Am Berliner Gendarmenmarkt wartet ein bekanntes Geschäftshaus seit Jahren auf seine Fertigstellung. Einem Bericht der Immobilien Zeitung zufolge könnte die finanzierende Bank nun die Initiative ergreifen.

Die Hotel Gendarm GmbH und Co. KG sanierte und stockte das denkmalgeschützte Gebäude auf, bevor sie es 2019 an die Laura Privatstiftung verkaufte. Diese beauftragte zwischen 2021 und 2023 Rohbauarbeiten am angrenzenden Neubau, welche seit der Signa-Pleite, stillstehen. / © Foto: Rausch GmbH
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Seit Jahren steht ein prominentes Bauprojekt am Berliner Gendarmenmarkt still. Das historische Kontorhaus der Rausch Schokoladen-Manufaktur und der angrenzende Neubau blieben nach der Signa-Krise unvollendet.
Nun gibt es Hinweise darauf, dass die finanzierende Deutsche Pfandbriefbank die Fertigstellung des Projekts ermöglichen könnte.
Seit 2023 Baustopp: Schokoladenhaus am Gendarmenmarkt bleibt unvollendet
Das Kontorhaus in der Charlottenstraße 60/61 ließ die Berlinische Bodengesellschaft 1907 im Gründerzeitstil errichten. Die aufwendig gestaltete Natursteinfassade blieb bis heute erhalten, was in dieser Gegend eine Seltenheit ist: Ab 1935 ließ die nationalsozialistische Stadtplanung zahlreiche Berliner Fassaden vereinfachen und überformen. Überregionale Bekanntheit erlangte das Haus schließlich durch die Rausch Schokoladen-Manufaktur, die seit 1999 im Erdgeschoss und weiteren Etagen ansässig ist.
Die Hotel Gendarm GmbH und Co. KG ließ das denkmalgeschützte Gebäude sanieren, entkernen und um zwei Dachgeschosse aufstocken, bevor sie es 2019 an die Stiftung aus dem Umfeld der Signa-Gruppe verkaufte. Die neue Eigentümerin beauftragte zwischen Mai 2021 und März 2023 Rohbauarbeiten am angrenzenden Neubautrakt, mit einem Auftragsvolumen von rund 1,55 Millionen Euro. Seitdem liegt das Projekt still: Innenausbau und Umbau des Neubaus blieben unvollendet.
Signa-Insolvenz trifft weiteres Berliner Projekt: Privatstiftung nun auch pleite
Der Stiftungsvorstand der Laura Privatstiftung stellte am 11. März 2026 beim Landesgericht Innsbruck einen Eigenantrag auf Insolvenz. Dem voraus gingen Schiedssprüche des International Court of Arbitration in Genf, aus denen Zahlungsverpflichtungen von über 900 Millionen Euro erwuchsen, großteils gegenüber Geldgebern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. René Benko, der die Stiftung gemeinsam mit seiner Mutter Ingeborg Benko gegründet hatte, wurde im vergangenen Herbst zu zwei Jahren Haft verurteilt.
Bei einer Prüfungstagsatzung am 18. Mai 2026 berichtete Insolvenzverwalter Dr. Stefan Geiler über den Stand des Verfahrens. Von 1,7 Milliarden Euro angemeldeten Gläubigerforderungen erkannte die Insolvenzverwaltung bislang nur 32,7 Millionen Euro an. Geiler hob das Berliner Projekt als besonders dringlich hervor: Die Bauarbeiten seien unvollendet, der Finanzierungsbedarf erheblich. Man strebe an, den Umbau gemeinsam mit der Pfandgläubigerin abzuschließen und die Immobilie danach geordnet zu veräußern.
Umbau am Gendarmenmarkt: Deutsche Pfandbriefbank soll Fertigstellung des Schokoladenhauses ermöglichen
Die Immobilien Zeitung berichtete am 8. Juni 2026 unter Berufung auf einen Insider, dass die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) bereit sein dürfte, zusätzliche Mittel bereitzustellen. Damit solle verhindert werden, dass das nicht fertiggestellte Objekt vorzeitig verkauft wird. Eine öffentliche Stellungnahme der PBB steht bislang aus. Für die Bank spräche wirtschaftlich einiges dafür: Eine unvollendete Immobilie in bester Berliner Innenstadtlage würde den Wert ihrer besicherten Forderung deutlich schmälern.
Das Haus am Gendarmenmarkt gilt im laufenden Insolvenzverfahren als eines der dringlichsten offenen Projekte. Gegenüber dem KSV1870 teilte die Insolvenzverwaltung mit, dass sie wegen ihrer unmittelbaren Beteiligung an der Projektgesellschaft eng in alle weiteren Entscheidungen eingebunden sei. Einen konkreten Zeitplan für die Wiederaufnahme der Bauarbeiten gibt es öffentlich bisher nicht.
Quellen: KSV1870, Immobilien Zeitung (IZ), eckert+honegger Architekten
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