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Am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg wird nach langem Vorlauf ein städtebaulicher Lückenschluss realisiert: Das Büroprojekt „NO6“ entsteht direkt neben dem denkmalgeschützten Metropol-Theater. Mit architektonischem Feingefühl und nachhaltigem Energiekonzept soll es neue Impulse für das Quartier setzen, am Donnerstag wurde die feierliche Grundsteinlegung begangen.

Neubau am Nollendorfplatz: Das Bürogebäude „NO6“ möchte gestalterische Anleihen beim benachbarten Metropol-Theater nehmen und diese in eine moderne Bauform mit nach innen gewölbten, bodentiefen Fenstern übertragen. / © Visualisierung: Dominik Queck / bloomimages Berlin GmbH

© Visualisierungen: Dominik Queck / bloomimages Berlin GmbH
© Fotos: BAUWENS GmbH & Co. KG

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Nach langen Jahren des Wartens haben am Nollendorfplatz in Berlin-Schöneberg die Bauarbeiten an einem schon vor Jahren konzipierten Gewerbe-Neubau begonnen. Neben dem denkmalgeschützten Metropol-Theater entsteht auf 1.500 Quadratmetern ein Bürogebäude mit Blick auf den U-Bahnhof Nollendorfplatz. Im Frühjahr 2025 wurde das Projekt „NO6“ im Rahmen eines Forward Deals an den Düsseldorfer Private-Equity-Investor COLCAP veräußert.

Das internationale Architekturbüro HENN verfolgt das Ziel, mit dem Entwurf sowohl architektonische Bezüge zur historischen Umgebung herzustellen als auch eine zeitgemäße und zukunftsorientierte Gestaltung zu realisieren. Die oberen Etagen sind vorrangig für Büroflächen vorgesehen, können jedoch auch von Einzelmietern genutzt werden. Im Erdgeschoss ist eine gastronomische Nutzung geplant. Am gestrigen Donnerstagnachmittag wurde die feierliche Grundsteinlegung für das Projekt gefeiert.

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Neubau am Nollendorfplatz: So soll das siebenstöckige Bürogebäude neben dem Metropol-Theater aussehen

Das Bürogebäude „NO6“ möchte gestalterische Anleihen beim benachbarten Metropol-Theater nehmen und diese in eine moderne Bauform mit nach innen gewölbten, bodentiefen Fenstern übertragen. Die horizontale Fortführung des zurückweichenden Giebelansatzes des Theaters soll eine visuelle Verbindung zur Umgebung schaffen. Das Gebäude wird eine Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern umfassen und über sieben Ebenen verfügen.

„Der Start von NO6 in diesem aktuell herausfordernden Marktumfeld ist ein klares Bekenntnis zu unserer Überzeugung: Wer in Qualität investiert, schafft bleibende Werte. Mit NO6 setzen wir ein architektonisches Statement und gestalten Arbeitswelten, die Investoren und Mieter langfristig überzeugen“, so Clemens Stahr vom Unternehmen BAUWENS, welches den Bau realisiert.

Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann freut sich über die Weiterentwicklung des Nollendorfplatzes

Auch Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann lobte die Bedeutung des Projekts für den Standort: „Mit NO6 entsteht nicht nur ein modernes Bürogebäude, sondern auch ein wichtiger Impuls für die Weiterentwicklung des Nollendorfplatzes. Solche Projekte stärken die Attraktivität unseres Bezirks und zeigen, wie sich wirtschaftliche Dynamik und Nachhaltigkeit verbinden lassen.“

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Das Energiekonzept zielt darauf ab, das Gebäude weitgehend CO₂-neutral zu betreiben. Hierfür kommen Photovoltaikanlagen auf dem Dach zum Einsatz, die lokal regenerativen Strom aus Sonnenenergie erzeugen. Dieser wird sowohl für den Betrieb von Wärmepumpen als auch für die dezentrale Warmwasserbereitung sowie für den Strombedarf der Mieter und allgemeiner Nutzung in den Etagen verwendet.

Schöneberg: Photovoltaik und Geothermie sollen die Energieversorgung des Gebäudes sicherstellen

Zusätzlich wird Geothermie genutzt und energieeffiziente Gebäudetechnik implementiert. Die Fassade des Gebäudes ist in ein 5,40-Meter-Raster gegliedert und mit recyceltem Kupfer verkleidet. Mit einem intelligenten Sonnenschutzsystem und einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung möchte Bauwens Development das Konzept ergänzen und das Raumklima optimieren.

