In Berlin-Neukölln entsteht ein innovatives Wohnprojekt, das ökologische Bauweisen vergleichbar machen soll. Zwei nahezu identische Gebäude werden in Alt-Britz errichtet, um den Einsatz nachhaltiger Baustoffe wie Holz, Lehm und Ziegel unter realen Bedingungen zu untersuchen.

Detailansicht der Baustelle des Holzwohnhauses in Berlin-Britz. Das Gebäude ist eingerüstet und mit Planen bedeckt. Im Vordergrund liegen Baustellenmaterialien wie Dämmstoffe und Ziegel.

Der Holzbau an der Straßenseite ist vollständig eingerüstet und mit Planen geschützt. STADT UND LAND erprobt hier in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten ökologische Bauweisen im direkten Vergleich. Der Fokus des Projekts liegt auf CO2-Einsparung und Energieeffizienz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Visualisierung: Bruno Fioretti Marquez mit ZRS Architekten, STADT UND LAND

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Im Neuköllner Ortsteil Britz entwickelt die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft STADT UND LAND ein Pilotprojekt, das den Fokus auf nachhaltiges Bauen legt. Auf dem Grundstück Alt-Britz 107 entstehen derzeit zwei fünfgeschossige Wohnhäuser mit insgesamt 36 Mietwohnungen. Das Besondere: Die Gebäude sind in ihrer Lage, Größe, Geschossigkeit und Raumaufteilung identisch geplant, unterscheiden sich jedoch in der Bauweise. Während eines der Häuser aus Ziegeln und Lehm errichtet wird, besteht das andere überwiegend aus Holz und Lehm.

Durch diesen gezielten Unterschied lassen sich die Auswirkungen der Baustoffe auf CO2-Bilanz, Energieverbrauch und Raumklima systematisch untersuchen. Die Gebäude ergänzen eine bestehende Wohnanlage und sind so in das gewachsene städtische Umfeld eingebunden.

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Der Grundgedanke hinter dem Projekt in Neukölln: Materialien unter vergleichbaren Bedingungen bewerten

Die zentrale Fragestellung des Projekts lautet, wie groß der Einfluss nachhaltiger Baustoffe auf Umweltwirkungen und langfristige Kosten ist. Die Projektverantwortlichen möchten unter anderem herausfinden, wie viel CO2 sich durch den Einsatz von Holz, Lehm, Zellulose oder Recycling-Materialien im Vergleich zu konventionellen Bauweisen einsparen lässt. Gleichzeitig spielt die Frage eine Rolle, ob sich die höheren Investitionskosten langfristig durch geringere Betriebskosten und eine bessere Umweltbilanz ausgleichen lassen.

Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der sogenannte Low-Tech-Ansatz. Statt auf aufwendige Klima- und Lüftungstechnik zu setzen, sollen natürliche Baustoffe und klug geplante Raumstrukturen für ein angenehmes Raumklima sorgen. So werden beispielsweise Feuchträume an die Gebäudeaußenwand verlegt und mit Materialien ausgestattet, die Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Dadurch lässt sich auf zusätzliche Belüftungstechnik verzichten.

Stand der Bauarbeiten in Alt-Britz: Beide Gebäude im Rohbau erkennbar

Aktuelle Fotos zeigen den Fortschritt auf der Baustelle. Das vordere Gebäude, das in Holzbauweise entsteht, ist vollständig eingerüstet, um es vor der Witterung zu schützen. Baustellenmaterialien wie Dämmplatten und Ziegel sind gestapelt. Hinter dem Holzbau steht das zweite Gebäude, das in massiver Ziegelbauweise errichtet wird und im Innenraum überwiegend mit Lehm verputzt wird. Hier ist der Rohbau abgeschlossen und die Fenster sind eingesetzt.

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Beide Gebäude sind in ihrer Grundstruktur gut zu erkennen, was darauf schließen lässt, dass der Rohbau weit fortgeschritten ist. Während das Holzgebäude vorgefertigte Bauelemente verwendet, entsteht das Ziegelhaus direkt vor Ort. Die Arbeiten konzentrieren sich derzeit auf den Fassadenausbau und den Innenausbau.

