In Berlin startet ein Pilotprojekt, das ungenutzte Handelsparkplätze nachts für Autofahrer zugänglich macht. Drei Standorte in Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Panketal testen, wie private Flächen den Parkdruck in dicht bebauten Kiezen mindern können. Die wissenschaftliche Begleitung soll zeigen, welches Potenzial in der Umnutzung liegt.
Tierpark Berlin, Lichtenberg
Europasportpark, Prenzlauer Berg
Panketal / Zepernick
© Titelbild: Wikimedia Commons, PantheraLeo1359531, CC BY 4.0
Berlin kämpft seit Jahren mit einer angespannten Parksituation. Während die Zahl der Autos steigt, fehlt vielerorts Raum für Bewohner und Pendler. Gleichzeitig stehen zahlreiche private Stellflächen vor Geschäften abends leer. Eine neue Kooperation zwischen Getränke Hoffmann und dem Parkraumspezialisten Wemolo will dieses Missverhältnis erproben und öffnet erstmals Handelsparkplätze für die nächtliche Nutzung.
Buchbar sind die Stellplätze digital zwischen 17 Uhr und 9.30 Uhr ab zwei Euro pro Nacht. Die Preismodelle umfassen zusätzlich Wochen- und Monatstarife. Getränke Hoffmann sieht nach eigenen Angaben eine sinnvolle Nutzung vorhandener Ressourcen und möchte mit der Öffnung der Flächen zur Entlastung der umliegenden Quartiere beitragen.
Hohe Gebühren und mangelnde Flächen: Parkdruck wächst über Bezirksgrenzen hinweg
Die Ausgangslage ist bekannt. Laut INRIX-Studie 2024 verbringen Berliner Autofahrer im Schnitt 58 Stunden pro Jahr im Stau. Die Kosten der Belastung summieren sich auf über 800 Millionen Euro. Parallel steigen 2026 die Gebühren für Anwohnerparkausweise deutlich an. Durch die ausgeweitete Parkraumbewirtschaftung in Friedrichshain-Kreuzberg weichen viele Fahrer in angrenzende Bezirke aus, was dort zu zusätzlichem Druck führt.
Trotz dieser Situation bleiben viele private Parkflächen besonders nachts ungenutzt. Fachleute weisen seit längerem darauf hin, dass hier ein großes Potenzial für Entlastung besteht. Der Einzelhandel tat sich jedoch bislang schwer mit dem Gedanken, seine Parkplätze zu öffnen. Studien zeigen, dass volle Parkflächen tagsüber Kundinnen und Kunden eher abschrecken könnten.
Drei Standorte starten in die Testphase: So funktioniert das Parkkonzept
Die ersten Pilotflächen liegen am Tierpark in Lichtenberg, am Europasportpark in Prenzlauer Berg und in Panketal nahe dem überfüllten Pendlerparkplatz Zepernick. Die Standorte stehen exemplarisch für unterschiedliche Mobilitätsmuster. In Lichtenberg dürfte der Bedarf mit neuen Wohn- und Gewerbeprojekten weiter steigen. Rund um das Velodrom in Prenzlauer Berg fehlen seit Jahren ausreichende Besucherparkplätze. In Panketal bei Berlin reichen die bestehenden P+R-Angebote regelmäßig nicht aus.
Für die Erfassung der Nutzung setzt Wemolo auf kamerabasierte Free Flow Technologie. Kennzeichen werden dabei automatisch erfasst, Schranken oder Tickets entfallen. Das Unternehmen betreibt bereits europaweit ein großes Netz digital verwalteter Parkflächen.
Parkraum ohne neue Versiegelung: Berlin als Reallabor für smarte Flächennutzung
Begleitet wird das Projekt vom Urban Places Lab. Die Forschenden analysieren Buchungsverhalten und Auslastung, um Empfehlungen für mögliche Erweiterungen zu entwickeln. Nach Einschätzung der Beteiligten könnte Berlin angesichts zahlreicher privater Stellflächen ein geeignetes Testfeld für weitere Modelle sein. Auch der Senat prüft derzeit, wie Supermarktparkplätze systematisch einbezogen werden könnten und arbeitet an einem digitalen Parkraumkonzept.
Ob sich aus dem Pilot ein berlinweites Angebot entwickelt, wird von den Ergebnissen der kommenden Monate abhängen. Klar ist jedoch, dass die Umnutzung bestehender Flächen eine Option darstellt, zusätzlichen Parkraum zu schaffen, ohne neue Bodenversiegelung zu verursachen.
Quellen: Wemolo, deal-magazin, Der Tagesspiegel, B.Z.
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Ich wusste gar nicht, dass Panketal zu Berlin gehört ;)