. Geplant ist, sowohl die große als auch die kleine Moorlinse als Naturschutzgebiet auszuweisen. Dies soll im Rahmen einer Erweiterung des bestehenden Schutzgebiets „Bogenseekette und Lietzengrabenniederung“ erfolgen.
Darüber hinaus wird geprüft, ob der gesamte Schutzgebietskomplex, einschließlich der Moorlinse und der Karower Teiche, als europäisches Vogelschutzgebiet gemeldet werden kann. Maßgeblich dafür ist das Vorkommen seltener Vogelarten, die unter besonderem Schutz stehen.
Beteiligungsverfahren zur Unterschutzstellung der Moorlinse ist noch nicht abgeschlossen
Für die Ausweisung als Schutzgebiet sind mehrere Beteiligungsschritte vorgesehen. Eine erste Behördenbeteiligung fand bereits zwischen Ende Oktober und Ende November 2025 statt und wird derzeit ausgewertet. Anschließend sollen anerkannte Verbände sowie die Öffentlichkeit beteiligt werden.
Erst nach Abschluss dieser Verfahren kann über die konkrete Ausgestaltung des Schutzgebiets entschieden werden. Auch hier ist der Zeitplan noch offen.
Quartier „Am Sandhaus“ mit 2.700 Wohnungen: Auswirkungen des Naturschutzes offen
Das geplante Stadtquartier „Am Sandhaus“ gilt als eines der größten Wohnungsbauvorhaben im Berliner Norden. Vorgesehen sind langfristig rund 2.700 Wohneinheiten, ergänzt durch soziale Infrastruktur. Der Bebauungsplan befindet sich seit November 2024 im Verfahren, der Hochbau könnte ab 2026 beginnen.
Ob und wie sich eine mögliche Unterschutzstellung der Moorlinse auf das Projekt auswirkt, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Der Senat macht deutlich, dass erst die Ergebnisse der naturschutzfachlichen Prüfungen darüber entscheiden, ob die Planung angepasst werden muss oder als verträglich gilt.

Das geplante neue Stadtquartier „Am Sandhaus“ soll am nördlichen Ende des Pankower Ortsteil Buch entstehen. / © Foto: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Berlinovo Immobilien Gesellschaft, HOWOGE, Abgeordnetenhaus Berlin
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„…der Hochbau könnte frühestens ab 2026 beginnen.“
Früher wäre jetzt auch schwierig.