Eine extensive Dachbegrünung, ein rund 338 Quadratmeter großer Innenhof sowie acht neu gepflanzte Bäume sollen begrünte Aufenthaltsbereiche im städtischen Umfeld schaffen. Für das Nachhaltigkeitskonzept erhielt das Projekt NO6 das DGNB-Vorzertifikat in Platin. Darüber hinaus werden das WELL-Gold-Zertifikat sowie der Effizienzhaus-Standard 40 angestrebt.

© Visualisierung: Dominik Queck / bloomimages Berlin GmbH

Die Fassade des Büros-Neubaus soll neue Akzente am Nollendorfplatz setzen

Der Entwurf des Architekturbüros HENN sieht einen „skulpturalen Baukörper“ mit markanter Fassade vor, wie es das Büro selbst nennt. Bodentiefe, konkav ausgeformte Fenster sollen das Erscheinungsbild des Gebäudes künftig prägen. Gestalterisch will das Gebäude damit Bezug auf die Rundungen des benachbarten denkmalgeschützten Metropol Theaters nehmen, wie schon oben erwähnt.

Ob dies gelingen wird, bleibt letztlich abzuwarten, doch der Ansatz klingt durchaus spannend. Nutzungen im Erdgeschoss sowie begrünte Außenflächen sollen den Bezug zum öffentlichen Raum stärken.

Der Nollendorfplatz entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Der Nollendorfplatz entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Teil des sogenannten Generalszugs, einer städtebaulichen Achse, die an die Befreiungskriege gegen Napoleon erinnert. Seinen Namen erhielt er in Gedenken an die Schlacht bei Nollendorf, während die angrenzende Kleiststraße nach dem preußischen General Friedrich von Kleist benannt wurde.

Ursprünglich als repräsentativer Schmuckplatz angelegt, wandelte sich der Platz im Laufe der Zeit zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Heute ist er vor allem als Zentrum der queeren Community sowie für sein lebendiges Nachtleben bekannt.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Nollendorfplatz dicht bebaut

Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Nollendorfplatz dicht bebaut, doch alliierte Bombenangriffe zerstörten große Teile der historischen Architektur. In der Nachkriegszeit entstand an der Stelle, wo nun der Neubau realisiert wird, ein zweigeschossiger Zweckbau, der viele Jahre als Spielcasino genutzt wurde. Mit dem geplanten Neubauprojekt soll das Areal nun eine zeitgemäße Neugestaltung erfahren.

Der Neubau hat zudem einen populären Nachbarn, das historische Metropol-Theater. Das Gebäude wurde 1906 als „Neues Schauspielhaus“ eröffnet und war über Jahrzehnte ein wichtiger Ort für Theater, Konzerte und Varieté in Berlin.

Metropol am Nollendorfplatz: Jahrzehnte als zentraler Kulturort in Berlin-Schöneberg

In den 1920er-Jahren erlangte es mit der Piscator-Bühne überregionale Bedeutung als Spielstätte des politischen Theaters. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude unterschiedlich genutzt; zunächst als Kino, später als Diskothek und Konzertsaal.

In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte sich das Metropol zu einem zentralen Ort der Berliner Club- und Musikszene. Nach mehreren Umnutzungen und Sanierungen wurde das Gebäude 2019 wiedereröffnet und dient heute als multifunktionale Veranstaltungsstätte mit historischer Prägung, die allerdings nur unregelmäßig geöffnet wird.

© Foto: BAUWENS GmbH & Co. KG

© Visualisierung: Dominik Queck / bloomimages Berlin GmbH

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Quellen: Immobilienmanager, Bauwens Development Berlin, tip Berlin, HENN

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3 Kommentare

  1. Franz 16. Januar 2026 at 09:22 - Reply

    Gute Sache. Schön wäre es, wenn jetzt noch die Aufenthaltsqualität auf dem Platz davor verbessert werden würde. Gut wäre es, die Parkplätze und die E-Roller verschwinden zu lassen.

  2. Herbert Poy 16. Januar 2026 at 12:55 - Reply

    Furchtbar, gräßlich und wider der historischen Anpassung! Warum ohne Schrägdach, warum mit soviel Fensterfront an diesem Ort? Warum nicht ein Pendent zu der rechten Seite des Mitteltraktes?

  3. Uwe Seehase 16. Januar 2026 at 15:28 - Reply

    Frage für einen Freund: die Wohnung genau hinter diesem Neubau, 1. Stock in der Nollendorfstrasse, wird diese durch diesen Bau mehr oder weniger wert sein?

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