Der Umbau des Museums für Naturkunde Berlin in Mitte ist ohne Ausweich- und Ergänzungsflächen kaum zu stemmen. Deshalb entsteht im Technologiepark Adlershof ein neuer Standort für Sammlung und Forschung — als Voraussetzung, um am historischen Hauptgebäude weitere Bauabschnitte überhaupt umsetzen zu können. ENTWICKLUNGSSTADT hat exklusive Einblicke bekommen.

Das Museum für Naturkunde Berlin befindet sich mitten in einer der größten Sanierungen seiner Geschichte. Bis 2035 soll das Hauptgebäude an der Invalidenstraße in Berlin-Mitte grundlegend erneuert werden — ergänzt durch einen neuen Forschungs- und Sammlungsstandort im Südosten der Stadt, in Adlershof. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung Titelbild: agn
Der Umbau des Museums für Naturkunde Berlin ist ein Projekt mit zwei Adressen. Während an der Invalidenstraße die Sanierung im laufenden Betrieb weiterläuft, entscheidet sich die Zukunft des Hauses auch viele Kilometer südöstlich, im Technologiepark Adlershof. Denn erst wenn dort neue Depot- und Forschungsflächen bereitstehen, kann das Museum seine besonders belasteten Gebäudeteile in Mitte umfassend sanieren. Der Nordteil soll nach aktuellem Stand erst dann vollständig folgen können, wenn Adlershof parallel fertiggestellt ist — angepeilt bis 2029.
Platzmangel an der Invalidenstraße: Neubau in Adlershof als Voraussetzung für den Umbau
Im historischen Gebäude an der Invalidenstraße stoßen Sammlung, Forschung und Besucherbetrieb seit Jahren an räumliche Grenzen. Die Ausstellungen geben zwar Einblicke in die wissenschaftliche Arbeit, doch der Großteil der rund 30 Millionen Objekte bleibt im Hintergrund. Die Sammlungsstücke benötigen jedoch Bedingungen, die im Bestand nicht überall herstellbar sind. Deshalb verknüpfen die Projektverantwortlichen den Fortschritt am Hauptstandort, mit einem zweiten Baustein: einem Neubau der dafür geplant wurde, Teile der Sammlung aufzunehmen und mit Forschung an einem Ort bündelt.
Diese Logik erklärt, warum der große Umbau nicht als reine „Baumaßnahme in Mitte“ gedacht ist, sondern als Umstrukturierung einer Infrastruktur. Ohne die Entzerrung der Flächen würde jede Sanierungsphase zusätzliche Engpässe produzieren. Denn es müssen Sammlungsräume freigeräumt, Objekte umgelagert, Arbeitsplätze verlegt und Wege durch Baustellen organisiert werden. Genau deshalb wird Adlershof nicht als Nebenprojekt behandelt, sondern als Voraussetzung, um am Hauptgebäude weiter voranzukommen.
Neubau in Adlershof: 19.000 Quadratmeter für Forschung und Sammlung bis 2029
Der künftige Standort im Technologiepark Adlershof liegt verkehrsgünstig nahe dem S-Bahnhof Adlershof und eingebettet in ein lebendiges Umfeld aus Hochtechnologie-Unternehmen, Start-ups und außeruniversitären Forschungseinrichtungen — darunter das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Dort soll ein Gebäude entstehen, das vor allem funktional gedacht ist. Auf rund 19.000 Quadratmetern sollen Labore, Büros und ein großer Teil der Sammlung untergebracht werden. Für das Projekt sind nach den vorliegenden Angaben gut 113 Millionen Euro eingeplant, die Fertigstellung wird derzeit auf 2029 avisiert.
Inhaltlich verschiebt sich damit auch die Rollenverteilung der beiden Standorte. Während das Museum an der Invalidenstraße stärker als Ort des Dialogs, der Vermittlung und der öffentlichen Zugänglichkeit geplant ist, soll Adlershof die wissenschaftliche Arbeit an und mit den Objekten ermöglichen: Erschließung, Forschung, Pflege, Logistik. Der Zweitstandort ist damit kein „zweites Museum“ im klassischen Sinn, sondern ein Arbeits- und Sammlungsort — mit punktuellen Öffnungen etwa für Veranstaltungen oder Einblicke, jedoch ohne regulären Ausstellungsbetrieb als Schwerpunkt.
