Am Alexanderplatz wird längst gebaut und geplant. Doch der Schinkel-Wettbewerb 2027 setzt deutlich grundsätzlicher an und fragt, welche Rolle der Ort künftig für Berlin spielen soll. Dabei reicht der Blick weit über den eigentlichen Platz hinaus.

Mit einer geplanten Höhe von rund 130 Metern entsteht das Hochhaus direkt am Alexanderplatz im Bezirk Berlin-Mitte und prägt künftig die dortige Skyline. / © Covivio
© Titelbild: depositphotos.com
Der Alexanderplatz ist Einkaufsort, Verkehrsknoten, Tourismusziel und einer der bekanntesten Stadträume Berlins. Zugleich treffen hier DDR-Moderne, neue Hochhäuser und jahrzehntealte Planungen aufeinander. Nun stellt der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) die Entwicklung des Platzes erneut zur Diskussion – bewusst unabhängig von bereits festgelegten Lösungen.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Planungsgebiet: Alexanderplatz sowie angrenzende Bereiche an Alexanderstraße, Otto-Braun-Straße und Karl-Liebknecht-Straße
- Preisverleihung: März 2027
- Besonderheiten: Sechs Fachsparten; Aufgaben zum Haus der Elektroindustrie, zur Waisenbrücke, zum öffentlichen Raum und zur Mobilität
Unter dem Titel „Mythos Alexanderplatz“ sollen junge Planerinnen und Planer eine neue Perspektive für den Platz und sein Umfeld entwickeln. Der Untersuchungsraum umfasst auch die Alexanderstraße, Otto-Braun-Straße und Karl-Liebknecht-Straße. Einzelne Aufgaben führen sogar bis zum Haus der Elektroindustrie und zur Waisenbrücke an der Spree.
Damit setzt der Wettbewerb an einem Ort an, dessen Zukunft seit Jahrzehnten umstritten ist. Der Masterplan von Hans Kollhoff und Helga Timmermann aus dem Jahr 1993 prägt die Hochhausentwicklung bis heute. Inzwischen entstehen mit dem Hochhausprojekt „030BLN“ und weiteren Türmen sichtbare Teile dieser neuen Silhouette. Zugleich hat der Senat Ende August 2026 den Bebauungsplanentwurf für das geplante Hines-Hochhaus beschlossen. Vorgesehen ist weiterhin eine Höhe von 150 Metern; nun muss das Abgeordnetenhaus zustimmen.

Die schematische Darstellung zeigt den geplanten Hines-Tower am Alexanderplatz neben dem bestehenden Geschäftshaus „die mitte“. Das Hochhaus soll rund 150 Meter hoch werden und könnte bis zu 380 Mietwohnungen aufnehmen. / © Foto: Wikimedia Commons, Rainer Lück, CC BY-SA 3.0 / Skizze: ENTWICKLUNGSSTADT mit KI
Schinkel-Wettbewerb 2027: Nicht nur Hochhäuser am Alexanderplatz
Der AIV setzt jedoch einen anderen Schwerpunkt als die laufenden Hochhausprojekte. In der Fachsparte Städtebau soll ein Leitbild entstehen, das den Alexanderplatz besser mit seinem Umfeld verbindet. Kommerzielle Angebote sollen mit Nutzungen für das Gemeinwohl zusammengedacht und Verkehrsflächen neu geordnet werden. Die Landschaftsarchitektur beschäftigt sich wiederum mit mehr Grün, weniger versiegelten Flächen, Regenwassermanagement, Biodiversität und einem besseren Mikroklima.
Besonders weitreichend ist die Vorgabe für die Verkehrsplanung. Die Teilnehmer sollen davon ausgehen, dass die Flächen für den motorisierten Individualverkehr um rund 50 Prozent reduziert werden. Den dadurch gewonnenen Stadtraum sollen sie für Aufenthalt, Klimaanpassung und soziale Teilhabe nutzen. Es handelt sich dabei ausdrücklich um eine Aufgabenstellung des Ideenwettbewerbs und nicht um einen bereits politisch beschlossenen Verkehrsumbau am Alexanderplatz.
Haus der Elektroindustrie wird Teil der Wettbewerbsaufgabe
Auch der Umgang mit der DDR-Moderne spielt eine zentrale Rolle. Für das Haus der Elektroindustrie und die vorgelagerte Freifläche sollen die Teilnehmer einen neuen Nutzungsmix entwickeln. Der AIV nennt kommerzielle, öffentliche, kulturelle und soziale Angebote sowie neue Formen des Wohnens und Arbeitens. Gleichzeitig soll das Gebäude stärker mit den umliegenden Quartieren verbunden werden.
Das Thema ist am Alexanderplatz bereits konkret sichtbar. Direkt nordöstlich entwickelt Berlin das Quartier am Haus der Statistik mit Wohnungen, Verwaltung, Kultur und öffentlich zugänglichen Freiräumen. Der Bebauungsplan für dieses Areal ist allerdings von der Aufgabenstellung des Schinkel-Wettbewerbs zu unterscheiden: Während dort eine konkrete Quartiersentwicklung läuft, sammelt der AIV zunächst Ideen für einen größeren Stadtraum.
Waisenbrücke: Wettbewerb reicht vom Alexanderplatz bis zur Spree
Noch weiter entfernt sich eine andere Fachsparte vom eigentlichen Alexanderplatz. Im konstruktiven Ingenieurbau soll die historische Waisenbrücke als neue Fuß- und Radverbindung über die Spree gedacht werden. Die Entwürfe sollen dabei auch Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und Urban Mining berücksichtigen.
Der Wettbewerb verbindet damit mehrere Ebenen der Stadtentwicklung: Gebäude, Straßen, Freiräume und Verbindungen zwischen den Quartieren. Nach Angaben des AIV sollen auch Fachrichtungen außerhalb der klassischen Planung mitarbeiten können. Genannt werden unter anderem Umwelt- und Materialwissenschaften, Soziologie, Geisteswissenschaften, Design, Innenarchitektur und Informatik.