Wissenschaftliche Begleitung durch drei Universitäten sichert fundierte Ergebnisse am Projekt in Alt-Britz

Damit die Erkenntnisse aus dem Projekt wissenschaftlich belastbar sind, begleiten drei Hochschulen das Bauvorhaben: die Technische Universität Berlin, die TU Braunschweig und die Universität Stuttgart. Die beteiligten Professorinnen und Professoren analysieren während der Bauphase und im späteren Betrieb zahlreiche Parameter wie Energieeffizienz, Aufenthaltsqualität, CO2-Bilanz und Lebenszykluskosten der Gebäude.

Diese wissenschaftliche Auswertung soll belastbare Aussagen darüber ermöglichen, welche Bauweise sich langfristig ökologisch und wirtschaftlich besser eignet. Die gewonnenen Erkenntnisse können so in zukünftige Projekte des kommunalen Wohnungsbaus einfließen.

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Soziale Aspekte sind fester Bestandteil der Planung: Barrierefreiheit und geförderte Wohnungen in Britz

Neben den ökologischen Zielen berücksichtigt das Projekt auch soziale Anforderungen. Von den 36 Mietwohnungen sollen 18 barrierefrei zugänglich sein. Zudem sind sechs Wohnungen für Haushalte mit Wohnberechtigungsschein. Die STADT UND LAND kombiniert somit nachhaltiges Bauen mit sozialer Wohnraumversorgung.

Die Fertigstellung der beiden Gebäude war ursprünglich für das zweite Quartal 2025 vorgesehen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Bau jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch nach der endgültigen Fertigstellung soll das Monitoring weitergeführt werden. Ziel ist es, im laufenden Betrieb langfristige Daten zu Energieverbrauch, Wohnqualität und Wartungsaufwand zu erfassen und auszuwerten.

Blick auf zwei im Bau befindliche Wohngebäude in Berlin-Britz. Im Vordergrund steht ein eingerüstetes Holzhaus mit schützender Plane. Dahinter ist ein Rohbau aus Ziegelmauerwerk zu sehen.

Auf dem Grundstück Alt-Britz 107 entstehen zwei fünfgeschossige Wohnhäuser mit 36 Mietwohnungen. Im Vordergrund ist das Holzgebäude zu sehen, das in der Werkstatt vorgefertigt und vor Ort montiert wird. Dahinter schreitet der Bau des Ziegelgebäudes voran. Beide Gebäude werden im Rahmen eines Forschungsprojekts zu nachhaltigem Bauen wissenschaftlich begleitet. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Visualisierung der beiden Gebäude in Britz aus unterschiedlichen Baumaterialien.

© Visualisierung: Bruno Fioretti Marquez mit ZRS Architekten, STADT UND LAND

Quellen: Stadt und Land, dba, Bruno Fioretti Marquez, ZRS Architekten, STADT UND LAND

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One Comment

  1. A.Tirpitz 8. August 2025 at 14:47 - Reply

    Läuft seit 13 Jahren in Bayern mit der TU München: https://www.einfach-bauen.net/#einfach-bauen

    Habe zweimal Präsentationen gesehen, einmal davon selbst im Büro.
    Jetzt wende ich es selber im privaten Bereich an….z.B: Nie wieder zusätzlich aufgebrachte Wärmedämmung
    (ist ohnehin jetzt als Sondermüll klassifiziert) und keine kontrollierte Be-und Entlüftung in Eigenheimen mehr.

    Der erste Satz soll keine Häme sein. Ganz im Gegenteil, denn es ist mal ganz und gar interessant,
    welche Ergebnisse zwei unterschiedliche Teams zu Tage fördern.

    Betrachtet man die Wirtschaft eines Landes als Glasperlenspiel, müßte man das auf alles anwenden.
    Denn Deutsche Produkte ( Kriegsgerät, Autos, Baunebenprodukte, Maschinen und zig andere)
    haben oft eins gemeinsam: Sie sind ingenieurstechnisch überzüchtet und wartungsanfällig.
    Davon müssen wir wieder weg bzw. einen sinnvollen Mittelweg gehen.

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