Kaum eine Berliner Fläche sorgt seit Jahren für so viel Streit wie das Tempelhofer Feld. Nach der Abgeordnetenhauswahl haben sich die politischen Kräfteverhältnisse verändert. Damit stellt sich auch die Frage neu, was aus den zahlreichen Ideen für die Zukunft des Feldes wird.

Das Modell der Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ zeigt die geplante Randbebauung des Tempelhofer Feldes mit neuen Wohnquartieren und dauerhaft geschützter Freifläche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
Das Tempelhofer Feld war schon vor der Berlin-Wahl ein politischer Streitpunkt. Inzwischen liegen Ergebnisse eines internationalen Ideenwettbewerbs und konkrete Vorschläge für eine Randbebauung vor. Doch beschlossen ist weiterhin kein neues Quartier. Nach der Wahl hängt die weitere Entwicklung vor allem davon ab, welche Parteien künftig gemeinsam regieren.
- Bezirke: Tempelhof-Schöneberg
- Adresse: Tempelhofer Damm, 12101 Berlin
- Fläche des ehemaligen Flughafenareals: rund 355 Hektar
- Status: Politische Entscheidung über weitere Entwicklung offen
2014 schufen die Berlinerinnen und Berliner die rechtliche Grundlage für den heutigen Zustand. Beim Volksentscheid stimmten 739.124 Menschen für den Gesetzentwurf der Initiative „100 % Tempelhofer Feld“. Das entsprach 64,3 Prozent der Teilnehmenden. Seitdem schützt das Tempelhofer-Feld-Gesetz die Freifläche. Eine Randbebauung würde deshalb eine Änderung dieses Gesetzes voraussetzen.
Ideenwettbewerb lieferte sechs Konzepte für das Tempelhofer Feld
Der bisherige CDU-SPD-Senat ließ trotzdem untersuchen, welche Entwicklung grundsätzlich denkbar wäre. Für den internationalen Ideenwettbewerb gingen 164 Arbeiten ein. 20 kamen in die zweite Runde, sechs landeten schließlich gleichberechtigt in der Preisgruppe. Nur zwei dieser sechs Konzepte sehen eine Randbebauung vor. Allen gemeinsam ist dagegen der Erhalt der großen freien Mitte.
Die Ergebnisse waren ausdrücklich keine Bauentscheidung. Nach dem Wettbewerb und einer dritten Dialogwerkstatt ging das Material zurück in den politischen Raum. Der Beteiligungsprozess brachte zudem konkrete Wünsche hervor: mehr Schatten, bessere Zugänge, eine stärkere Verbindung mit den umliegenden Kiezen sowie die weitere Nutzung bestehender Gebäude. Damit geht es bei der Zukunft des Feldes längst nicht nur um die Frage, ob Wohnungen entstehen.

Wohnen am Tempelhofer Feld: So stellt sich die Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“ die Schaffung von attraktivem Wohnraum unmittelbar am ehemaligen Flugfeld in Tempelhof vor. / © Visualisierung: Kollhoff/Nöfer/Astigmatic
CDU will mehr als 20.000 Wohnungen – SPD setzt andere Prioritäten
Dennoch: Besonders deutlich unterscheiden sich die Parteien beim Thema Wohnungsbau. Die CDU bekennt sich in ihrem Regierungsprogramm zu einer Randbebauung. Mehr als 20.000 Wohnungen für rund 50.000 Menschen sollen nach ihren Vorstellungen entstehen. Zusätzlich möchte die Partei Teile des Feldes zu einem neuen Stadtwald entwickeln.
Die SPD hat ihre Position dagegen verändert. Ihr Wahlprogramm sieht vor, das Feld in seiner heutigen Funktion zu erhalten und behutsam weiterzuentwickeln. Wohnungen am Feldrand kommen für die Partei nicht infrage, solange andere Bauflächen in Berlin ungenutzt bleiben. Im Umfeld des Flughafengebäudes hält sie dagegen landeseigenen und genossenschaftlichen Wohnungsbau für möglich, sofern dafür nicht in die geschützte Feldfläche eingegriffen wird.
Auch Grüne und Linke lehnen eine Bebauung ab. Die Grünen bezeichnen den Volksentscheid ausdrücklich als bindend. Die Linke fordert ebenfalls den vollständigen Erhalt der Freifläche und hält am Tempelhofer-Feld-Gesetz fest.

