Die Hamburger Elbbrücken stehen vor einem grundlegenden Umbau. Die Deutsche Bahn will die historischen Eisenbahnüberführungen über die Norderelbe ersetzen und zugleich die Kapazität erhöhen. Damit reagiert sie auf steigende Verkehrsströme im nationalen und europäischen Netz.

Visualisierung der künftigen Eisenbahnbrücken über die Norderelbe

Der Entwurf von Panta Ingenieure und Ney & Partners sieht drei parallel geführte Überbauten mit neu interpretierten Rundbögen vor. Die Konstruktion berücksichtigt den geplanten Bau einer benachbarten U4-Brücke und ordnet die neuen Baukörper so an, dass sie sich in das bestehende Brückenensemble zwischen HafenCity und Veddel einfügen. / © Visualisierung: Deutsche Bahn AG

© Visualisierung Titelbild: Deutsche Bahn AG

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Die Querung der Norderelbe über die „Hamburger Elbbrücken“ bündelt den gesamten Fern- und Güterverkehr auf der Nord-Süd-Achse. Täglich passieren rund 660 Züge die beiden Eisenbahnüberführungen aus den 1920er Jahren.

Damit zählt der Abschnitt zu den am stärksten belasteten Strecken im deutschen Netz. Nach Angaben der Stadt Hamburg liegt die Auslastung bereits deutlich über der rechnerischen Kapazität. Gleichzeitig stehen die Brücken seit 2021 unter Denkmalschutz und prägen mit ihren markanten Rundbögen das Stadtbild.

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Historisches Bauwerk der 1920er Jahre: Hamburger Elbbrücken müssen erneuert werden

Trotz ihres historischen Wertes stoßen die Bauwerke technisch an Grenzen. Materialermüdung, gestiegene Sicherheitsanforderungen und statische Vorgaben lassen eine langfristige Nutzung nur eingeschränkt zu.

Eine Sanierung prüften Bahn und Stadt intensiv. Sie kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass sich die Konstruktionen weder wirtschaftlich noch technisch für die kommenden Jahrzehnte ertüchtigen lassen. Daher entschieden sich die Beteiligten für einen vollständigen Ersatzneubau.

Ausbau auf sechs Gleise in Hamburg: Kapazitätserweiterung als Teil des europäischen Korridors von Skandinavien bis zum Mittelmeer

Künftig sollen sechs statt vier Gleise die Elbe queren. Neben dem Ersatz der beiden bestehenden Eisenbahnbrücken plant die Deutsche Bahn deshalb eine zusätzliche dritte Überführung. Verkehrssenator Anjes Tjarks (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) erklärte bei der Vorstellung des Entwurfs im Rathaus, Hamburg erhalte damit erstmals seit rund 100 Jahren zusätzliche Fernbahngleise über die Elbe. Dadurch stärke man den Bahnknoten der Metropolregion und erhöhe zugleich die Stabilität im überregionalen Verkehr.

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Das Projekt steht zudem im Zusammenhang mit dem europäischen Korridor „Skandinavien-Mittelmeer“. Mit dem „Fehmarnbelt-Tunnel“ im Norden sowie dem geplanten Ausbau der Strecke „Hamburg-Hannover“ im Süden wird der Verkehr weiter zunehmen.

In diesem Gefüge bilden die Elbbrücken das verbindende Element zwischen den Ausbaustrecken. Der sechsgleisige Ausbau soll daher nicht nur lokale Engpässe entschärfen, sondern auch internationale Verbindungen leistungsfähiger machen.

Gestalterische Einbindung in das denkmalgeschützte Ensemble in Hamburg: Neuer Entwurf zwischen Tradition und Eigenständigkeit

Den Siegerentwurf entwickelten Panta Ingenieure aus Hamburg gemeinsam mit Ney & Partners aus Brüssel. Die Planer greifen die charakteristischen Rundbögen der bestehenden Brücken auf und interpretieren sie in zeitgemäßer Form. So bleibt der Bezug zum historischen Ensemble erhalten, während die Neubauten als eigenständige Konstruktionen erkennbar bleiben.

Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing erläuterte, die neuen Brücken nähmen gestalterische Anleihen am Bestand, entwickelten jedoch eine präzise und klar proportionierte Formensprache. Gerade weil auch die benachbarte Freihafenelbbrücke unter Denkmalschutz steht, spielte die Einbindung in das Stadtbild im Planungswettbewerb eine zentrale Rolle.

Bauablauf unter laufendem Betrieb in Hamburg: Sieben Jahre Großbaustelle ab den 2030er Jahren

Den Neubau will die Deutsche Bahn unter rollendem Rad realisieren. Zunächst entstehen im Bereich der „Freihafenelbbrücke“ zwei neue Eisenbahnbrücken. Anschließend die bestehenden Überführungen zurück gebaut und die Neubauten an ihre endgültige Position verschoben. Danach ergänzt man die dritte Brücke, sodass am Ende sechs Gleise zur Verfügung stehen.

Ganz ohne Einschränkungen wird der Bau jedoch nicht ablaufen. Während der Umlegung des Verkehrs auf Interimsbrücken sowie bei der späteren Rückverlegung plant die Bahn jeweils mehrwöchige Sperrungen.

Der Baubeginn ist frühestens für die frühen 2030er Jahre vorgesehen, die Bauzeit soll rund sieben Jahre betragen. Die Kosten liegen nach Angaben der Deutschen Bahn bei mehr als einer Milliarde Euro. Damit steht Hamburg vor einem langfristigen Infrastrukturprojekt, das den Bahnverkehr und das Stadtbild über viele Jahre hinweg prägen wird.

historischen Norderelbbrücken

Die bestehenden Norderelbbrücken mit ihren markanten Stahl-Rundbögen prägen seit den 1920er-Jahren die Silhouette zwischen HafenCity und Veddel. Über die beiden Eisenbahnüberführungen verläuft der gesamte Fern- und Güterverkehr Richtung Süden. / © Foto: Deutsche Bahn AG

Quellen: Deutsche Bahn AG, Norddeutscher Rundfunk

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