Während herkömmliche Baustoffe wie Beton und Asphalt das Klima massiv belasten, wächst der Druck auf Städte, ressourcenschonende Alternativen zu finden. In Berlin rücken nun zirkuläre Baustoffe wie die „EcoFlakes“ des Unternehmens ecopals in den Fokus, die Recyclingkunststoffe in den Asphalt zurückbringen. Sie versprechen weniger Emissionen und längere Standzeiten.

Straßen prägen den Alltag in Berlin. Sie sind Schulweg, Lieferroute und Verkehrsader zugleich. Rund 5.400 Kilometer asphaltierte Flächen verbinden die Kieze miteinander und bilden das funktionale Rückgrat der Stadt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Depositphotos.com
Straßen gelten als selbstverständliche Infrastruktur, doch ihr ökologischer Fußabdruck ist erheblich. In Deutschland werden jedes Jahr zig Millionen Tonnen Asphalt verbaut, für Produktion und Einbau fallen große Mengen Energie und CO₂ an. Gerade in einer wachsenden Metropole wie Berlin, die sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt hat, wird der Straßenbelag damit zu einem strategischen Thema der Stadtentwicklung.
Zugleich ist der Zustand vieler Fahrbahnen angespannt. Sanierungen kommen oft spät, Reparaturen beschränken sich häufig auf provisorische Flickarbeiten. Fachleute kritisieren, dass dies weder effizient noch nachhaltig sei und langfristig höhere Kosten verursache. In diesem Spannungsfeld aus Investitionsstau, Klimaschutzzielen und knappen Haushalten wächst der Druck, Baustoffe und Bauweisen grundlegend zu verändern.
Asphalt und CO₂: Wie „EcoFlakes“ fossile Polymere durch Recyclingmaterial ersetzen
Asphalt besteht im Kern aus Gestein und Bitumen, einem Erdölprodukt. Bei stark belasteten Straßen werden zusätzlich Polymere eingesetzt, sie machen den Belag elastischer und widerstandsfähiger. Bislang stammen diese Kunststoffe überwiegend aus neuer Produktion, mit einem entsprechend hohem CO₂-Fußabdruck. Gleichzeitig fallen in Deutschland große Mengen schwer recycelbarer Altplastikströme an, die meist in der Verbrennung landen.
An dieser Stelle setzt ecopals an. Das Berliner Unternehmen entwickelt mit „EcoFlakes“ eine Polymermodifikation, die fabrikneue Kunststoffe durch Recyclingmaterial ersetzt. Nach Unternehmensangaben werden dafür schwer verwertbare Verpackungskunststoffe sortiert, gewaschen, zerkleinert und in mehreren Schritten so aufbereitet, dass sie sich mit Bitumen stabil verbinden lassen. Ziel ist es, den Anteil erdölbasierter Neuware zu verringern und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Asphalts zu erhalten.
Weniger CO₂ und längere Haltbarkeit: Was „EcoFlakes“ im Asphalt bewirken
Nach Angaben von ecopals kann der Einsatz von „EcoFlakes“ den CO₂-Ausstoß im Straßenbau deutlich reduzieren. Das Unternehmen verweist auf Berechnungen, wonach sich je Tonne Mischgut Einsparungen von bis zu 20 Prozent ergeben können. Gleichzeitig sollen die modifizierten Asphaltmischungen gegenüber Spurrinnen, Rissbildung und Temperaturschwankungen robuster sein. Straßen müssten dann seltener erneuert werden, was Material, Energie und Sperrzeiten spart.
Wichtig ist dabei, dass die Beläge weiterhin recycelbar bleiben. Laut ecopals lassen sich mit „EcoFlakes“ gebaute Straßen am Ende ihrer Nutzungsdauer wieder aufnehmen, aufbereiten und in neuen Asphaltschichten einsetzen. Damit wird der Belag selbst zur Ressource. In einer Stadt wie Berlin, in der jedes Jahr zahlreiche Kilometer Straße saniert werden, könnte dies mittelfristig neue Kreisläufe im Infrastrukturbau ermöglichen.
