An der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten entstehen derzeit zwei markante Neubauprojekte. Nun gibt es Diskussionen über einen dritten Neubau, der direkt zwischen den Bauvorhaben „Equalizer“ und John-Jahr-Haus entstehen könnte. Dafür müsste allerdings ein Wohnhaus aus den 1970er Jahren abgerissen werden.

Zwei Hochhausprojekte an der Kurfürstenstraße in Berlin-Tiergarten rahmen ein Wohnhaus aus den 1970er Jahren ein. Nun möchte der Eigentümer das Gebäude offenbar abreißen lassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die Kurfürstenstraße verändert sich rasant. Zwischen Nollendorfplatz, Wittenbergplatz und der Urania entwickelt sich ein Korridor großflächiger Bautätigkeit, der die City West städtebaulich neu formt. Mit dem John-Jahr-Haus und dem Projekt „Equalizer“ entstehen derzeit zwei architektonisch markante Neubauten. An beiden Gebäuden sind bereits große Teile der Fassade montiert, sie setzen einen selbstbewussten Akzent im Stadtbild.

Doch die Entwicklung könnte noch einen weiteren Schritt gehen: Genau zwischen beiden Neubauprojekten liegt ein weiteres Grundstück, auf dem nach Informationen der Berliner Morgenpost ein zusätzlicher Neubau entstehen soll. Das Areal liegt zwischen dem neuen Hochhaus der Familie Jahr und dem nebenan entstehenden Büroprojekt „Equalizer“. Eine der prominentesten Kreuzungslagen der City West könnte damit in wenigen Jahren vollständig neu bebaut sein.

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Zwischen John-Jahr-Haus und „Equalizer“: Mögliches Neubauprojekt auf engem Raum an der Kurfürstenstraße

Das Umfeld zwischen Kurfürstenstraße und Schillstraße befindet sich bereits seit mehreren Jahren im baulichen Umbruch. Häuser aus der Nachkriegszeit weichen modernen Büro- und Gewerbebauten. Während der „Equalizer“ ein klar auf New-Work-Strukturen ausgelegtes Büroprojekt wird, tritt das John-Jahr-Haus als repräsentativer Neubau der Verlegerfamilie Jahr auf, mit Flächen für Wohnungen und Gewerbe.

Nun rückt ein drittes Grundstück ins Zentrum: Kurfürstenstraße 75. Das Wohnhaus aus den 1970er-Jahren soll nach dem Willen des Eigentümers abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Die Mieterinnen und Mieter, viele seit Jahrzehnten im Haus, wehren sich allerdings gegen die Verwertungskündigungen. Laut Eigentümer habe man „vergleichbare Alternativwohnungen“ und Ausgleichszahlungen angeboten, berichtete die Morgenpost.

Berlin-Mitte: Bezirk will mit Bebauungsplan Wohnraum in der Innenstadt schützen

Der Bezirk reagierte demnach auf die Neubaupläne. Ein neuer Bebauungsplan wurde initiiert, der das Gebiet von einem reinen Kerngebiet in ein Mischgebiet umwidmet. Damit soll Wohnraum künftig besser geschützt werden. Für die Mietparteien der Kurfürstenstraße 75 kommt diese Entscheidung womöglich jedoch zu spät.

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Direkt gegenüber des John-Jahr-Hauses befindet sich ein weiteres Grundstück, das seit Jahren brach liegt. An der Adresse Urania 4–10 (Schöneberg) stand für mehrere Jahrzehnte ein Verwaltungsbau aus dem Jahr 1967 – und er stand lange vor dem Abriss. Denn der einstige Bürokomplex war seit rund sechs Jahren leer und wurde bis zum Sommer 2024 zurückgebaut. Mittlerweile ist das Gebäude vollständig abgetragen worden, das Gelände liegt seit über einem Jahr brach. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verantwortete den Rückbau.

Brache An der Urania: Wann kommt die geplante Unterkunft für Geflüchtete?

Geplant war an dieser Stelle ein Neubau mit gemischter Nutzung. In einem städtebaulichen Werkstattverfahren, das bereits 2018 durchgeführt wurde, ging ein Entwurf hervor, der eine Nutzfläche von rund 24.000 Quadratmetern vorsah. Geplant waren neben Wohnungen auch Flächen für Verwaltung, soziale Einrichtungen sowie Gastronomie und Einzelhandel im Erdgeschoss. Ergänzt werden sollte das Ensemble durch einen begrünten Innenhof.

Überraschend kündigte die Finanzverwaltung im April 2025 jedoch eine vorläufige Zwischenlösung an. Finanzstaatssekretär Wolfgang Schyrocki teilte damals mit, dass bis zur Schaffung des notwendigen Planungsrechts und dem tatsächlichen Baustart eine temporäre Nutzung des Geländes geprüft werde.

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Streit um Abriss und Neubau entlang der Kurfürstenstraße

Konkret gehe es um die Aufstellung dreigeschossiger Wohncontainer zur Unterbringung von Geflüchteten. Doch auch diese Zwischennutzung ist bislang nicht in Aussicht, auf dem Gelände tut sich bislang rein gar nichts. Während direkt gegenüber, an der Kurfürstenstraße 75, um neuen Wohnraum gerungen wird, steht auf der anderen Straßenseite ein riesiges Areal leer.

Allerdings liegen die Zuständigkeiten für die zwei Projekte in unterschiedlichen Bezirken. Weil die Immobilie an der Kurfürstenstraße 75 im Ortsteil Tiergarten liegt, ist der Bezirk Berlin-Mitte dafür zuständig. Das Grundstück An der Urania 4-10 liegt im Ortsteil Schöneberg, und damit ist der Bezirk Tempelhof-Schöneberg hier in der Verantwortung. Das städtebauliche Bild in diesem Areal wird sich in den kommenden Jahren also aller Voraussicht nach weiter wandeln.

Quellen: kadawittfeldarchitektur, Deutschen Immobilien Entwicklungs AG, Architektur Urbanistik Berlin, Bezirksamt Mitte, ZECH Hochbau AG, Service-Developer Hamburg Team, Bundesanstalt für Immobilienaufgaben 

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One Comment

  1. Frank Bertermann 11. November 2025 at 14:27 - Reply

    zu Kurfürstenstraße 75 & Bezirk will mit Bebauungsplan Wohnraum in der Innenstadt schützen:
    1. Zutreffend ist: Der Bebauungsplan wurde nicht von Kerngebiet zu Mischgebiet geändert, sondern von Kerngebiet zu Urbanes Gebiet.
    2. Woher kommt die Einschätzung: „Für die Mietparteien der Kurfürstenstraße 75 kommt diese Entscheidung womöglich jedoch zu spät.“. Zutreffend dürfte dagegen eher sein, dass für kommenden Bauvoranfragen oder Bauanträge der neue B-Plan gilt, und damit auch, dass das Gebäude dem Zweckenfremdungsrecht unterliegt. Bezüglich des genehmigten Bauvorbescheids vom August 2023 ist der Status Quo, dass dieser zum August 2025 ausgelaufen ist und damit keine Rechtskraft mehr entfaltet.

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