In der Hildegardstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf entsteht ein Wohnhaus in serieller Holzbauweise. Digitale Planung, automatisierte Vorfertigung und modulare Bauweise sollen den Bau beschleunigen und gleichzeitig nachhaltiger machen.
Im überdachten Baustellenbereich werden die vorbereiteten Holzmodule millimetergenau aufgestellt.

Trotz der hohen Effizienz des Baustoffs zeigt sich eine Herausforderung: Holz als Baustoff reagiert empfindlich auf Witterungseinflüsse. Regen und hohe Luftfeuchtigkeit können die Verarbeitung erschweren, weshalb die Baustelle mit großflächigen Schutzplanen überdacht wurde. / © Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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In der Hildegardstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf errichtet die BUWOG gemeinsam mit dem Bauunternehmen Gropyus ein siebenstöckiges Wohnhaus mit 27 Mietwohnungen. Das Projekt ersetzt einen Garagenhof, der lange Zeit ungenutzt war, und schafft auf einer Fläche von rund 4.000 Quadratmetern neuen Wohnraum. Alle Wohnungen sollen barrierefrei sein und über Balkone oder Dachterrassen verfügen.

Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2026 vorgesehen.  Im Hofbereich entstehen zusätzlich zwei Spielplätze, Picknickflächen und grüne Aufenthaltszonen. Damit erhält die Nachbarschaft nicht nur zusätzlichen Wohnraum, sondern auch eine Aufwertung der bislang versiegelten Fläche.

Automatisierte Vorfertigung im Bauwesen: Roboter beschleunigen den Bauprozess

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist die serielle Fertigung in einer Smart Factory in Süddeutschland. Dort produzieren Roboter die standardisierten Wand- und Deckenelemente, die sich flexibel anpassen lassen. Durch diese präzise und schnelle Vorproduktion können Bauzeiten verkürzt und Kosten reduziert werden.

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Die Bauteile werden maschinell millimetergenau gefertigt und anschließend nach Berlin transportiert. Mit diesem Ansatz wollen BUWOG und Gropyus zeigen, dass automatisierte Holzbauweise in Großstädten praktikabel ist.

Digitale Planungsmethoden in der Architektur: Modelle begleiten Bau und Nutzung langfristig

Gropyus arbeitet mit digitalen Gebäudemodellen, die den Bauprozess detailliert abbilden. Diese Modelle bleiben auch nach Fertigstellung bestehen und erleichtern später die Verwaltung und Instandhaltung. So dient die digitale Basis nicht nur während der Bauphase, sondern über den gesamten Lebenszyklus hinweg.

Die durchgängige Digitalisierung ermöglicht außerdem eine effiziente Abstimmung zwischen den beteiligten Akteuren. Planungsänderungen können schneller umgesetzt werden, was Verzögerungen reduziert und die Bauqualität verbessert.

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Effizienz im Bauprozess soll Kosten reduzieren: Weniger Handwerker, kürzere Bauzeiten

Durch den hohen Vorfertigungsgrad sinkt die Zahl der benötigten Handwerker auf der Baustelle um etwa ein Drittel. Aktuell arbeiten auf der Baustelle nach angaben von Gropyus nur 12 Mitarbeiter. Gleichzeitig reduziert sich die Bauzeit um bis zu 50 Prozent. Dadurch verringern sich auch die Belastungen für die Nachbarschaft, etwa durch Lärm oder Verkehr.

Die industrielle Fertigung sorgt zudem für eine gleichbleibende Qualität der Bauelemente. Fehlerquellen auf der Baustelle können minimiert werden, da die präzise Vorfertigung in den Fabriken den größten Teil der Wertschöpfung übernimmt.

Hybridbauweise mit Beton und Holz in der Hildegardstraße: Stabilität trifft Nachhaltigkeit

Das Bauprojekt kombiniert Holz- und Betonbauweise. Während die oberirdischen Etagen in Holzrahmenbauweise entstehen, bestehen die unterste Etage sowie die Treppenhäuser aus Beton. Damit werden die Anforderungen der Gebäudeklasse 5 berücksichtigt und gleichzeitig nachhaltige Materialien eingesetzt.

Durch diese Bauweise verbinden sich Stabilität, Brandschutz und Nachhaltigkeit. Beton sorgt für die notwendige Sicherheit und Tragfähigkeit, während die Holzelemente die CO2-Bilanz verbessern.

Nachverdichtung in der Stadt als Maßnahme gegen Wohnungsmangel: Mehr Wohnraum und neue Freiflächen

Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Nachverdichtung im urbanen Raum. Auf einem Grundstück, das zuvor nur als Garagenhof genutzt wurde, entsteht nun ein Wohngebäude mit gemeinschaftlich nutzbaren Außenflächen. So entsteht nicht nur zusätzlicher Wohnraum, sondern auch eine städtebauliche Aufwertung.

Die geplante Gestaltung des Hofes mit Spielplätzen, Picknickflächen und Aufenthaltsbereichen soll die Lebensqualität für die zukünftigen Bewohnerinnen und Bewohner sowie für die Nachbarschaft insgesamt erhöhen. Damit fügt sich das Projekt in die aktuelle Diskussion um nachhaltige Stadtentwicklung ein.

Errichtete Wand- und Stützelemente im Rohbau des Projekts.

Errichtete Wand- und Stützelemente im Rohbau des Projekts. Beton und Holz werden kombiniert, um Sicherheit und Nachhaltigkeit zu verbinden. Die dicken Holzstützen sind selbst im Brandfall 90 Minuten tragfähig. / © Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

Detailaufnahme eines vorgefertigten Holz-Bodenelements.

Detailaufnahme eines vorgefertigten Holz-Bodenelements. Die präzise Vorfertigung soll Material einsparen und die Qualität sichern. / © Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

Ein Kran hebt ein vorgefertigtes Holz-Bauelement auf die Baustelle in der Hildegardstraße. Die Module werden in Süddeutschland industriell gefertigt und anschließend in Berlin montiert. / © Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: BUWOG, GROPYUS, ImmoFokus Timeline

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