Praxis getestet: „EcoFlakes“ bereits in über 35 Straßenbauprojekten im Einsatz
Die Technologie ist bereits im praktischen Einsatz. Ecopals berichtet von mehr als 35 Projekten in sechs Ländern, darunter kommunale Strecken und hochbelastete Autobahnabschnitte. In Deutschland kamen „EcoFlakes“ etwa auf der A7 und der A480 zum Einsatz, wo Binderschichten für hohe Verkehrslasten ausgelegt wurden. Prüfungen hätten gezeigt, dass die Leistungsfähigkeit mindestens dem Niveau herkömmlicher Asphaltkonstruktionen entspreche.
Auch in Berlin wurden erste Abschnitte mit „EcoFlakes“ asphaltiert, etwa im Bereich der Torgauer Straße am EUREF-Campus. Für die Stadt sind solche Pilotstrecken ein Testfeld, um Materialeigenschaften, Bauabläufe und mögliche Einsparpotenziale unter realen Bedingungen zu bewerten. Ob und in welchem Umfang die Technologie künftig breiter eingesetzt wird, hängt auch von Erfahrungen im Betrieb und von zukünftigen Ausschreibungen ab.
Nachhaltiger Straßenbau in Berlin: Politik, Recycling und neue Marktanforderungen
Berlin verfügt über eine ausgebaute Recyclingwirtschaft, hohe Infrastrukturbedarfe und einen wachsenden Druck, CO₂-Emissionen im Bauwesen zu senken. Ecopals möchte dort ansetzen. Recyclingströme könnten stärker regional genutzt und Materialkreisläufe geschlossen werden. Das Land fördert das Unternehmen bereits im Rahmen von Innovationsprogrammen.
Parallel verschärfen sich politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen. CO₂-Bepreisung, Klimaschutzauflagen und die Diskussion um nachhaltige öffentliche Beschaffung verändern den Markt. Für Berlin stellt sich damit die grundsätzliche Frage: Was soll als „normal“ im Straßenbau gelten und wie kann Nachhaltigkeit in die Baubranche integriert werden?
Mehr über die Zukunft des nachhaltigen Straßenbaus diskutieren wir im aktuellen ENTWICKLUNGSSTADT-Podcast – jetzt auf Spotify.
Quellen: ecopals, Dallhoff GmbH, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Ingeniuer.de
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„Vor allem aber reduziert die regionale Produktion den CO2-Fußabdruck des Asphalts um bis zu 30 Prozent.“
„Es gibt auch Kritik an dem Verfahren: Durch den großflächigen Einsatz von Kunststoffen in der Umwelt könnten diese durch Abrieb und Alterungsprozesse freigesetzt werden, sodass Mikroplastik in die Umwelt gelangt. Befürworter der Innovation argumentieren, dass sich der Kunststoff bei hohen Temperaturen vollständig mit dem Bitumen vermischt und somit kein Mikroplastik entsteht.“ https://www.vaillant.de/21-grad/wissen-und-wert/strassenbelag-aus-plastikmuell-eine-nachhaltige-option-fuer-unsere-strassen
Sollte die Entstehung und Umweltkontamination mit dem Mikorplastikabrieb gering sein, wäre das wohl verkraftbar.
Mikroplastik: EU-Parlament beschließt neue Vorschriften
23.10.2025 https://www.dw.com/de/mikroplastik-eu-parlament-beschließt-neue-vorschriften/a-74472448
Wie auch immer, letztlich wird man nicht umhin kommen Straßenbeläge eines Tages zu 100% zu recyceln. Denn läßt man Städte und Gemeindenmal außen vor, ist es doch ein Wahnsinn, wenn man auf den Autobahnen beobachtet, was dort jedesmal an Ressourcen reingeknallt wird. Man sieht gefühlt jeden Autobahnabschnitt, den man so regelmäßig befährt, alle 10 Jahre durch die überaus hohe Beanspruchung aus dem LKW-Verkehr dahingehen, da wird das Downcyceln der Beläge während der Sarnierung, auf Dauer nicht mehr tragfähig sein.