Mit der Insolvenz von Brewdog endet auch die Brauereinutzung im Marienpark in Berlin-Mariendorf. Der Biergarten auf dem Gelände des historischen Gaswerks war über Jahre ein beliebtes Ausflugsziel. Während der Standort nun vorerst leer steht, wird das Quartier selbst weiterentwickelt.

Brewdog Schild

Mit der Insolvenz der deutschen Tochtergesellschaft hat sich Brewdog vollständig aus Berlin zurückgezogen und neben seinen Bars in Mitte und Friedrichshain auch die Brauerei im Marienpark geschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Mit der Schließung aller Berliner Standorte hat Brewdog auch seinen Betrieb im Marienpark in Mariendorf eingestellt. Für viele Besucherinnen und Besucher war die Brauerei in den vergangenen Jahren einer der wenigen Orte, an denen sich auf dem weitläufigen Gelände regelmäßig Publikum traf – nicht zuletzt wegen seiner ungewöhnlichen Lage.

Der Weg dorthin führt zunächst tief hinein in ein weitläufiges Gewerbegebiet, vorbei an Lagerhallen und Lkw-Stellplätzen. Erst in der Ferne erscheint ein markanter Wasserturm aus rotem Backstein. Er gehört zum historischen Gaswerk Mariendorf und markiert den Eingang zum Gelände, das heute als Marienpark bekannt ist.

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Marienpark in Mariendorf: Vom Industriekomplex zum Innovationsquartier

Der Ursprung des Areals reicht mehr als ein Jahrhundert zurück. Um 1900 entstand hier eines der großen Gaswerke Berlins. Der Betrieb versorgte die Stadt über Jahrzehnte mit Stadtgas und prägte die industrielle Entwicklung im Süden der Hauptstadt. Erst 1996 wurde die Anlage stillgelegt.

Viele Gebäude aus dieser Zeit sind bis heute erhalten. Die markanten Backsteinbauten bilden den historischen Kern des heutigen Gewerbestandorts. In den vergangenen Jahren wurde das Gelände schrittweise zu einem Innovationsquartier umgebaut, in dem sich Unternehmen, Start-ups und Einrichtungen aus unterschiedlichen Branchen ansiedeln.

Gaswerk Marienpark

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Von High-Tech bis No-Tech: Nutzungsmix auf dem Areal in Mariendorf

Zu den Nutzern gehören Firmen aus Technologie- und Forschungsfeldern wie Life Sciences, Künstliche Intelligenz oder Sicherheitstechnologien. Gleichzeitig finden sich dort auch kleinere Betriebe, Gastronomieangebote und soziale Einrichtungen, etwa eine skandinavisch geprägte Kita oder eine französische Bäckerei.

Die Brauerei auf dem Gelände war dabei lange ein wichtiger Anziehungspunkt. Ursprünglich hatte der US-Craftbierhersteller Stone Brewing hier eine große Produktionsstätte eröffnet. Gründer Greg Koch investierte rund 25 Millionen Euro in die Anlage, zu der auch ein Restaurant und ein großer Biergarten gehörten. Nachdem sich Stone 2019 aus Berlin zurückgezogen hatte, übernahm Brewdog den Standort.

Sanierung historischer Gebäude im Marienpark: Apparatehaus wird Fläche für Büros und Café

Parallel zur Nutzung durch Gastronomie und Gewerbe wird das Gelände weiterhin baulich weiterentwickelt. Ein Beispiel dafür ist das historische Apparatehaus aus dem Jahr 1901. Das denkmalgeschützte Gebäude, direkt neben der Brauerei, wird derzeit umfassend saniert und umgebaut.

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Künftig sollen dort Loftbüros, Werkstätten sowie ein Café entstehen. Ziel des Umbaus ist es, die unterschiedlichen Bauphasen des Hauses sichtbar zu machen, von der ursprünglichen Industriearchitektur über Umbauten aus den 1950er-Jahren bis zur heutigen Modernisierung. Teilweise werden alte Geschossdecken zurückgebaut und neue Ebenen in Holzbauweise eingefügt.

Auch energetisch wird das Gebäude neu aufgestellt. Auf dem Dach ist eine Photovoltaikanlage vorgesehen, während die Wärmeversorgung über ein Niedertemperaturnetz erfolgen soll, das unter anderem Abwärme benachbarter Rechenzentren nutzt. Viele vorhandene Bauteile – etwa alte Kranbahnen – werden dabei wiederverwendet.

Berliner Süden: Offene Zukunft für den ehemaligen Brauerei-Standort

Während die Entwicklung des Quartiers weiterläuft, bleibt die Zukunft der ehemaligen Brauerei vorerst offen. Mit dem Rückzug von Brewdog verliert das Gelände einen der wenigen Orte, die regelmäßig auch Besucher von außerhalb anzogen. Gerade für den Ortsteil Mariendorf hatte das Angebot eine besondere Bedeutung. In der Umgebung gibt es nur wenige gastronomische Treffpunkte; entsprechend groß war zuletzt der Zuspruch für Biergarten und Gastronomie auf dem historischen Gelände.

Ob dort künftig wieder Gastronomie, eine neue Brauerei oder eine andere Nutzung einzieht, ist derzeit nicht bekannt. Klar ist jedoch: Das ehemalige Gaswerksgelände bleibt ein Ort im Wandel, mit einer langen Industriegeschichte und weiterhin laufenden Entwicklungsprojekten.

Solaranlagen Marienpark

Auf einer Teilfläche des ehemaligen Gaswerk Mariendorf errichtete die GASAG bereits 2011 eine große Freiflächen-Photovoltaikanlage mit rund 7.756 Solarmodulen und einer Leistung von etwa zwei Megawatt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: Marienpark Berlin, Brewdog, Der Tagesspiegel, Berliner Kurier, Wikipedia, Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

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One Comment

  1. Jan 12. März 2026 at 21:40 - Reply

    Der Standort wäre wesentlich besser aufgestellt, gebe dort einen S-Bahnhof.

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