Gegenüber dem Schloss Charlottenburg ist das Museum Berggruen seit Jahren hinter Gerüsten verschwunden. Aktuelle Bilder zeigen, dass die Arbeiten inzwischen bis hinauf zum markanten Kuppelaufbau reichen. Die Geschichte des Gebäudes führt zugleich zu einem fast identischen Nachbarn – und zur Nofretete.

Große Teile des Museums Berggruen sind im Oktober 2026 weiterhin von Gerüsten und Schutzplanen verdeckt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Gegenüber dem Schloss Charlottenburg prägen zwei fast spiegelbildliche Gebäude den Eingang zur Schloßstraße. Doch während im östlichen Haus weiterhin die Sammlung Scharf-Gerstenberg untergebracht ist, gleicht der westliche Stülerbau seit längerer Zeit einer Großbaustelle. Dort entsteht hinter Gerüsten und Schutzplanen das künftige Museum Berggruen.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Schloßstraße 1, 14059 Berlin
- Projekt: Grundinstandsetzung des Stülerbaus West / Museum Berggruen
- Projektstatus: im Bau
- Fertigstellung: offiziell für 2026 vorgesehen
Die Baustelle am Museum Berggruen ist inzwischen auch von außen kaum zu übersehen. Große Teile des Gebäudes sind eingehaust. Ein dichtes Gerüst steht um den runden Dachaufbau. Der Umfang der Grundinstandsetzung ist groß. Das denkmalgeschützte Gebäude wird teilweise bis auf den Rohbau zurückgeführt.
Dach und Fassaden werden saniert, das Kellermauerwerk abgedichtet und die technischen Anlagen für den Museumsbetrieb vollständig erneuert. Hinzu kommen Maßnahmen zur Energieeffizienz. Auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage installiert werden.

Die Sanierung des Museums Berggruen betrifft auch den markanten Dachaufbau des historischen Stülerbaus West. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Mehr Barrierefreiheit und ein neuer Rundgang durch das Museum
Auch im Inneren verändert sich das Haus deutlich. Der Eingangsbereich soll neu geordnet und die Beleuchtung verbessert werden. Der Hublift am Eingang und die Aufzugskabine werden erneuert, außerdem erhält das Museum ein barrierefreies Leitsystem. Im zweiten Obergeschoss soll künftig ein vollständiger Rundgang durch die Ausstellungsräume möglich sein.
Das Museum hatte am 5. September 2022 geschlossen. Im Oktober desselben Jahres wurde das Gebäude für die Baumaßnahme an das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung übergeben. Zunächst folgten Untersuchungen, Beprobungen und bauvorbereitende Arbeiten. Die eigentlichen Abbrucharbeiten sollten anschließend im September 2023 beginnen. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz nannte als Ziel zuletzt eine Wiedereröffnung 2026. Ein konkretes Datum ist jedoch nicht genannt.
Stülerbauten in Charlottenburg: Zwei Zwillinge mit gemeinsamer Geschichte
Der Blick auf das Museum Berggruen erklärt zugleich, warum auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein nahezu identischer Bau steht. Die beiden denkmalgeschützten Kopfbauten entstanden zwischen 1851 und 1859 nach Entwürfen von Friedrich August Stüler und Ideen König Friedrich Wilhelms IV. Ursprünglich gehörten sie zur Kaserne der Gardes du Corps. Die quadratischen Gebäude mit ihren markanten Kuppelaufsätzen wurden spiegelbildlich zur Schloßstraße angeordnet. Nach schweren Kriegsschäden stellte man sie in den 1950er Jahren wieder her.
Heute besitzen die architektonischen Zwillinge unterschiedliche Funktionen. Im westlichen Stülerbau befindet sich das Museum Berggruen. Das Haus wurde zunächst ab 1960 als Antikenmuseum genutzt; Mitte der 1990er Jahre zog die Sammlung Berggruen ein. Der östliche Stülerbau auf der anderen Seite der Schloßstraße beherbergt seit 2008 die Sammlung Scharf-Gerstenberg.

Der östliche Stülerbau gegenüber dem Museum Berggruen gehört zum historischen Gebäudeensemble an der Schloßstraße und beherbergt heute die Sammlung Scharf-Gerstenberg. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Nofretete stand fast vier Jahrzehnte im östlichen Stülerbau
Gerade der östliche Zwilling besitzt dabei eine besondere Berliner Museumsgeschichte. Von 1967 bis 2005 befand sich dort das Ägyptische Museum West-Berlins. Auch die Büste der Nofretete wurde dort gezeigt. Sie zog 1967 aus Dahlem nach Charlottenburg und stand zunächst mehr als zwei Jahrzehnte im ersten Obergeschoss der Rotunde. Anfang der 1990er Jahre erhielt sie einen eigenen Raum im Erdgeschoss.
2005 verließ das Ägyptische Museum Charlottenburg. Die Nofretete kam zunächst ins Alte Museum und 2009 schließlich ins wiedereröffnete Neue Museum auf der Museumsinsel. Im östlichen Stülerbau eröffnete dagegen im Juli 2008 die Sammlung Scharf-Gerstenberg mit Werken der fantastischen und surrealistischen Kunst.
Museum Berggruen: Sammlung reist während der Sanierung um die Welt
Damit erhielten beide historischen Zwillingsbauten an der Schloßstraße ihre heutige museale Nutzung: östlich die Sammlung Scharf-Gerstenberg, westlich das Museum Berggruen. Während der östliche Bau weiterhin für Besucher geöffnet ist, wird sein Gegenüber derzeit grundlegend saniert. Die dort beheimatete Sammlung musste Charlottenburg deshalb vorübergehend verlassen – allerdings nicht, um für mehrere Jahre im Depot zu verschwinden.
Werke unter anderem von Picasso, Matisse, Cézanne und Klee gingen auf eine internationale Ausstellungstournee. Nach Stationen in Tokio, Osaka, Shanghai und Peking folgten unter anderem Venedig, Paris, Canberra und Madrid. 2026 war die Sammlung zudem im Museum of Fine Arts in Houston zu sehen.
Für den Standort in Charlottenburg richtet sich der Blick nun auf das geplante Ende der Bauarbeiten. Zumindest äußerlich laufen weiterhin umfangreiche Arbeiten. Ob die Wiedereröffnung tatsächlich noch 2026 erfolgen kann, ist derzeit ungewiss.

Auch vom Spandauer Damm ist die laufende Sanierung des Museums Berggruen deutlich sichtbar. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Museum Berggruen: Grundsanierung des Stülerbaus West
Quellen: Staatliche Museen zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berliner Denkmaldatenbank, Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
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