In Friedrichshain entsteht hinter der ehemaligen Polizeigarage ein Nachbarschaftsgarten. Anwohnende, Initiativen und die Volkssolidarität planen dort gemeinsam ein Stück Stadtgrün. Ziel ist es, den Innenhof des neuen Stadtteilzentrums „Frieder“ zu einem klimafreundlichen Treffpunkt für alle Generationen zu entwickeln.

Der Bau des künftigen Stadtteilzentrums „Frieder“ in Friedrichshain geht voran. Das Gebäude wirkt äußerlich bereits weitgehend errichtet: Die Grundstruktur steht, die Fassade ist jedoch noch im Rohbauzustand. Fensterrahmen sind eingesetzt, einige Öffnungen sind aber noch mit Holzplatten verschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Friedrichshain-Kreuzberg gilt mit 68 Prozent versiegelter Fläche als der am stärksten verdichtete Bezirk Berlins. Gleichzeitig weist er die höchste Bevölkerungsdichte der Stadt auf. Laut aktuellem Klimadashboard zählt Friedrichshain-West zu den Quartieren mit der größten Hitzebelastung. Das Klimaanpassungskonzept des Bezirks sieht daher unter anderem die Begrünung von Innenhöfen vor.
Ein Beispiel dafür entsteht derzeit in der Friedenstraße 31–32. Dort wird die Remise der ehemaligen Polizeiwache zum Stadtteilzentrum „Frieder“ umgebaut. Der dazugehörige verwilderte Garten von rund 300 Quadratmetern soll ab 2026 gemeinschaftlich neu gestaltet werden. Gefördert wird das Projekt über das Programm „Nachhaltige Erneuerung“.
Workshop im Stadtteilzentrum „Frieder“: Nachbarschaft entwickelt Ideen für barrierefreie Hochbeete und begrünte Garagenwand
Bereits beim Tag der Städtebauförderung im Mai sammelten Anwohnende erste Ideen für die Hofgestaltung. Am 17. Juli fand ein weiterer Workshop in der ehemaligen LKW-Garage statt. Rund 20 Nachbarinnen und Nachbarn diskutierten dort zusammen mit der Volkssolidarität, dem Kindergarten „Die kleinen Entdecker“ und der Gebietsbeauftragten von Friedrichshain-West über mögliche Gestaltungsvarianten.
Das Landschaftsarchitekturbüro Schönherr hatte den Hof zuvor in vier Bereiche gegliedert. Sechs Themenplakate mit Beispielfotos halfen den Teilnehmenden, ihre Prioritäten sichtbar zu machen. Am meisten Zustimmung erhielten Hochbeete, die auch mit dem Rollstuhl zugänglich sind, eine Pergola mit Sitzgruppe sowie Beerensträucher und Gemüsebeete. Auch die Idee einer begrünten Garagenwand fand breite Unterstützung.
Offene Gartengrenzen und gemeinsame Pflege: Nachbarschaft will Planung, Aufbau und langfristige Nutzung übernehmen
Zwischen den Abstimmungen tauschten sich die Teilnehmenden über mögliche Nutzungen und Abgrenzungen aus. Viele wünschten sich offene Übergänge zum Stadtteilzentrum und zu den Nachbargrundstücken. Lediglich eine Bank könnte die Grenze zur Friedenstraße 33 markieren, während zur Kita hin ein begrünter Zaun mit Tor vorgesehen ist.
Die Gäste erklärten ihre Bereitschaft, nicht nur bei der Planung, sondern auch beim Aufbau einzelner Elemente mitzuwirken. Ebenso signalisierten sie, die Pflege des Gartens langfristig übernehmen zu wollen. Damit ist die Grundlage für eine gemeinschaftliche Umsetzung im kommenden Jahr gelegt.
Stadtteilzentrum „Frieder“ verbindet Sanierung der alten Polizeiwache mit neuen Kultur- und Bildungsangeboten sowie einem Nachbarschaftsgarten
Das Stadtteilzentrum „Frieder“ entsteht im Seitenflügel der ehemaligen Polizeiwache und soll Ende 2025 eröffnet werden. Eigentümerin der Immobilie ist das Land Berlin, die Sanierung wird mit Fördermitteln umgesetzt. Trägerin des Zentrums ist die Volkssolidarität, die bereits an mehreren Standorten in Friedrichshain aktiv ist.
Geplant sind ein Multifunktionsraum, eine Kiezküche, Werkstätten sowie Räume für Kultur- und Bildungsangebote. Zusammen mit dem neuen Nachbarschaftsgarten soll „Frieder“ zu einem Ort der Begegnung werden, der soziale, kulturelle und ökologische Aspekte miteinander verbindet.
Nach der Sommerpause will das Büro Schönherr einen ersten Entwurfsplan präsentieren und weitere Nachbarinnen und Nachbarn in den Prozess einbinden. Ziel ist es, die Grünfläche klimaresilient zu bepflanzen und den Hof als Treffpunkt für alle Generationen nutzbar zu machen. Damit könnte auch dieses kleine Projekt einen Beitrag zur Erreichung der Berliner Klimaziele leisten.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Opsina Imagenes / SHS Architekten, Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, berlin.de, Berliner Immobilienmanagement GmbH, Volkssolidarität Berlin e. V.
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