Die Grafik zum Schinkel-Wettbewerb 2027 stellt den „Mythos Alexanderplatz“ in den Mittelpunkt und nennt die sechs beteiligten Fachsparten des Wettbewerbs. / © Grafik: AIV
„Mythos Alexanderplatz“: Nachwuchs bis 35 Jahre kann teilnehmen
Der Schinkel-Wettbewerb richtet sich an Studierende und Absolvierende aus Städtebau, Landschaftsarchitektur, Architektur, Bauingenieurwesen und Verkehrsplanung sowie an Künstlerinnen und Künstler und Studierende der Freien Kunst. Zum Abgabetermin dürfen die Teilnehmer nicht älter als 35 Jahre sein. An einem Beitrag können bis zu vier Verfasserinnen und Verfasser gemeinsam arbeiten.
Voraussichtlich stehen Preisgelder von insgesamt bis zu 30.000 Euro bereit. In jeder Fachsparte kann ein Schinkelpreis in Höhe von 3.000 Euro vergeben werden; hinzu kommen Sonderpreise. Die Arbeiten müssen bis zum 8. Februar 2027 eingereicht werden. Am 13. März 2027 sollen Ausstellung und Schinkel-Fest mit der Preisverleihung folgen.
Schinkel-Wettbewerb 2027: Mythos Alexanderplatz
Quellen: Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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4 Kommentare
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Das DDR-Haus der Elektroindustrie gehört aus meiner Sicht zu den größten Stadtentwicklungssünden der Stadt. Es verriegelt das dahinter liegende Viertel wie eine Mauer. Ok, es ist das beste Negativbeispiel für die DDR-Moderne und diskreditiert diese. Architektonisch ist es extrem langweilig. Die Verbesserungsversuche haben aus meiner Sicht nichts gebracht. Die Flächen davor sind seit mehr als 35 Jahren ohne Aufenthaltswert. Der Hochhäuserplan war schon deswegen eine Verbesserung, insbesondere die Öffnung der Keibelstraße. Ich hoffe, diese in den 1990er Jahren entwockelte Struktur von Kollhoff bleibt erhalten.
Man könnte den Straßentunnel am Alexanderplatz für den Individualverkehr schließen und zum Straßenbahntunnel mit einer Untergrund-Haltestelle umbauen. Der Alexanderplatz wäre da wo heute die Straßenbahnen über den Platz fahren ohne Tramverkehr und ein reiner Fußgängerplatz.
https://linieplus.de/proposal/berlin-strassentunnel-am-alexanderplatz-zum-strassenbahntunnel-umbauen/
Zitat:“Die Landschaftsarchitektur beschäftigt sich wiederum mit mehr Grün, weniger versiegelten Flächen, Regenwassermanagement, Biodiversität und einem besseren Mikroklima. Besonders weitreichend ist die Vorgabe für die Verkehrsplanung. Die Teilnehmer sollen davon ausgehen, dass die Flächen für den motorisierten Individualverkehr um rund 50 Prozent reduziert werden.“
Das lässt hoffen! Fehlt nur noch autarke Energiegewinnung, wobei das alles auf die gesamte Stadt ausgedehnt werden muss. Weil die Realität es gebietet.
Stimmt. Begrünte Hochhausfassaden fände ich richtig gut. Und mehr Grün vor Haus A des Hauses der Statistik. Wie wäre es dort mit einer Reihe Pappeln? Das sähe bestimmt super aus. Oder entlang der Otto Braun Straße weitere Platanenreihen, wiederum parallel zum Haus der Statistik. Oder auf dem Monsterbürgersteig am Eingang der Karl Marx Allee am Haus des Lehrers. Oder entlang der Bernhard Weis Straße. Und endlich die Baumscheiben zwischen Alexanderplatz und Rotem Rathaus bepflanzen, gern auch mit Platanen. Die filtern die heiße Sonne gut und sind hitzebeständig. Viele Platanen stehen in der Provence.