Das Tempelhofer Feld steht seit Jahren im Zentrum stadtpolitischer Debatten. Dabei geht es um Wohnungsnot, Klimaschutz, Freiraum, Denkmalschutz und die Frage, wie Berlin mit einer der größten innerstädtischen Freiflächen Europas umgehen soll. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, FAL
Nach der Berlin-Wahl beginnen die politischen Gespräche
Damit bekommt das Thema nach der Wahl eine neue Ausgangslage. Die Linke wurde stärkste Kraft und hat Grüne und SPD zu Sondierungsgesprächen eingeladen. Alle drei Parteien haben Gesprächen zugestimmt. Ob daraus tatsächlich eine gemeinsame Regierung entsteht, ist allerdings offen.
Für das Tempelhofer Feld würde eine Koalition bedeuten: Eine sofortige Randbebauung ist ziemlich unwahrscheinlich. Über die langfristige Zukunft des Feldes oder über Änderungen des Tempelhofer-Feld-Gesetzes wäre damit dennoch nicht entschieden.
Tempelhofer Feld
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Tempelhof Projekt GmbH, Grün Berlin GmbH, SPD Berlin, CDU Berlin, Bündnis 90/Die Grünen Berlin, Die Linke Berlin, Initiative „Zuhause am Tempelhofer Feld“, Tagesschau
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14 Kommentare
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Man hätte über die Überschrift „Was aus den Bauplänen werden könnte“ auch einen Papierkorb abbilden können. Oder eine staubige Schublade?
Gut, dass der Quatsch jetzt erst mal vorbei ist.
Es gibt keinen „Streit um das Feld“, die Berliner sind sich sehr einig, neben unzähligen sehr guten weiteren Gründen, das Feld zu schützen. Sozial, ökologisch, .. alleine schon der Klimaeffekt auf die Stadt. Auch das Argument Wohnungsnot zieht nicht. Siehe die Doku Feldliebe, gratis über YT.
Einig nur dass man die Stadt an die Clans übergibt. Aber vielleicht kann man ja Marihuana anbauen auf dem Feld.
Aha, die Stadt gehört bald den Clans. Jaja. Ist Ihr offenbar allzu reichlich konsumiertes Marihuana auch vom Feld?
Die Brisanz des Erhaltes insbesondere von konservativen Neuköllnern hat die CDU, mal wieder, mit ihrem Bebauungsplan unterschätzt und die Quittung erhalten. Leider werden CDU und SPD es wieder mal nicht verstehen.
Na klar, die Berliner sind sich einig…
So ein Quatsch.
So was kann auch nur sagen, wer nicht gerade auf der Suche nach einer bezahlbaren Wohnung ist.
»Nach Wahlsieg: Die Linke torpediert Wohnungsbau.« wäre eine entlarvende Überschrift.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wohnungen die auf dem Feld entstehen würden bezahlbar wären.
Auf dem Feld kann man das Gefühl von Freiheit erleben. Das ist eben nichts für konservative und ängstliche Seelen.
…bauen sie doch endlich Hochhäuser, legen sie die Stadtautobahn unter die dann hat man weniger Lärm und mehr Freiflächen
Berlin hat einen Überhang von Baugenehmigungen von 48.394 (Stand Ende 2025)
Es könnte gebaut werden aber es rechnet sich nicht.
Wie ich es mir dachte. Wenn ich das Modellbild richtig deute, fallen als erstes die Kleingärten am Rande weg. Das empfinde ich als ausgemachte Sauerei. Was ist mit dem Beschluss die Kleingärten zu erhalten? Auch wenn man hier Ersatzgärten anbieten würde, einen über Jahre und Jahrzehnte gewachsenen Garten kann man nicht „umziehen“! Für mich mit über 70 eine Unmöglichkeit. Schande auf diese Politiker. Da stehen seit vielen Jahren Mietshäuser leer und keiner unternimmt etwas. Aber große Pläne werden gemacht. Warum? Um sich wichtig zu machen?
Es gibt einen gültigen Volksentscheid.
Dieser kann nur mit eigenem neuen Volksentscheid abgeändert oder aufgehoben werden.
Damit gibt es 2 Optionen:
1.
Bestandsgebäude und deren Vorfeld fallen nicht unter den Schutz durch den Volksentscheid und können genutzt werden.
2.
Ein neuer Volksentscheid.
Dafür müsste ein extrem überzeugendes Konzept her, dass
– überwiegend günstigen Wohnraum garantiert (z.B. min. 20% WBS und weitere min. 50% unter 10 €/qm),
– bevorzugt durch Berlin-eigene Betriebe anstatt Investoren,
– und eine ausreichende Infrastruktur bietet (unter anderem Anbindung an umliegende Kieze, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, je nach Größe: Kitas und Schulen, dazu ÖPNV, Grünanlagen)
Das könnte funktionieren.
Anstatt die Stimmung mit unnötigen Wettbewerben und Bebauungs-/Profit-Fantasien zu torpedieren, könnte also mal ein vernünftiger Vorschlag für die Bestandsgebäude oder ein neuer Volksentscheid mit einem überzeugenden Angebot kommen.
Wir haben nicht zu wenig Wohnungen, sondern zu viele Armutszuwanderer. Warum überlassen die etablierten Parteien eigentlich der Schlepperkriminalität die Einwanderungspolitik, anstatt diese selbst zu übernehmen?
Hier kann sich die zukünftig regierende Linke mal konstruktiv produzieren und 50K Menschen umgehend mit zusätzlich neuem Wohnraum für ein Viertel ihrer benötigten Enteignungskohle versorgen…