Generalplaner agn begleitet den Bau in Adlershof als Voraussetzung für die Sanierung des Nordflügels
Den Zuschlag für die Planung und Entwicklung des neuen Standorts in Adlershof erhielt das Generalplanungsbüro agn. Geplant ist ein dreigeschossiger Bau, der die Sammlungsobjekte in kompakter, setzkastenartig organisierter Struktur schwerlastfähig aufnehmen soll. Der Baubeginn ist für Ende 2026 vorgesehen, die Fertigstellung für Ende 2029. Parallel laufen bereits vorbereitende Planungs- und Ausschreibungsprozesse.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Form als der Zweck: Adlershof soll Kapazitäten freisetzen, damit in Mitte nicht nur einzelne Trakte modernisiert werden, sondern auch stark belastete Bereiche wie der Nordflügel endlich umfassend saniert werden können. Der Zeitplan des Gesamtprojekts hängt damit an einer Kette von Abhängigkeiten. Denn erst der Umzug der Sammlung nach Adlershof ermöglicht weitere Baumaßnahmen in Berlin-Mitte.
Sammlungsumzug nach Adlershof: 500 Lkw-Ladungen als logistische Herausforderung
Die Verlagerung der Sammlungsbestände ist nicht nur logistisch anspruchsvoll, sondern auch konservatorisch niveauvoll. Beim Umzug müssen schwere Fossilien, fragile Mineralien sowie Millionen Insektenpräparate transportiert werden. Allein die entomologische Sammlung umfasst etwa 15 Millionen Objekte. Für den Transport nach Adlershof rechnet das Museum mit rund 500 Lkw-Ladungen.
Aktuell laufen bereits die Vorarbeiten. Bestände werden konservatorisch gesichert, vor verpackt, gezählt und digital erfasst, damit sie am Zielstandort auffindbar bleiben. Das gehört zum eigentlichen Kern des Projekts. Die Sammlung soll nicht nur „umziehen“, sondern zugleich erschlossen und für neue Arbeitsweisen vorbereitet werden, auch im Sinne einer stärkeren Digitalisierung.
Technologiepark Adlershof als Forschungsstandort: Voraussetzung für die Sanierung an der Invalidenstraße
Der Technologiepark Adlershof steht für die Projektverantwortlichen für wissenschaftliche Vernetzung, kurze Wege zu Forschungseinrichtungen und ein Umfeld, in dem Infrastruktur gezielt auf Labor- und Arbeitsnutzung ausgelegt ist. Adlershof wird damit zum funktionalen Gegenstück des denkmalgeschützten Haupthauses und zugleich zur Bedingung, um dessen Sanierung konsequent zu Ende zu führen.
Im nächsten Teil unserer Serie auf ENTWICKLUNGSSTADT geht es um konkrete Schritt am Hauptstandort an der Invalidenstraße. Mit einem besonderen Blick darauf, wie Denkmalschutz, Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit unter laufendem Betrieb zusammengeführt werden.

Mit Abschluss der Sanierung soll der heutige Sauriersaal im Museum für Naturkunde in Berlin-Mitte, zum offenen Eingangsbereich umgestaltet werden, während die Dinosaurier-Exponate künftig im überdachten Innenhof ausgestellt werden sollen. / © Visualisierung: GMP mit Rainer Schmidt Landschaftsarchitekt
Naturkundemuseum Berlin
Standort Adlershof
Quellen: Museum für Naturkunde Berlin, Generalplanerbüro agn Niederberghaus & Partner GmbH
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Alles wird „grundlegend saniert, erweitert“ oder gar „neu erfunden“ – nichts wird fertig, Berlin verslumt sichtbar, kein Kostenrahmen wird gehalten,
DHM: Geschlossen seit 2021 – noch nicht einmal ein Konzept liegt vor.
MÄRKISCHES MUSEUM: Geschlossen, umfassende Sanierung, open end.
BAUAKADEMIE – der reinste Schneckenprozeß seit 2000
ZLB – eine einzige Quälerei, Ideen, Debatten, Fallenlassen der Ideen, Neue Ideen, Debatten etc.
MUSEUM BERGGRUEN: Während der bis 2025/2026 dauernden Sanierung des Stülerbaus befindet sich die Sammlung auf einer internationalen Tournee; Teile werden zudem in temporären Formaten in Berlin gezeigt.
BERLIN GLOBAL – Die Zukunft der Ausstellung im Humboldt Forum ist aktuell Gegenstand von Diskussionen ; aufgrund des nicht gegebenen Nuseumsklimas weitgehende Beschränkung auf Schrifttafeln.
EXILMUSEUM -Was für Pläne und Grafiken – jetzt sang- und klanglos aufgegeben.
BERLIN IST ABSOLUT KRANK.
Und nicht vergessen: Die Museumsinsel mit dem Pergamonmuseum! Ditte is eben Balin, wa!
Ausgezeichnet. Jetzt wird das Projekt, der Zukunftsplan umgesetzt. Viel Erfolg 👍